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21.06.2011

10:10 Uhr

Wirtschaftsforscher

Euro-Zone vor „chaotischem Zerfallsprozess“

VonDietmar Neuerer

ExklusivDie Griechenland-Debatte zeigt einmal mehr die Unfähigkeit der Politik, tragfähige Lösungen zu finden. Ökonom Horn sieht den Fehler vor allem bei der Bundesregierung, deren Vorschläge er sogar für brandgefährlich hält.

Neuer Euro-Krisenfonds

Video: Neuer Euro-Krisenfonds

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DüsseldorfIn der Debatte um eine Beteiligung privater Gläubiger an den Kosten der Griechenland-Rettung hat der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, die Bundesregierung scharf kritisiert. Das Verhalten der Banken, die erklärt hatten, sich nicht ohne Gegenleistung am nächsten Rettungspaket für Griechenland beteiligen zu wollen, sei vorhersehbar gewesen. Das Konzept der Bundesregierung einer Gläubiger-Beteiligung „war von Anfang an nicht tragfähig und diente allein der politischen Beruhigung“, sagte Horn Handelsblatt Online.

Es füge sich ein in die seit Beginn der Euro-Krise „völlig unzureichende politische Kommunikation der Bundesregierung, die sich zunächst immer hart gegenüber den Krisenländern gibt, um dann am Ende im Angesicht der Realität doch nachgeben zu müssen“.

Ein solches Vorgehen zerstöre die politische Akzeptanz der Hilfsprogramme, sagte der IMK-Chef. „Setzt die Bundesregierung diesen Kurs fort, wird sie am Ende die Währungsunion in einen chaotischen Zerfallsprozess mit unübersehbaren wirtschaftlichen Schäden für Deutschland und Europa treiben.“

Die Einschätzung Horns wird gestützt von den jüngsten Ansagen der Ratingagenturen. So machte der der Chef der Ratingagentur Fitch für die Region Asien-Pazifik, Andrew Colquhoun, unmissverständlich klar, dass ein freiwilliger Tausch von griechischen Staatsanleihen als Zahlungsunfähigkeit eingestuft werden würde. Selbst wenn ein solcher Beitrag privater Gläubiger nach dem Modell eines sogenannten „Rollover“ organisiert werde, ändere dies nichts an der Einschätzung. Die Aussagen lösten einen Kursrückgang des Euro an den asiatischen Devisenmärkten aus. Die Euro-Finanzminister beschlossen am Montag, die nächste Kredittranche nur dann nach Athen zu überweisen, wenn das griechische Parlament das geplante Sparprogramm bis Ende Juni verabschiedet.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy haben sich zuletzt darauf geeinigt, einen Beitrag privater Gläubiger auf freiwilliger Basis anzustreben und dabei die Wiener Initiative zum Vorbild zu nehmen, die auf einem „Rollover“ der Anleihen beruhte. Damit soll die Feststellung eines Zahlungsausfalls und die damit verknüpften Folgen an den Finanzmärkten vermieden werden.

Kommentare (18)

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Ondoron

21.06.2011, 07:27 Uhr

Mich interessiert ernsthaft was noch passieren muss, bevor die EUromantiker endlich begreifen, dass das politische Projekt "Euro" dermassen gescheitert ist und Schäden unvorstellbaren Ausmasses angerichtet hat, dass endlich die Zeit ist, die Sprache der "Alternativlosigkeit" zu überwinden und die Situation bestmöglich zu bereinigen. Die EU wird nur mit jeweils nationalen Währungen überleben. Oder zur EUSSR mutieren, die nur noch Armut verwaltet - wie früher im Ostblock.

Euro

21.06.2011, 08:16 Uhr

Deutschland ist durch das Brechen der no bailout Klausel erpressbar. Die PIIGS wissen, dass die theatralische harte Haltung (keine Einbahnstr., wir erwarten..., nur unter strengen Auflagen,....) nur dazu dient, die Gemüter der eigenen Wähler, die das ganze Euro-Experiment bezahlen müssen, zu beruhigen.
Die Regierung tut alles, um zu verschleiern, trickst, und versucht sogar dem Bundestag Informationen nicht in gegebener angemessener Zeit zu geben. Deutschlands Wohlstand wird verkauft. Deutschland hat sich selbst in die Lage manövriert, zu zaheln, abzunicken, und sich immer tiefer in den Strudel zu verstricken. Wie können erwachsene, angelich fachlich kompetente Politiker JAhrelang nichts machen, obwohl Ökonomen das Desaster voraussahen und sogar geklagt haben. Schäubles "das haben wir so nicht
Die Fehler werden von den sturen Politikern nicht zugegeben, immer weiter werden Schulden mit neuen Schulden schneeballmässig gemacht, auch dies auf Kosten der Steuerzahler.
Eine online Petition gegen Transferunion wurde gestartet:

https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition%3Bsa%3Ddetails%3Bpetition%3D18123

kneipier

21.06.2011, 09:57 Uhr

@ ondoron

"Alternativlosigkeit" sowie "Systemrelevanz" sind Begriffe zur Volksverdummung.

Kurz und prägnant sollte gesagt werden:

"Leider sind Eure Spar-und Papiervermögen schon weg- wir wollen nur noch das Land der EU im Sinne unserer Auftraggeber übereignen."

Das wäre wenigstens ehrlich.

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