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18.06.2011

14:26 Uhr

Wirtschaftsforum

Mewedjew lockt Investoren mit harten Worten

VonFlorian Willershausen

Der russische Präsident Dimitrij Medwedjew hat zur Eröffnung des Internationalen Wirtschaftsforums in St. Petersburg mit großen Versprechungen um Investoren geworben. Doch diese hören die Besucher nicht zum ersten Mal.

Dimitrij Medwedjew richtete erneut klare und harte Worte an die Besucher des Wirtschaftsforums. Quelle: dpa

Dimitrij Medwedjew richtete erneut klare und harte Worte an die Besucher des Wirtschaftsforums.

St. PetersburgVielleicht trinkt der russische Präsident Dmitrij Medwedjew vor seinen Auftritten eine große Kanne Kaffee. Oder Energie-Drinks, und zwar eine halbe Palette. Zumindest lässt der Kremlchef, nunmehr gut drei Jahre in Amt und Würden, keine Zeichen von Müdigkeit erkennen. Er formuliert scharf und inhaltlich treffsicher, zuweilen bellt er seine Worte, um deren Bedeutung zu unterstreichen – ähnlich wie Regierungschef Wladimir Putin, der mächtigste Mann in Russland.

Vor allem spricht Medwedjew Klartext, was ausländischen Investoren stets gut gefällt. So auch am Freitagmorgen, als er das Internationale Wirtschaftsforum in Sankt Peterburg vor fast 5000 Vertretern der weltweiten Business-Elite eröffnet. Bei der Modernisierung Russlands „gibt es kein Zurück mehr“, so Medwedjew. Die Barrieren für Investoren werde man schrittweise abreißen, auch die Korruption bekämpfen und Rechtssicherheit verbessern: Die kriminellen Elemente unter Ermittlern und Richterschaft werde man aus dem System „auspressen“, wettert der Jurist. „Die Schlinge um den Hals der Korrupten wird immer enger.“

Harte Worte, brandender Applaus. Der Präsident hat erkannt, was Investoren an Russland stört. Nur: So oder ähnlich wütet der 45-Jährige schon seit drei Jahren gegen derlei Missstände – getan hat sich seither wenig. Das Forum in Sankt Petersburg, das bis Samstag läuft und dieses Jahr wohl einen Besucherrekord erleben wird, gleich sich inhaltlich immer mehr den vorhergehenden Veranstaltungen an.

Wie gehabt, betrachtet Medwedjew sein Land nur bedingt als krisenfest: „Wir dürfen nicht darauf vertrauen, dass die Preise für Öl und Gas hoch bleiben werden“, warnt der Staatschef und kündigt sogleich an, dass die zusätzlichen Budgeteinnahmen aus dem Öl- und Gasexport aufgespart werden müssten. Damit bleibt der Kremlchef seiner liberalen Linie treu – und stemmt sich gegen Premierminister Putin, der mit Budgetmitteln auch in Boom-Zeiten gern einzelne Wirtschaftssektoren stützt.

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