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16.01.2007

10:59 Uhr

Wirtschaftsgemeinschaft

Asiatische Staaten planen Freihandel

VonOliver Müller

Die größten und dynamischsten Wirtschaftsmächte im asiatisch-pazifischen Raum planen eine Freihandelszone. Diese soll sich von Japan bis Indien und von China über Südostasien bis Australien erstrecken. Das haben 16 Staatschefs bei einem Treffen auf den Philippinen beschlossen. Für Optimisten keimt damit der Kern einer Wirtschaftsgemeinschaft nach europäischem Vorbild.

DELHI. Die Freihandelszone umfasste nahezu jeden zweiten Erdenbürger. Ob und wie schnell der Freihandelsplan allerdings gelingt, blieb beim zweiten „Ostasiengipfel“ offen. Zunächst prüfen Experten dessen Machbarkeit.

Anders als bei ihrem ersten Regionaltreffen, das im Vorjahr ohne Ergebnis scheiterte, gelang Asiens Spitzenpolitikern im zweiten Anlauf zumindest ein politisches Signal: Der boomende Kontinent sucht nach einer Klammer, die historische Zerwürfnisse und Rivalität um seine künftige Führungsmacht entschärfen hilft. Wirtschaftliche Integration zum Nutzen aller entpuppt sich als gangbarster Weg dazu.

„Politische Stabilität entscheidet über Asiens langfristigen wirtschaftlichen Erfolg,“ sagt der bekannte indische Volkswirt Arvind Virmani. Der unmittelbare Symbolwert der Absichtserklärung ist für ihn daher so wichtig wie die Handelserleichterungen, die einmal daraus erwachsen sollen. Schließlich signalisieren Asiens Staaten erstmals Einigkeit, dass sie eine politisch flankierte Strategie für engere wirtschaftliche Verflechtungen brauchen.

Möglich wurde dieser Durchbruch, weil China Widerstand gegen Indien, Australien und Neuseeland als Teil der anvisierten Freihandelszone aufgab. Aus Sorge vor Dominanz durch Peking hatten Japan und andere US-Alliierte auf die Aufnahme dieser drei Freunde Amerikas gedrängt.

„Indien und China sind Asiens Wirtschaftsmotoren“, sagt Peter Drysdale von Australiens National University. Es sei sinnvoll, beide in einem Handelsblock zu vereinen. Wegen hartnäckiger Interessenskonflikte dürfte dieser in absehbarer Zeit zwar kaum Europas Integrationstiefe erreichen. Aber manche Hürden schwinden. „Dieses Jahr verläuft der Gipfel viel ergebnisorientierter“, beobachtet Ong Keng Yong, Generalsekretär der südostasiatischen Staatengemeinschaft Asean.

Analysten erklären dies mit gestiegenem Vertrauen zwischen Schlüssel-Spielern: So markierte Präsident Hu Jintaos Indien-Besuch Ende 2006 eine Entspannung in Chinas Verhältnis zu dem alten Rivalen. Unter dem neuen Premier Shinzo Abe bemüht sich auch Japan um Deeskalation in seinen Beziehungen zur Volksrepublik. Erst vor einem Jahr waren Differenzen über die Kriegsvergangenheit gefährlich aufgeflammt.

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