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11.10.2014

16:06 Uhr

Wirtschaftskonferenz

China setzt auf enge Zusammenarbeit mit der EU

China sei bereit, mit Europa auf allen Ebenen zusammenzuarbeiten, sagt Ministerpräsident Li Keqiang bei seinem Besuch in Hamburg. Außenminister Steinmeier ermahnt die Wirtschaft, Recht und Gesetz einzuhalten.

Chinas Ministerpräsident Li Keqiang bei der Hamburger Wirtschaftskonferenz. dpa

Chinas Ministerpräsident Li Keqiang bei der Hamburger Wirtschaftskonferenz.

HamburgChina und die Europäische Union setzen auf eine intensive Zusammenarbeit. China sei bereit, mit Europa auf allen Bereichen zu arbeiten, sagte Chinas Ministerpräsident Li Keqiang am Samstag in Hamburg auf der Wirtschaftskonferenz „Hamburg Summit: China meets Europe“.

Auf europäischer Seite betonte EU-Parlamentspräsident Martin Schulz, Chinas weltweiter Einfluss sei enorm gewachsen und mit ihm das Potenzial für eine ergiebige Partnerschaft mit der Europäischen Union. „Die Finanzkrise hat gezeigt, wie abhängig wir voneinander sind und wie wichtig damit eine internationale Zusammenarbeit ist“, sagte Schulz. Die EU und China bräuchten einander heute mehr denn je, betonte der EU-Parlamentspräsident.

Der deutsch-chinesische Handel

Exporte

Die deutschen Exporte nach China haben sich seit 2000 versiebenfacht. Wurden damals lediglich Waren im Wert von 9,5 Milliarden Euro in die Volksrepublik geliefert, so stieg der Wert 2012 schon auf knapp 67 Milliarden Euro. Damit gehört China zu den fünf wichtigsten Kunden der Exportnation Deutschland. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertages (DIHK) geht davon aus, dass China ab 2023 zur Nummer eins aufsteigt - noch vor Frankreich und den USA. "Wir steuern auf einen Epochenwechsel zu", sagt DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier. Für Unternehmen wie Audi ist China bereits der wichtigste Absatzmarkt. Exportschlager sind Maschinen, gefolgt von Fahrzeugen und chemischen Produkten.

Importe

Umgekehrt schickt sich die Volksrepublik an, zum wichtigsten Lieferanten Deutschlands zu werden. Die Chinesen schickten 2012 Waren im Wert von 77,3 Milliarden Euro hierher und damit etwa viermal so viel wie 2000. Nach den Niederlanden belegt China damit Platz zwei. Vor allem Computer, Handys und Elektronik liefert der Exportweltmeister nach Deutschland. Weitere Verkaufsschlager sind Bekleidung und elektrische Ausrüstungen.

Investitionen

Mehr als 26,5 Milliarden Euro haben deutsche Unternehmen bislang in China investiert. Etwa 4000 Firmen sind derzeit in der Volksrepublik aktiv. Allein 2012 stiegen die deutschen Investitionen in China nach Angaben des dortigen Handelsministeriums um 28,5 Prozent auf 1,45 Milliarden Dollar. Umgekehrt zieht es immer mehr Chinesen nach Deutschland. 98 Unternehmen siedelten sich 2012 hierzulande neu an - China ist damit Auslandsinvestor Nummer drei, nach den USA und der Schweiz. 2000 Unternehmen sind inzwischen hier ansässig. Nach einer Umfrage der Wirtschaftsprüfer Ernst & Young unter 400 großen und mittelständischen Unternehmen in China ist Deutschland in Europa das mit großem Abstand begehrteste Ziel für Investitionen und Zukäufe.

Strafzölle

China beklagt sich immer wieder über Strafzölle, die die EU-Kommission gegen Produkte aus der Volksrepublik verhängt. Jüngster Fall ist der Streit um Importe billiger Solaranlagen. Die EU-Kommission will Strafzölle von 47 Prozent auf Solarmodule aus der Volksrepublik verhängen. Deutschland ist wegen der staatlichen Förderung weltweit der wichtigste Markt für die Solarindustrie. Die EU-Kommission will auch Antidumping-Ermittlungen gegen chinesische Telekommunikationsausrüster Huawei und ZTE. China wiederum will sich das nicht gefallen lassen und droht mit Gegenmaßnahmen. So werden die EU-Importe von legierten Stahlrohren geprüft, die etwa in Heißwasserspeichern und Dampfleitungen von Kraftwerken verwendet werden. Die deutsche Wirtschaft befürchtet einen Handelskrieg und will eine gütliche Einigung.

Geistiges Eigentum

Deutsche Unternehmen haben Angst vor Technologie-Raub, wenn sie sich in China niederlassen. Sie werden oft angehalten, ein Gemeinschaftsunternehmen mit einem chinesischen Partner zu gründen und ihre Technologien offenzulegen. Das gilt auch für die Bewerbung um öffentliche Aufträge. Auch hier müssen sich deutsche Unternehmen oft in die Karten schauen lassen. Die Gesetzeslage in China entspricht inzwischen zwar weitgehend internationalen Standards, doch hapert es häufig mit der Durchsetzung dieser Gesetze. Da sich viele chinesische Unternehmen inzwischen selbst zu Technologieführern entwickelt haben, wächst aber das Interesse am Schutz geistigen Eigentums.

Subventionen

China macht den deutschen Unternehmen zunehmend in angestammten Feldern wie Maschinenbau und Elektrotechnik Konkurrenz. Die Volksrepublik hilft ihren Firmen, indem sie hohe Ausfallbürgschaften übernimmt und Projekte für Kunden vorfinanziert. Chinesische Staatsunternehmen machen den deutschen Unternehmen damit oft Konkurrent, vor allem auf Drittmärkten wie Afrika. Auch Umweltvorgaben werden nicht immer eingehalten.

Rohstoffe

China verärgert mit Exportbeschränkungen für Rohstoffe seine Handelspartner. So wird die Ausfuhr der "Seltene Erden" gedrosselt, die beispielsweise für Computer, Handys, Windturbinen und Batterien verwendet werden. 2011 brachen die Exporte um 58 Prozent ein. Die Volksrepublik produziert mehr als 90 Prozent des Weltmarktbedarfs. Der Streit um die Seltenen Erden beschäftigt auch die Welthandelsorganisation WTO.

Staatsaufträge

Deutsche Unternehmen beklagen immer wieder, von vielen Staatsaufträgen ausgeschlossen zu werden. Vor allem in den Provinzen gelten oftmals hohe Schwellenwerte, ab denen ausländischer Unternehmen sich an Ausschreibungen beteiligen dürfen. Das halten deutsche Wirtschaftsverbände für nicht konform mit den WTO-Regeln.

Wechselkurs

China hält den Kurs seiner Währung Yuan künstlich niedrig und verschafft sich damit Preisvorteile im internationalen Wettbewerb. Allerdings hat das Land dem Druck der Industriestaaten schon ein Stück nachgeben: Seit 2005 hat der Yuan um 25 Prozent im Vergleich zum Dollar aufgewertet. China tut das auch aus eigenem Interesse, weil damit Importe - etwa von Rohstoffen - billiger werden und die Inflation gedämpft wird.

Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier, der ebenfalls nach Hamburg gekommen war, ermahnte die Wirtschaft zur Einhaltung von Recht und Gesetz. Beim Abschlussessen im Börsensaal der Handelskammer sagte der Minister: „Damit die Wirtschaftsvertreter hier im Raum sich nicht all zu sehr zurücklehnen: Wenn ich von Regeln, Recht und Menschenrechten spreche, dann zeige ich nicht nur auf die Politik (...). Auch Unternehmen müssen mit gutem Beispiel vorangehen.“

Chinas Premier Li geht trotz der Eintrübung der Weltwirtschaft von einem „hohen bis mittleren“ Wachstum in China aus. Das Ziel von rund 7,5 Prozent bleibe weiter bestehen, sagte er. Auf der zweitägigen Konferenz diskutierten rund 600 Teilnehmer – darunter auch Luxemburgs Premierminister Xavier Bettel und EU-Handelskommissar Karel De Gucht – unter anderem über eine nachhaltige Wirtschaftsentwicklung, chinesische Investitionen in Europa und die von der kommunistischen Partei Chinas im November 2013 beschlossenen Wirtschaftsreformen.

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