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29.10.2011

17:51 Uhr

Wirtschaftskraft

Griechenland hat kaum etwas zu verkaufen

VonDirk Heilmann

Das eigentliche Problem der Griechen sind nicht die enormen Staatsschulden: Das Hauptproblem ist die griechische Wirtschaft. Das liegt daran, dass das Land kaum etwas zu verkaufen hat, was im Ausland gefragt ist.

Der Durchschnittsgrieche arbeitet in Stunden gemessen ein Viertel mehr als der Durchschnittseuropäer. ap

Der Durchschnittsgrieche arbeitet in Stunden gemessen ein Viertel mehr als der Durchschnittseuropäer.

AthenEs war ein Auftrieb wie für einen Staatspräsidenten: Zehn Kamerateams und mehr als 50 Journalisten drängten sich in dem Konferenzraum in der Athener Repräsentanz der EU-Kommission. All die Aufmerksamkeit galt einem 66-jährigen Brüsseler Beamten im grauen Anzug – Horst Reichenbach, dem Leiter der EU-Taskforce, die der griechischen Regierung bei der Umsetzung ihrer Reformpläne helfen soll.

Und es ging gleich zur Sache: Ob es stimme, dass griechische Minister künftig jede Entscheidung Reichenbach zum Gegenzeichnen vorlegen müssten, lautete die erste Frage. Obwohl Reichenbach versicherte, dass das Unsinn sei, rief ein erregter Kollege in den Saal: „Wie fühlen Sie sich denn so als Gauleiter?“ Reichenbach blieb äußerlich ruhig: „Ich habe den größten Teil meines Arbeitslebens im Ausland verbracht. Solche Vergleiche mit früheren Zuständen in Deutschland sind außerhalb meines Verständnisses.“

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Die Szene zeigt, wie blank die Nerven in Griechenland liegen. Gerüchte machen die Runde, sie drehen sich um einen bevorstehenden Sturm auf die Banken oder eben um die Übernahme der Regierung durch die EU. „Wir bewegen uns auf sehr dünnem Eis“, sagt Manos Matsaganis, Wirtschaftsprofessor an der Athener Universität. „Viele Griechen begrüßen es, dass EU und Internationaler Währungsfonds den Spielraum der Regierung einschränken, aber andere hätten es wohl immer noch lieber, wir würden Geld ohne Auflagen kriegen, das wir dann wie üblich verschwenden dürften.“

Matsaganis ist bitter geworden, weil er viele Jahre ohnmächtig ansehen musste, wie eine korrupte Elite das Land in den Untergang führte. „Mir tun Leute wie Reichenbach leid, die den Schlamassel aufräumen sollen, den wir angerichtet haben“, sagt er.

Die enormen Staatsschulden von 160 Prozent der Wirtschaftsleistung, die der jetzt beschlossene Schuldenschnitt bis 2020 auf 120 Prozent reduzieren soll, sind aber nur ein Symptom der strukturellen Probleme des Landes. Das wird jedem klar, der durch dieses Land reist und mit Unternehmern, Politikern und Ökonomen, Künstlern, Forschern und Arbeitslosen spricht. Die Probleme sind nicht in ein paar Jahren zu lösen, wahrscheinlich wird es Jahrzehnte dauern.

Griechenland fehlt ein Geschäftsmodell. Wie sehr, belegt der Vergleich mit einer starken Volkswirtschaft wie der deutschen. Griechenland exportiert Waren im Wert von rund sieben Prozent seiner Wirtschaftsleistung, in Deutschland sind es knapp 40 Prozent.

Das liegt daran, dass das Land kaum etwas zu verkaufen hat, was im Ausland gefragt ist. Die Hauptexportgüter nach Deutschland sind Lebensmittel, Kleidung und – immerhin - Medikamente.

„Der Beitritt zur EU war ein großer Schub für die griechische Wirtschaft“, sagt Ökonomieprofessor Nikolaos Vettas. „Aber da die Regierung keinerlei Industriepolitik betrieb, führte das dazu, dass wir alles importierten, statt es selbst herzustellen.“

Kommentare (31)

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rxm

29.10.2011, 18:08 Uhr

Diese Probleme sind doch schon längst bekannt. Herr Sinn und andere Ökonomen verweisen darauf schon seit über einem Jahr. Deshalb nutzt der Schuldenschnitt nicht viel. In ein paar Jahren wird Griechenland wieder genau so einen hohen Schuldenberg haben. Man tut den Griechen absolut keinen Gefallen wenn man sie im Euro läst. Das Land muss aus dem Euroraum austreten um wieder wettbewerbsfähig werden.

querdenker

29.10.2011, 18:32 Uhr

sollen sie ihre inseln an die türkei verkaufen..

Account gelöscht!

29.10.2011, 18:42 Uhr

"Griechenland hat kaum etwas zu verkaufen"
Das stimmt so nicht. Die können ja ihre antiken Ruinen, z.B. bei ebay versteigern und diese selbst vorher in Plastik abbilden: Plastik ist pflegeleicht und die dummen Touristen merken davon nichts!
Auch mehrere unbewohnte Inseln kann Griechenland verkaufen. Griechenland kann auch seine Sprache weltweit patentrechtlich schützen, diese wird ja bekanntlich vorrangig in den wissenschaftlichen Fächern "ausgebeutet".
Griechenland sollte auch keine U-Boote und Panzer in Deutschland kaufen, gegen Wirtschaftsmisere sind U-Boote und Panzer machtlos...
Journalisten sind eben sehr dumm und kommen auf solche Gedanken eben nicht...

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