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17.03.2014

16:30 Uhr

Wirtschaftskraft lässt nach

Scheinriese Putin

VonJan Mallien, Jörg Hackhausen

Putin markiert den starken Mann – doch in Wahrheit ist er schwach. Sein Land ist auf ausländisches Kapital angewiesen. Die Wirtschaft befindet sich auf dem Weg in die Rezession. Wo Russland verwundbar ist.

Russlands Präsident Putin bei den Olympischen Spielen in Sotschi: Die Wirtschaft seines Landes hat viele Schwachstellen. dpa

Russlands Präsident Putin bei den Olympischen Spielen in Sotschi: Die Wirtschaft seines Landes hat viele Schwachstellen.

DüsseldorfEin Ergebnis wie in besten Sowjet-Zeiten: Bei dem Referendum auf der Krim sollen 96 Prozent der Bewohner für eine Abspaltung von der Ukraine gestimmt haben. Der Anschluss der Halbinsel an Russland scheint nur noch eine Frage von Tagen zu sein. Russland hat eine Waffenruhe bis Freitag zugesagt. Das klingt nicht nach Diplomatie, sondern nach einer Drohung.

Unmissverständlich demonstriert Wladimir Putin seine Macht. Niemand scheint ihm etwas entgegen setzen zu können. Doch der russische Präsident ist nicht so stark, wie er vorgibt. Russland ist zwar militärisch in der Region übermächtig. Aber wirtschaftlich ist das Land anfällig. Der Kurs, den Putin eingeschlagen hat, führt direkt in eine Wirtschaftskrise.

Auf den ersten Blick sieht Russland wie eine Großmacht aus: Das Land steht für einen Anteil von knapp drei Prozent am weltweiten Bruttoinlandsprodukt und für knapp fünf Prozent am Welthandel. Aus Russland kommen 13 Prozent des weltweit des gehandelten Öls. Die russische Notenbank verfügt über fast 500 Milliarden Dollar an Devisenreserven – die Verschuldung im Ausland ist durch diese Reserven fast vollständig gedeckt. Und nicht zu vergessen: Russland sitzt im Weltsicherheitsrat.

Wladimir Putin über...

... mögliche Militäraktionen in der Ukraine:

„Russland erwägt keinen Anschluss der Krim.“

„Was den Einsatz von Streitkräften angeht: Bisher gibt es eine solche Notwendigkeit nicht.“

„Russland behält sich das Recht vor, alle vorhandenen Mittel zu nutzen, sollte es in östlichen Regionen der Ukraine zu Willkür kommen.“

„Meine Entscheidung über einen Militäreinsatz in der Ukraine wird völkerrechtlich legitim sein.“

„Russland hat keine Absicht, Krieg gegen das ukrainische Volk zu führen.“

... Sanktionsforderungen

„Drohungen an die Adresse Russlands sind kontraproduktiv und schädlich.“

... den G8-Gipfel in Sotschi:

„Wenn die anderen nicht anreisen wollen, müssen sie das nicht tun.“

... über den Sturz Janukowitschs:

„Janukowitsch bleibt gesetzmäßiger Präsident der Ukraine. Er wurde in einem ungesetzlichen Verfahren seines Amtes enthoben.“

„In der Ukraine hat es einen verfassungswidrigen Umsturz und eine bewaffnete Machtergreifung gegeben.“

„Ich denke, er hat keine politische Zukunft mehr.“

„Janukowitsch ist wohlauf und wird sich noch bei der Beerdigung derjenigen erkälten, die ihm jetzt Böses wünschen.“

(Putin über Medienberichte, der entmachtete ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch sei tot)

... die US-amerikanische Ukraine-Politik:

„Ich habe manchmal den Eindruck, dass hinter dem großen Teich eine Art Laborant in Amerika sitzt und Experimente macht, wie mit Ratten, ohne die Folgen seines Handelns zu begreifen.“

Doch schon vor der Krim-Krise befand sich die russische Wirtschaft in keinem guten Zustand. Das Wirtschaftswachstum ließ stark nach. Investoren haben Kapital abgezogen. Jetzt kommt hinzu, dass internationale Sanktionen die Lage noch verschärfen und die Wirtschaftsbeziehungen mit dem Westen verschlechtern könnten. „Die wirtschaftliche Situation zeigt Anzeichen einer Krise“, räumt Vize-Wirtschaftsminister Sergej Beljakow ein. Auch die Analysten der russischen Bank VTB Capital stellten fest, die Wirtschaft stehe wegen der allgemeinen Unsicherheit „unter Schock“. Bei vielen Unternehmen gebe es einen Investitions- und Einstellungsstopp und auch die privaten Haushalte hielten sich bei ihren Ausgaben zurück. Eine Rezession sei kaum noch vermeidbar.

Der Westen stellt sich an die Seite der Ukraine. Moskau werde „einen Preis zahlen“ müssen, ließ US-Präsident Barack Obama am Sonntagabend nach dem Referendum auf dem Krim mitteilen. Die ersten Maßnahmen folgten am Montag - sie richten sich gegen russische Politiker. Ab sofort dürfen bestimmte Personen nicht mehr in die USA oder EU einreisen. Konten werden eingefroren. Auf der Schwarzen Liste stehen unter anderem die Namen von dem pro-russichen Krim-Anführer Sergej Aksionow oder dem stellvertretenden Präsidenten der russischen Duma, Sergej Schelesnjak. Noch schreckt der Westen vor weiteren Strafaktionen zurück, auch weil man weiß, dass sie auf Europa und insebesondere Deutschland zurückfallen werden. Doch die nächste Stufe der Eskalation ist nicht ausgeschlossen. Das wären Beschränkungen, die Handel und Kapitalverkehr insgesamt betreffen; Maßnahmen, die sonst gegen sogenannte Schurkenstaaten wie Iran, Irak, Libyen oder Nordkorea zum Einsatz kommen.

Kommentare (60)

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17.03.2014, 16:37 Uhr

Hmmm, diese Wessi Sicht ist ziemlich blind. Nehme eher an, das das russische Staatsfundament nicht so extrem auf westliche Wirtschaft ausgerichtet ist, Putin ist bestimmt nicht so doof sich von amerikanischen Kapitalgebern abhängig zu machen! Andere Ideale = andere Abhängigkeiten (gott sei dank gibts noch Ideale, die nicht nur auf Geld aufgebaut sind).

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17.03.2014, 16:43 Uhr

Danke liebes HB für den Bericht und nun bitte das selbe für USA:

Obama markiert den starken Mann – doch in Wahrheit ist er schwach. Sein Land ist auf die Abnahme ungedeckter frisch gedruckter Dollars angewiesen. Die Wirtschaft befindet sich ohne Militärausgaben auf dem Weg in die Rezession. Das Land ist praktsich pleite. Wo USA verwundbar ist.

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17.03.2014, 16:45 Uhr

Achso, noch ein Vorschlag für das Titelbild: ein Adler mit zersaustem Gefieder, einem geschienten Flügel und einem blauen Auge. Wär das nicht 'ne Story?

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