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19.06.2015

12:05 Uhr

Wirtschaftskrise in Russland

Halbe Million Jobs in Deutschland bedroht

Einer Studie zufolge ist Deutschland von der Wirtschaftskrise in Russland besonders stark betroffen. Fast eine halbe Million Arbeitsplätze sind in Gefahr. Lange darf die Entwicklung laut Experten nicht mehr andauern.

Sanktionen und Krise drücken die Stimmung beim russischen Wirtschaftsforum. dpa

Ufer der Newa in St. Petersburg

Sanktionen und Krise drücken die Stimmung beim russischen Wirtschaftsforum.

BerlinDie andauernde Wirtschaftskrise in Russland bedroht in Deutschland einer Studie zufolge fast eine halbe Million Jobs und europaweit weit mehr als zwei Millionen Arbeitsplätze. Ändert sich nichts Gravierendes, so würde die Krise Deutschland in den nächsten Jahren etwas mehr als ein Prozent an Wirtschaftsleistung kosten. Keine andere große europäische Volkswirtschaft wäre so stark betroffen, wie aus einer Studie des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (Wifo) hervorgeht, die der „Welt“ und weiteren europäischen Zeitungen vorliegt. Danach sind europaweit durch die Russland-Krise mittelfristig rund 100 Milliarden Euro an Wertschöpfung in Gefahr, davon entfielen rund 27 Millionen Euro auf Deutschland.

Damit habe die Wirtschaftskrise in Russland weitaus schlimmere Konsequenzen für die EU und die Schweiz als bislang erwartet, berichtete die „Welt“ am Freitag. „Die Exportausfälle, die wir im Herbst vergangenen Jahres schlimmstenfalls angenommen hatten, sind inzwischen Realität“, sagte Autor Oliver Fritz vom Wifo. Dabei spielten die Sanktionen gegen Russland und die russische Reaktion darauf eine entscheidende Rolle. Der Effekt könnte lediglich dadurch abgemildert werden, dass die Unternehmen mehr in andere Länder exportieren. Dafür gebe es zumindest bei landwirtschaftlichen Produkten Anzeichen. Es sei bei der Studie von einem besonders pessimistischen Szenario ausgegangen worden.

Die ständigen EU-Botschafter hatten am Mittwoch in Brüssel beschlossen, wegen der fortwährenden Ukraine-Krise die Sanktionen gegen Russland um sechs Monate bis Ende Januar 2016 zu verlängern. Eine förmliche Entscheidung wird von den EU-Außenministern am kommenden Montag (22. Juni) erwartet. Im Gegenzug hatte der Kreml im August 2014 den Import vieler landwirtschaftlicher Produkte und Lebensmittel wie Milch, Obst, Gemüse, Käse und Fleisch aus der EU untersagt. Das hat vor allem Länder wie Italien, Spanien oder die Niederlande hart getroffen.

Wenig zuversichtlich zeigte sich auch der Vorsitzende des Ost-Ausschusses der deutschen Wirtschaft, Eckhard Cordes, so die „Welt“. Noch sei die Situation beherrschbar. „Aber wenn diese Entwicklung länger andauert – sagen wir noch ein Jahr –, dann werden die deutsch-russischen Beziehungen schweren Schaden nehmen.“ Er zeigte sich vor allem darüber besorgt, dass Konkurrenten aus China oder anderen Länder in die Bresche springen und sich bewähren. „Wir hören immer öfter: „So viel schlechter als die Deutschen sind die Chinesen auch nicht.“ Das ist besorgniserregend.“

Von

dpa

Kommentare (4)

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Herr Josef Schmidt

19.06.2015, 13:13 Uhr

Halbe Million Jobs in Deutschland bedroht aber nicht von den Sanktionen sondern von der Wirtschaftskrise in Russland. Gehts noch dämlicher ?

Wer den Stiefel der Amis lecken muss verliert nun mal auch Jobs. Gut dass die USA Exporte nach Russland in dieser Zeit steigen können.

Frau Margrit Steer

19.06.2015, 14:32 Uhr

Das ist doch logisch.
Aber wenn jemand glaubt, das interessiert die Kanzlerin, dann ist er schief gewickelt.

Herr Manfred Zimmer

19.06.2015, 16:42 Uhr

Das Embargo wurde von den EU-Politikern ersonnen. Ist bekannt wieviele Jobs in der EU-Behörde betroffen sind oder wurden hier wiederum ungedeckte Wechsel zu Lasten anderer gezogen?

Im Moment kommt es aber Knüppeldick für diese Bürokraten!

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