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05.10.2013

11:00 Uhr

Wirtschaftskrise

Mehr als 10 Milliarden Euro für Griechenland

Griechenland benötigt nach Einschätzung des Instituts für Wirtschaftsforschung mehr als zehn Milliarden Euro zusätzliche Hilfen. Vizeregierungschef Venizelos meinte jedoch jüngst, das Land brauche kein drittes Hilfspaket.

Die Akropolis in Athen: Griechenland braucht, prophezeit das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung, auch nach 2015 noch Hilfen. dpa

Die Akropolis in Athen: Griechenland braucht, prophezeit das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung, auch nach 2015 noch Hilfen.

BerlinGriechenland benötigt nach Einschätzung des Deutschen Institutes für Wirtschaftsforschung weit mehr als zehn Milliarden Euro zusätzliche Hilfen in den kommenden Jahren. Es stehe außerfrage, dass der Staat 2014 ein weiteres Hilfspaket brauche, sagte DIW-Präsident Marcel Fratzscher der „Bild“-Zeitung (Samstagausgabe) laut Vorabmeldung. „Die Griechen werden auch nach 2015 noch Hilfen benötigen, die deutlich über die bisher vom IWF geschätzten zehn Milliarden Euro hinausgehen.“ Die genaue Höhe des nächsten Hilfspaketes werde sich danach richten, wie die Umschuldung gestaltet werde oder ob es einen Schuldenschnitt gebe.

Der griechische Vizeregierungschef Evangelos Venizelos hatte im September gesagt, Griechenland brauche kein drittes Hilfspaket der Euro-Partner. Vielmehr könne sich die Regierung bereits im kommenden Jahr wieder Geld am Kapitalmarkt leihen sowie Erleichterungen im aktuellen Hilfsprogramm erhalten. In einem Reuters-Interview skizzierte der Spitzenpolitiker eine Möglichkeit, wie das Land seinen zusätzlichen Finanzbedarf decken könnte, ohne die Geldgeber noch einmal zur Kasse zu bitten und dafür neue Reformauflagen aufgebürdet zu bekommen. „Wir fordern keinen Schuldenerlass“, sagte der Außenminister in dem geführten Gespräch. Vielmehr könne die Regierung in Athen bereits kommendes Jahr an den Kapitalmarkt zurückkehren sowie Erleichterungen im aktuellen Hilfsprogramm erhalten. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hatte vor der Wahl ein weiteres Hilfspaket für das Krisenland in Südeuropa ins Spiel gebracht.

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Venizelos zufolge strebt die Regierung in Athen Neuverhandlungen über Verzinsung und Laufzeit der bestehenden Schulden an. „Es geht um eine zusätzliche Neustrukturierung - ohne Problem, ohne neue Lasten für unsere institutionellen Partner“, sagte der frühere Finanzminister. Umschuldungen gehen üblicherweise mit zusätzlichen Lasten für die Kreditgeber einher - in Form von niedrigeren Zinsen oder längeren Fristen bei der Rückzahlung.

Der Minister machte deutlich, dass die Griechen keine weiteren Sparauflagen verkraften könnten. „Es ist nicht möglich, neue Haushaltsmaßnahmen umzusetzen. Es ist nicht möglich, neue Lohn- und Rentenkürzungen zu beschließen“, sagte der Minister. Das Mittelmeerland steckt das sechste Jahr in Folge in der Rezession. Die Arbeitslosenquote liegt nahe 28 Prozent, bei den jungen Griechen sogar bei 60 Prozent.

Die Euro-Länder und der Internationale Währungsfonds (IWF) haben Griechenland bereits rund 240 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt, um den Staatsbankrott zu verhindern. Zwei Hilfspakete gab es bereits, außerdem einen Schuldenschnitt zulasten privater Investoren. Trotzdem dürfte das Land in den kommenden beiden Jahren etwa weitere zehn bis zwölf Milliarden Euro brauchen. Derzeit befinden sich Experten der Geldgeber-Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und IWF in Athen, um die Reformfortschritte der Regierung zu prüfen. Danach dürften die Euro-Länder über neue Unterstützung entscheiden, wahrscheinlich im November.

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