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09.06.2013

12:52 Uhr

Wirtschaftslage

Wie Südafrika sich selbst demontiert

VonWolfgang Drechsler

Korruption, Bürokratie, Rassismus: Südafrika wird mehr und mehr zum Krisenstaat. Eine Streikwelle bringt die Wirtschaft in die Schieflage, die Präsident Zuma ignoriert. Der Staat scheint nur noch einen Anker zu haben.

KapstadtAls begnadeter Redner wird Südafrikas Präsident Jacob Zuma sicher nicht in die Geschichte eingehen. Selbst das Ablesen vom Blatt bereitet dem 71-Jährigen oft mächtig Probleme. Umso mutiger war es von seinen Beratern, ausgerechnet Zuma in der vergangenen Woche in den Ring zu schicken, um einer Reihe internationaler Handelshäuser zu versichern, dass Südafrika alles tun werde, um den jüngsten Einbruch seiner Wirtschaft zu stoppen. Der Grund: Einen Tag vor der Rede hatte Afrikas größte Volkswirtschaft Wachstumszahlen präsentiert, die viele Investoren schockiert und die Landeswährung Rand zum Absturz gebracht hatten.

Obwohl Zuma in seiner Ansprache diesmal etwas weniger langweilig daherkam, beschleunigte der Präsident zunächst sogar den Absturz der Währung, weil er weder konkrete Schritte ankündigte, um die tiefen Strukturprobleme zu beheben noch erklärte wie er den schwer angeschlagenen Bergbausektor unterstützen wolle, der immerhin für 50 Prozent der südafrikanischen Exporte verantwortlich ist.

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Die eigentlichen Gründe für den schleichenden Niedergang der südafrikanischen Volkswirtschaft wie die ausufernde Korruption, das enorme Ausmaß der Bürokratie oder die Tatsache, dass die Hautfarbe am Kap inzwischen mehr zählt als die Kompetenz des Einzelnen, erwähnte Zuma hingegen erneut mit keinem Wort.

Die meisten Beobachter gingen mit seiner bislang vielleicht wichtigsten Rede im Zuge seiner vierjährigen Amtszeit entsprechend hart ins Gericht: Viel zu spät habe der Präsident versucht, ein brennendes Gebäude mit einem kleinen Eimer Wasser zu löschen. Dabei hätte er den Schwelbrand längst erkennen müssen, kritisierte das renommierte Johannesburger Wochenmagazin „Financial Mail“. Schneller als erwartet sei Südafrika nun in eine Schieflage geraten.

Zu den vielen Versäumnissen zählt das Blatt neben der schwachen Führung vor allem die wirtschaftsfeindliche Haltung der Regierung, eine inkompetente Verwaltung sowie die ausgeprägte Feindschaft zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern. „Südafrikas Wirtschaft ist seit dem Ende der Apartheid vor 20 Jahren nicht mehr so führungslos dahin getrieben“ schimpfte auch der Topökonom Iraj Abedian von Pan African Capital Holdings. Selbst die Rezession vor vier Jahren habe nicht so negativ gewirkt.

Kommentare (35)

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09.06.2013, 13:40 Uhr

Die Qualität einer Gesellschaft kann nicht besser sein als die Summe ihrer Mitglieder.

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09.06.2013, 13:54 Uhr

Kommt da etwa der extreme Rassismus der Schwarzen zu Ausdruck? Ich könnte mich kringeln vor Lachen.
"die Hautfarbe am Kap inzwischen mehr zählt als die Kompetenz des Einzelnen"

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09.06.2013, 14:37 Uhr

ANC
Ich kann verstehen, das man im Westen aufgrund der herzzerreißenden, ja heroischen Geschichte des ANC gerne mal eine "5 grade" lässt bei der Bewertung Südafrikas und des ANC. Es ändert aber nichts daran das Südafrika ein korruptes Land mit einer Einparteiendemokratie ist. Es ändert nichts daran das man in Probleme gerät wenn man Scherze macht über den Präsidenten.

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