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12.10.2015

15:36 Uhr

Wirtschaftsnobelpreis

Wofür Angus Deaton den Nobelpreis bekommt

VonNorbert Häring

Welchen Einfluss hat Armut auf die Lebensqualität – und auf die Leistung? Der Nobelpreis für Wirtschaft geht an den Ökonom, der eine Antwort auf diese Frage gefunden hat. Ein Porträt.

Der Schotte bekommt den Nobelpreis für seine Untersuchungen des menschlichen Konsumverhaltens. dpa

Angus Deaton

Der Schotte bekommt den Nobelpreis für seine Untersuchungen des menschlichen Konsumverhaltens.

Für seine Analysen von Konsum, Armut und Wohlfahrt bekommt der 69-jährige Angus Deaton Nobelpreis für Wirtschaft. Der Professor der US-Eliteuniversität Princeton hat wichtige Beiträge dazu geleistet, messbar und vor allem international vergleichbar zu machen, wie gut Menschen in verschiedenen Ländern leben, sowohl in materieller Hinsicht, als auch darüber hinaus. Dabei stützte er sich stark auf Befragungen, die er auch weiterentwickeln half, und trug so dazu bei, die Entwicklungsökonomik zu einer empirischen, an Daten orientierten Disziplin zu machen.

Deaton wird nicht nur die Auszeichnung zuteil, den Preis allein zu erhalten, was eher die Ausnahme ist, sondern auch noch die besondere Ehre, ihn nicht für eine vielzitierte These oder Methode zu erhalten, sondern für sein Lebenswerk, das sich mit drei miteinander zusammenhängenden Themen beschäftigte. Es begann mit seiner Forschung zum Konsum in den 1980er Jahren. Damals entwickelte er ein System zur Erklärung der Nachfrage nach bestimmten Gütern, abhängig vom Preis und von den Preisen anderer Güter. Weiterentwickelte Varianten dieses Systems sind bis heute im Einsatz, wenn es darum geht, Preisindizes zur Inflationsberechnung zu gestalten, oder den Lebensstandard der Menschen international und im Zeitablauf zu vergleichen.

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Mit der Verleihung des Wirtschaftspreises endet heute die diesjährige Nobelpreiswoche. Wie immer wird im Vorfeld viel spekuliert – dabei lassen sich Nobelpreisträger sogar mit einer gewissen Sicherheit vorhersagen.

In den 90er Jahren wandte er sich der Frage zu, wie viel von ihrem Einkommen die Menschen konsumieren und wie viel sie sparen. Dabei widerlegte er pikanter Weise eine These, für die Milton Friedman 1976 den Nobelpreis bekommen hatte, die Hypothese von der Ausrichtung des aktuellen Konsum am erwarteten Lebenseinkommen. Deaton zeigte, dass die These einen Konsumverlauf in der Gesamtwirtschaft implizierte, der in Wirklichkeit nicht zu beobachten war. Er demonstrierte auch, dass man nicht einfach, wie bis dahin und teilweise heute noch üblich, einfach die Entwicklung der aufsummierten Einkommen betrachten durfte, sondern tiefer gehen musste. Wenn manche laufende Einkommen steigen und andere fallen, wollen deren Bezieher zwar ihr Konsumniveau glätten, viele bekommen aber den Kredit nicht, den sie dafür bräuchten. Das Ergebnis ist eine stärkere Abhängigkeit des Konsums vom laufenden Einkommen als Friedmans Theorie postuliert hatte.

In den vergangenen zwei Jahrzehnten beschäftigte sich Deaton vor allem mit entwicklungspolitischen Fragen und der Messung von Armut und Lebensqualität. Unter anderem untersuchte er den Zusammenhang zwischen Einkommen und Kalorienaufnahme und kam zu dem wirtschaftspolitisch wichtigen Ergebnis, dass Hunger und die dadurch reduzierte Leistungsfähigkeit kein Entwicklungshemmnis zu sein scheint, sondern in erster Linie eine Folge mangelnder Entwicklung. Wenn das zutrifft, bedeutet das, dass nicht etwa die Nahrungsmittelhilfe zur Hungerbekämpfung die beste Entwicklungspolitik ist, sondern einkommenssteigernde Maßnahmen die wirksamste Form der Hungerbekämpfung.

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