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20.11.2011

09:20 Uhr

Wirtschaftsordnung

Auf der Suche nach der Ehre des Kaufmanns

VonMathias Döpfner

Seit der Finanzkrise werden Kapitalismus und Marktwirtschaft infrage gestellt. Sind sie die Ursachen für die Misere? Unsere Wirtschaftsordnung braucht vor allem einen Mentalitätswechsel.

Frankfurts Bankenviertel: Kurz nach der Lehman-Pleite waren die Aussichten düster. dpa

Frankfurts Bankenviertel: Kurz nach der Lehman-Pleite waren die Aussichten düster.

Alles sah dunkler aus als sonst, in dieser Nacht im späten September 2008, kurz nach der Lehman-Pleite, selbst die Leuchtreklame auf den Türmen der Commerzbank und der Deutschen Bank, die sich wie in Entenhausen bei Dagobert Duck einen Wettkampf um die Höhe geliefert hatten. Damals, in guten Zeiten. Jetzt war es vorbei. Panik statt Potenz. Weltwirtschaftskrise. Wie Ende der 1920er-Jahre. Da hatte Fritzi Massary noch gesungen: „Ich liebe das Geld, die Schönheit, die Kraft - ich liebe das Geld, weil es Freiheit mir schafft.“

Und bald darauf war es vorbei mit Kraft und Geld. Und irgendwann mit der Freiheit. Die Wirtschaftskrise dauerte von 1929 bis 1933, sie ereignete sich in mehreren Wellen. So auch diesmal. Mit hoffentlich anderem Ausgang.

Debatte: „Der Kapitalismus ist ein systemischer Fehler“

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In den Medien tobt eine neue Kapitalismusdebatte. Wer hat Schuld am Euro-Desaster - Zockerbanken oder Schuldenpolitiker? Die Handelsblatt-Leser äußern in ihren Kommentaren zuweilen weisere Ansichten als manche Experten.

Finanzkrisen sind nichts Neues. Ihre Geschichte ist jahrhundertealt, älter als die moderne Marktwirtschaft selbst. Exzesse und die folgenden Abstürze - Krieg inklusive - gibt es, seitdem es Geld gibt. Die erste große Krise entstand kurz nach der Erfindung des Papiergelds und des modernen Geldverkehrs. Ein Urheber dieser fundamentalen Finanzkrise war zugleich der Erfinder und der Vorläufer des modernen Kapitalismus: John Law of Lauriston.

Seine Geschichte ist auch deshalb so faszinierend, weil sie sich in weiten Teilen wie eine Blaupause für die Geschehnisse der letzten Jahre liest. Der 1671 geborene Law war Genie und Glücksritter zugleich. Schon in der Schulzeit in einem Internat beschäftigte er sich mit revolutionären Ideen zu künftigen Finanz- und Geldsystemen. Die Grundidee war dabei nicht nur das Papiergeld, sondern vor allem der Gedanke, dass nicht nur Goldmünzen zur Deckung des Notenumlaufs dienen könnten, sondern auch andere Werte und deren in der Zukunft liegenden Erträge.

Als sein langjähriger Gönner, Philipp Herzog von Orléans, 1715 die Regierung Frankreichs übernahm, schlug Laws große Stunde. Angesichts des aussichtslos heruntergewirtschafteten Königreichs erlaubte Philipp II. dem Freund, seine geldpolitischen Ideen in die Praxis umzusetzen. Zunächst lösten Laws erfolgreiche Bank, das neue Geldsystem sowie die massive Ausweitung von Banknoten- und Aktienemissionen eine beispiellose Welle von Wachstum und Prosperität aus. Die Staatsfinanzen schienen saniert, der König und sein Volk bewunderten Law wie einen Popstar.

Kommentare (34)

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RD1

20.11.2011, 11:50 Uhr

"die Eigenverantwortung des ehrbaren Kaufmanns.Die aber kann kein Staat der Welt verordnen, sie kann nur aus dem Kreis der Kaufleute selbst erwachsen"
Diese Aussage ist aber nicht vollständig, da einseitig.
man kann mit gleichem Recht die Eigenverantwortung des einzelnen Menschen, hauptsächlich von denen fordern, die es sich in der Hängematte des Sozialstaats gut gehen lassen. Damit meine ich nicht jeden Hartz IV-Bezieher. Wenn ich aber sehe dass junge Menschen die angebotenen Bildungschancen nicht annehemen (wollen) obwohl Ihnen diese Chancen fast in den Hintern geschoben werden, da das Leben ihrer Eltern erstrebenswerter und anstrengungsloser scheint, darf halt der Staat nicht zum Förderer einer solcher Mentalität werden. Man kann auch sagen Nichtleistung darf sich nicht lohnen.

aktiverdemokrat

20.11.2011, 11:53 Uhr

Die Ehre eines Kaufmannes findet man eventuell noch beim Mittelstand. Die übrigen sehen nur noch Gewinne und alle wollen Globelplayer sein. Eine soziale Einstellung sehen wir in der heutigen Zeit nicht mehr. Durch die Vernetzung der Manager, werden die Führungskräfte nicht mehr nach Leistung und sozialer Einstellung, sondern nach Verbindungen in den Führungsetagen begrüßt. Gesucht wird auch immer wieder der Hardliner, der sich gegenüber dem Humankapital unsozial verhält. Diese Führungskräfte brauchen feste auferlegte Regeln, sonst galoppieren sie davon. Am besten ist es, dass sie für ihre Entscheidungen auch zur Rechenschaft gezogen werden. Frei soziale Marktwirtschaft ist in Ordnung, aber nur mit entsprechendem verantwortungsvollem Personal, dass gilt auch für die Finanzmärkte.

XRay

20.11.2011, 11:59 Uhr

Ich sehe keine Marktwirtschaft in der EU,
sondern ein altes Bürokratiemonster, das Steuergelder
durch Subventionen verschwendet und sich selbst bedient.
Das Versagen der politischen Kaste auf die Marktwirtschaft zu schieben, die es gar nicht gibt,
ist eine Irreführung des Bürgers.

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