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31.10.2016

15:05 Uhr

Wirtschaftspolitik

China will Marktzugang für Investoren erleichtern

Besonders Deutschland und Frankreich ärgern sich regelmäßig über hohe Hürden beim chinesischen Marktzugang. Vor Sigmar Gabriels Besuch gelobt Peking nun Besserung und will sich für europäische Investoren weiter öffnen.

Der chinesische Außenminister Wang Yi hat angekündigt, europäischen Investoren den Zugang zum chinesischen Markt zukünftig zu erleichtern. Besonders Deutschland und Frankreich hatten wiederholt kritisiert, dass ihnen der Markteintritt erschwert würde, während China gleichzeitig vom europäischen Markt profitiere. Reuters

Entgegenkommen signalisiert

Der chinesische Außenminister Wang Yi hat angekündigt, europäischen Investoren den Zugang zum chinesischen Markt zukünftig zu erleichtern. Besonders Deutschland und Frankreich hatten wiederholt kritisiert, dass ihnen der Markteintritt erschwert würde, während China gleichzeitig vom europäischen Markt profitiere.

PekingNach Kritik aus Deutschland und Frankreich wegen der Behinderung ausländischer Investoren in China hat die Regierung in Peking die grundsätzliche Offenheit des Landes betont. Außenminister Wang Yi sagte am Montag bei einem Besuch seines französischen Kollegen Jean-Marc Ayrault in Peking: „Wir wissen, dass wir das Umfeld für Investitionen verbessern müssen. Aber die Tür Chinas wird sich für ausländische Investitionen immer weiter öffnen.“ Dies sei eine „unumkehrbare Entwicklung“.

Ayrault hatte am Sonntag die Behinderung französischer Investoren in China kritisiert. Er nannte bürokratische Hindernisse und andere „protektionistischere Aspekte“. Französische Unternehmen würden in China auch Arbeitsplätze schaffen, betonte er am Montag. Es seien schon fast 600.000.

Diese deutschen Firmen gehören jetzt Chinesen

Putzmeister

Der Betonpumpen-Weltmarktführer Sany Heavy Industry übernimmt im Januar 2012 das schwäbische Unternehmen für gut 320 Millionen Euro.

Kiekert

Der Pekinger Automobilzulieferer Lingyun übernimmt 2012 den Weltmarktführer für Pkw-Schließsysteme aus Heiligenhaus (NRW).

Schwing

Die Xuzhou Construction Machinery Group (XCMG) wird im April 2012 Mehrheitseigener des westfälischen Betonpumpenherstellers. Der Verkaufspreis des Herner Unternehmens soll bei rund 300 Millionen Euro liegen.

Kion

2012 steigt der chinesische Nutzfahrzeugproduzent Weichai Power beim Gabelstaplerhersteller Kion ein. Die Chinesen kaufen zunächst für 467 Millionen Euro 25 Prozent an Kion und steigern 2015 ihren Anteil auf 38,25 Prozent. Außerdem erhält der Investor für 271 Millionen Euro eine Mehrheitsbeteiligung von 70 Prozent an der Hydrauliksparte Kions.

Solibro

Das insolvente Solarunternehmen Q-Cells vereinbart im Juni 2012 den Verkauf seiner Tochterfirma mit Sitz in Bitterfeld-Wolfen an die Pekinger Hanergy Holding Group.

Sunways

Der Konstanzer Photovoltaik-Konzern ging 2012 zum Schnäppchenpreis an den chinesischen Solarriesen LDK Solar. Doch 2013 und 2014 reichte Sunways jeweils einen Insolvenzantrag ein. Teile des Unternehmens wurden in der Folge an den chinesischen Solarkonzerns Shunfeng verkauft.

Tailored Blanks

Der Industriegüterkonzern Thyssen-Krupp schließt 2013 den Verkauf seiner Tochter an den chinesischen Stahlkonzern Wuhan Iron and Steel (Wisco) ab. Zum Preis machen beide Seiten keine Angaben.

Koki Technik Transmission Systems

Das chinesische Unternehmen Avic Electromechanical Systems (Avicem) – eine Tochter der staatlichen Unternehmensgruppe Aviation Industry Corporation of China (Avic) – übernimmt 2014 den sächsischen Autozulieferer. Ein Kaufpreis wird nicht genannt.

Hilite

Avic übernimmt 2014 für 473 Millionen Euro den deutschen Autozulieferer.

Krauss-Maffei

Im Januar 2016 verkauft Onex den Münchener Spezialmaschinenbauer Krauss-Maffei an ein Konsortium um die staatliche National Chemical Corporation (Chemchina). Der größte Chemiekonzern des Landes zahlt 925 Millionen Euro für den traditionsreichen Hersteller von Spritzgießmaschinen für die Kunststoff- und Gummi-Verarbeitung.

EEW

Die chinesische Holding Beijing Enterprises kauft im Februar 2016 den Abfallkonzern EEW Energy from Waste aus Helmstedt für 1,438 Milliarden Euro. Verkäufer ist der schwedische Investor EQT. EEW hat nach eigenen Angaben 1050 Mitarbeiter. Die 18 Anlagen der Gruppe können jährlich rund 4,7 Millionen Tonnen Abfall zu Energie machen und umweltschonend beseitigen. Die Fabriken erzeugen Prozessdampf für Industriebetriebe, Fernwärme für Wohngebiete und Strom für umgerechnet rund 700.000 Haushalte.

Manz

Die Shanghai Electric Group steigt im Frühjahr mit Anteilen von etwa 20 Prozent bei dem angeschlagenen Maschinenbauer ein.

Kuka

Das Augsburger Unternehmen Kuka baut nicht nur Roboter, sondern ist auch Systemanbieter rund um die digital vernetzte Industrie. Der chinesische Midea-Konzern hat Kuka ein Übernahmeangebot im Umfang von 4,5 Milliarden Euro gemacht und mit dessen Hilfe knapp 95 Prozent der Kuka-Anteile übernommen.

Auch in den deutsch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen gibt es derzeit Unstimmigkeiten. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hat vor Beginn seines Besuchs in China ab Dienstag ebenfalls die Behinderung deutscher Investoren in der Volksrepublik kritisiert.

In einem Beitrag für die „Welt“ vom Montag schrieb er, Voraussetzung für expandierenden Handel seien Spielregeln für Investitionen, Marktzugang und Wettbewerb, an die sich alle in gleicher Weise halten. „Und genau hier ist ein Problem zu benennen.“ Niemand könne davon ausgehen, dass Europa das „Foulspiel“ von Handelspartnern hinnehme.

Rückendeckung erhielt Gabriel von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Deutschland als Industriestandort müsse wirksam und effektiv auch gegen unfaire Wettbewerbssituationen geschützt werden, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin.

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Freche Produktpiraterie und erzwungene Technologietransfers: Deutsche Unternehmen werden in China gegängelt. Die Zahl der Beschwerden steigt. Der deutsche Botschafter spricht von einer „unendlichen“ Liste der Probleme.

„Die ganze Bundesregierung hat die Überzeugung, dass der deutsche Markt zu Recht Investitionen aus dem Ausland - natürlich auch aus China - offen gegenübersteht.“ Genauso seien aber alle in der Bundesregierung davon überzeugt, „dass wir im Bereich der fairen Investitions- und Wettbewerbsbedingungen im internationalen Rahmen das schaffen müssen, was immer mit dem Begriff „level playing field“ - also gleiches Spielfeld für Alle - beschrieben wird.“

Der Regierungssprecher verwies auf Pläne der EU-Handelsminister, sich bis Jahresende auf Schutzinstrumente verständigen zu wollen. In dem Zusammenhang werde auch der Status Chinas als Marktwirtschaft im Rahmen von Anti-Dumping-Verfahren eine Rolle spielen. Die EU-Kommission werde einen Vorschlag vorlegen, den die Bundesregierung prüfen werde.

Auch der Chef der Europäischen Handelskammer in China, Jörg Wuttke, war im vergangenen Monat sehr deutlich geworden. Für Peking sei Europa ein „üppiges Büffet – für uns dagegen hat China nur ein paar Teller reserviert und eine Suppe, und basta“, sagte er.

Chinas Außenminister Wang betonte am Montag, es gebe hinsichtlich des Entwicklungsstandes immer noch einen Unterschied zwischen seinem Land und den Industrieländern. „Wir können nicht akzeptieren, dass China nach den Kriterien der Industrieländer beurteilt wird.“

Von

afp

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