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26.05.2012

13:35 Uhr

WM in Katar

Wenn die Scheichs ihrem Volk ein Sportfest kaufen

VonMathias Brüggmann

Mit riesigen Investitionen bereitet sich Katar auf die Ausrichtung der Fußball-Weltmeisterschaft vor. Derzeit muss das Land keinen Unmut der eigenen Bevölkerung befürchten. Das ist nicht überall in den Golf-Staaten so.

Computerbild des Stadions Al Shamal in Katar. dpa

Computerbild des Stadions Al Shamal in Katar.

DohaWas die Fifa-Funktionäre wollen, weiß Carmen Smith ziemlich genau: Wenn die mit einer fussknöchellangen schwarzen Abaya wie eine junge Araberin bekleidete Australierin zum Platz nehmen bittet in die extra aus Stuttgart angelieferten cremefarbenen Ledersessel, dann kommt sie schnell zur Sache. Zwar erzählt die Frau aus Melbourne, die schon seit Jahren hier als Expat viel Geld in Doha verdient, dass "ich ein Fan des deutschen Teams bin". Doch dann verbreitet sie im Fifa Legacy Pavillon, wo die Fußball-Oberen mit einer atemberaubenden Videopräsentation die Vorteile des Standorts Katar für eine Fußball-Weltmeisterschaft eingehämmert bekamen, eine Ahnung davon, warum sich Blatter & Co für die Wüsten-WM entschieden haben.

"VVIP", heißt das Zauberwort hier im vollständig in Deutschland entwickelten und extra für die letzte Vorstellung des Insel-Emirats herbeigeschifften Hightech-Pavillon: Very, very important persons. Um sie geht es den Mächtigen des runden Leders, um die Fifa-Bosse, die Sponsoren und ihre Gäste, die VVIPs also.

Für sie hat Qatar Airways, der offizielle Carrier der WM 2022, natürlich besondere Terminals im Ende des Jahres zu eröffnenden neuen Doha International Airport mit Super-Lounges für Business- und First Class-Passagiere. Und für sie, das zeigt der Einspielfilm, wird in den extrabreiten neuen Asphalttrassen zwischen den neu zu errichtenden Stadien und den gerade eingeweihten Luxushotels eine Extra "Fifa-Spur" geteert werden.

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Die besondere Überholspur für die Funktionäre und die ihre besondere Klientel, vorbei am Stau der Land Cruiser, Hummers und anderer SUVs, gegen die die Porsche Cayennes wie Kleinwagen wirken. Und erst recht natürlich vorbei an den Kleinbussen, voll mit Arbeitern in zementgrauen Blaumännern aus Bangladesch, Indien und Indonesien, die für die Einwohner des reichsten Landes der Erde deren Träume aus Glas, Stahl und Beton in den Himmel wachsen lassen.

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Für Politiker sind Megaveranstaltungen wie der ESC in Aserbaidschan und die WM in Katar Anlass, mehr Demokratie zu fordern. Deutsche Unternehmen hoffen jedoch auf Großaufträge - und geraten schnell zwischen die Fronten.

Scheich Hamad bin Chalifa bin Hamad bin Abdullah bin Jassim bin Muhammed Al Thani, der Emir von Katar, und sein Sohn, Kronprinz Tamim Bin Hamad Al Thani, spendieren ihm Volk die nach einer Olympiade wichtigsten Sport-Spiele der Welt. Das lassen sie sich, von der Frage des Zustandekommens der Entscheidung für den Standort Wüste einmal abgesehen, mehrere Milliarden Dollar kosten: Für den Bau von gleich einem Dutzend neuen Stadien, dem massiven Ausbau von Hotels, Shopping-Malls, der erstmaligen Errichtung von Metro-Linien und ganzer neuer Stadtteile.

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