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12.01.2011

21:17 Uhr

World Economic Forum

Weltwirtschaft verkraftet keine neue Krise mehr

VonMichael Maisch, Thomas Schmitt

Der Risikobericht des World Economic Forums sieht die Welt von der Finanzkrise noch so geschwächt, dass die internationale Wehrhaftigkeit kritisch nachgelassen hat. Besonders hohe Risiken für die Weltgemeinschaft gehen von Staatspleiten, Handelskriegen und Hungerrevolten aus.

Das WEF sieht die Welt am Rande der Handlungsfähigkeit. Quelle: Reuters

Das WEF sieht die Welt am Rande der Handlungsfähigkeit.

LONDON, DÜSSELDORF . Die Weltwirtschaft steht vor einem gefährlichen Dilemma. Auch drei Jahre nach dem Ausbruch der Finanzkrise wachsen die Risiken weiter, warnt das World Economic Forum (WEF) in seinem neuen Global Risk Report. Gleichzeitig hätten die Spätfolgen des Bebens an den Märkten viele Staaten aber so sehr geschwächt, dass ihnen kaum noch Mittel zur Bekämpfung neuer Krisenherde blieben, konstatieren die Experten der 1971 gegründeten Stiftung, die alljährlich den Weltwirtschaftsgipfel in Davos organisiert. Angesichts dieser explosiven Gemengelage zählt das WEF Staatspleiten zu den größten Gefahren, die der Weltwirtschaft im neuen Jahr drohen.

"In den meisten Industriestaaten befinden sich die Staatsfinanzen in einer äußerst kritischen Lage", warnt Daniel Hofmann, Chef-Volkswirt von Zurich Financial, einer der Autoren des Risk Reports. Sollten sich die Regierungen nicht schnell zu einschneidenden Maßnahmen durchringen können, bestehe die große Gefahr von staatlichen Zahlungsausfällen. In den ersten Tagen dieses Jahres hat sich die Euro-Schuldenkrise weiter zugespitzt. Erstmals sehen die Investoren jetzt Staatsanleihen aus der Euro-Zone als riskanter als Regierungsbonds aus den aufstrebenden Schwellenländern. Die Anleger fürchten, dass nach Griechenland und Irland auch Portugal unter den Euro-Schutzschirm von EU und Internationalem Währungsfonds schlüpfen muss. "Das Problem der Ungleichgewichte in der Weltwirtschaft, die eigentliche Wurzel der Finanzkrise, ist noch immer nicht gelöst", warnt Robert Greenhill, Geschäftsführer des WEF.

Angesichts dieser Diagnose dürfte bei dem am 26. Januar beginnenden Weltwirtschaftsgipfel die wachsende Kluft zwischen den rasant wachsenden Schwellenländern und den noch immer mit den Spätfolgen der Finanzkrise ringenden Industriestaaten im Mittelpunkt der Gespräche stehen. In den vergangenen Tagen warnte der brasilianische Finanzminister Guido Mantega, dass die Flut von billigem Geld, die aus dem Westen in die Emerging Markets dränge, zu Währungskriegen und einem Aufflammen des Protektionismus führen könnte, mit fatalen Folgen für die Weltwirtschaft.

Als weiteres zentrales Risiko sehen die WEF-Experten das Thema Resourcensicherheit. Die begrenzte Verfügbarkeit von Rohstoffen, Wasser und Energie setze dem Wachstum klare Grenzen und könne neue Krisenherde entzünden. Die im vergangenen Jahr rasant gestiegenen Rohstoffpreise sehen Volkswirte als Bedrohung für die Weltkonjunktur. Dabei geht es nicht nur um konjunktursensible Rohstoffe wie Öl, Kupfer oder Seltene Erden, sondern auch um Grundstoffe für Nahrungsmittel wie Weizen, Mais oder Zucker. Die Preissteigerungen der vergangenen Monate schürten vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern die Angst vor Hungerrevolten. Die WEF-Experten warnen, dass sich diese Probleme noch zuspitzen werden, weil die Nachfrage nach Wasser, Nahrungsmitteln und Energie in den kommenden Jahren um 30 bis 50 Prozent steigen wird.

Kommentare (1)

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keeper

13.01.2011, 01:48 Uhr

(fast) richtig:
Zitat:
"Das Problem der Ungleichgewichte in der Weltwirtschaft, die eigentliche Wurzel der Finanzkrise, ist noch immer nicht gelöst"

Nur: es sind nicht nur die Ungleichgewichte zwischen den Volkswirtschaften;
es sind auch zu allererst -und das ist nunmal die systemimmanente Problematik- die Ungleichgewichte der Kapitalerträge...

... aufgrund dieser Ungleichgewichte muß die Wertschöpfungskette zwangsläufig "auf Pump" finanziert werden.

ob "immobiliengesicherten-Konsum-auf-Pump" oder
"Konjunkturpakete-auf-Pump":

ohne diese Nachfrage-auf-Pump bricht die Wirtschaft zusammen...
... und mit dieser Nachfrage droht an allen Ecken und Enden: hoffnungslose Überschuldung.

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