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13.02.2017

14:54 Uhr

World-Press-Preis

Das Mörderfoto des russischen Botschafters

Der AP-Fotograf Burhan Ozbilici wird zufällig Zeuge eines Attentats - und behält die Nerven. Er macht Fotos, die eindrücklich die Schrecken dieser bangen Minuten in einer Galerie in Ankara wiedergeben.

Ozbilici erhält für seine Aufnahme vom Mörder des russischen Botschafters in Ankara den World-Press-Preis 2017 gewonnen. AP

Burhan Ozbilici

Ozbilici erhält für seine Aufnahme vom Mörder des russischen Botschafters in Ankara den World-Press-Preis 2017 gewonnen.

AmsterdamEin Fotograf der Nachrichtenagentur AP hat für sein Bild vom Mörder des russischen Botschafters in Ankara den Preis für das Welt-Presse-Foto des Jahres 2017 gewonnen. Der Jury-Vorsitzende Stuart Franklin teilte am Montag in Amsterdam mit, das Foto von Burhan Ozbilici (türkisch: Özbilici) sei eine „unglaublich schonungslose“ Aufnahme.

Der Fotograf war am 19. Dezember 2016 in der Galerie in Ankara anwesend, als Botschafter Andrej Karlow eine Ausstellung eröffnen wollte. Ein türkischer Polizist in Zivil und außer Dienst feuerte mehrere tödliche Schüsse auf ihn ab. Der AP-Fotograf hielt das Verbrechen in einer Serie von Aufnahmen fest.

Auf dem preisgekrönten Foto ist der mutmaßliche Täter zu sehen, wie er breitbeinig und im Anzug neben dem am Boden liegenden Botschafter steht und seinen linken Arm mit ausgestrecktem Zeigefinger hochstreckt, die Waffe hält er in der rechten. Den Mund hat er weit geöffnet und brüllt offenbar gerade etwas.

Ozbilici sagte, sein professioneller Instinkt habe einfach eingesetzt und er habe trotz der fürchterlichen Szenerie vor ihm einfach abgedrückt. „Es war extrem heiß, als ob ich kochendes Wasser über den Kopf bekommen hätte, dann war es sehr kalt, sehr kalt“, sagte der Fotograf über diese extreme Situation. „Aber gleichzeitig wusste ich, dass das eine große Geschichte war, es war Geschichte.“

Tödliche Anschläge in der Türkei (Chronik)

13. Mai 2016

Bei einer Sprengstoffdetonation in Diyarbakir kommen vier Menschen ums Leben. 15 werden verletzt. Die Tat wird der PKK zugeschrieben.

9. April 2016

Bei einem Bombenanschlag in Istanbul gibt es drei Verletzte. Wer hinter dem Anschlag steckt, ist unklar.

31. März 2016

Mindestens 7 Tote, rund 23 Verletzte – das sind die Opfer eines Anschlags in Diyarbakir, hinter dem die PKK vermutet wird. Bei den Opfern handelt es sich um Polizeibeamte.

19. März 2016

Bei einem Bombenanschlag in Istanbul sterben mindestens fünf Menschen, etwa 36 werden verletzt. Bei den Opfern handelt es sich um Passanten in einer Einkaufsstraße. Hinter dem Anschlag steckt vermutlich der IS.

13. März 2016

Bei einem weiteren verheerenden Autobomben-Anschlag in der türkischen Hauptstadt Ankara sind am 13. März 37 Menschen ums Leben gekommen. Kurz darauf flog die türkische Luftwaffe Angriffe auf PKK-Stellungen im Nordirak – die Regierung zufolge gehörte die Selbstmordattentäterin zu der verbotenen Partei.

Februar 2016

Am 17. Februar hat in Ankara ein Selbstmordattentäter 28 Menschen in den Tod gerissen. Inzwischen hat sich die militante Organisation Freiheitsfalken Kurdistans (TAK) – eine Splittergruppe der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK – zu der Tat bekannt.

Januar 2016

Bei einem Anschlag im historischen Zentrum Istanbuls werden elf Deutsche getötet. Der Angreifer sprengt sich mitten in einer deutschen Reisegruppe in der Umgebung der Hagia Sophia und der Blauen Moschee in die Luft. Der Attentäter gehörte nach Angaben der türkische Regierung der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) an.

September 2015

Bei einem Bombenanschlag in Igdir in der Osttürkei werden zwölf Polizeibeamte getötet. Zuvor starben bei einem Angriff der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK und Gefechten im südosttürkischen Daglica in der Provinz Hakkari 16 Soldaten.

August 2015

Bei einem Bombenanschlag und einem anschließenden Angriff auf eine Polizeiwache in der Millionenmetropole Istanbul werden mindestens vier Menschen getötet. Zwei Frauen greifen zudem das US-Konsulat an, eine wird festgenommen. Sie soll Mitglied der linksextremen Terrororganisation DHKP-C sein.

Juli 2015

Im südtürkischen Grenzort Suruc reißt ein Selbstmordattentäter 33 pro-kurdische Aktivisten mit in den Tod. Die Behörden machen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verantwortlich, die sich allerdings nie zu der Tat bekennt.

Juni 2015

Zwei Tage vor der türkischen Parlamentswahl verüben Unbekannte in der südosttürkischen Kurden-Metropole Diyarbakir einen Sprengstoffanschlag auf eine Veranstaltung der pro-kurdischen Oppositionspartei HDP. Mindestens vier Menschen sterben. Die türkische Regierung macht den IS verantwortlich.

Mai 2013

Bei der Explosion zweier Autobomben in der Grenzstadt Reyhanli werden mehr als 50 Menschen getötet. Die Regierung beschuldigt türkische Linksextremisten mit Kontakten zum Regime im benachbarten Syrien.

September 2011

Drei Menschen sterben in der türkischen Hauptstadt Ankara, als im Regierungsviertel eine Bombe explodiert. Eine Splittergruppe der PKK bekennt sich zur Tat.

Ozbilici, der seit mehr als 30 Jahren als Fotograf arbeitet, tat, was er gelernt hatte. „Ich entschied mich sofort, meine Arbeit zu machen... Denn ich hätte verwundet werden oder sterben können, aber zumindest hätte ich guten Journalismus geleistet.“

Insgesamt hatten 5034 Fotografen aus 125 Ländern 80.408 Fotos bei der Stiftung World Press Foto Foundation mit Sitz in Amsterdam eingereicht. Für 45 von ihnen gab es Preise in acht Kategorien. Die prestigeträchtigste Auszeichnung ist aber auf jeden Fall der Hauptpreis für das Presse-Foto des Jahres. Ozbilici gewann auch in der Kategorie Spot News - Stories.

Sein Arbeitgeber AP zeigte sich äußert erfreut über den Erfolg. „Burhans beeindruckendes Bild war das Resultat von Können und Erfahrung, von Besonnenheit unter extremem Druck und von dem Einsatz sowie dem Sendungsbewusstsein, das AP-Journalisten weltweit ausmacht“, sagte AP-Chefin Sally Buzbee. AP-Fotochef Denis Paquin würdigte Ozbilicis Arbeitseinstellung. „Burhan würde Ihnen sagen, dass er einfach seinen Job gemacht habe. Seine bescheidene Professionalität, gepaart mit seinem unglaublichen Mut, befähigte ihn dazu, diese unvergesslichen Bilder zu machen.

Der Fotograf selbst sagte nach der Preisübergabe, er habe damals in der Galerie in Ankara ein Verantwortungsgefühl für seinen gesamten Berufsstand gespürt. Er habe die Stimmen von Journalisten aus aller Welt gehört, die ihm gesagt hätten: „Geh nicht weg. Bleib stehen“.

Von

ap

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