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10.09.2016

16:16 Uhr

World Vision

US-Hilfsorganisation entlässt 120 Mitarbeiter im Gazastreifen

World Vision hat im Gazastreifen 120 Mitarbeitern gekündigt. Der Grund: Die amerikanische Hilfsorganisation wirft dem Büroleiter Al-Halabi vor, Geld veruntreut zu haben.

Im Gazastreifen hat die US-Hilfsorganisation 120 Mitarbeiter entlassen. Reuters

World Vision

Im Gazastreifen hat die US-Hilfsorganisation 120 Mitarbeiter entlassen.

GazaNach israelischen Anschuldigungen gegen seinen Büroleiter im Gazastreifen hat die US-Hilfsorganisation World Vision 120 palästinensische Mitarbeiter entlassen. "Sie haben 120 Mitarbeiter von World Vision im Gazastreifen informiert, dass ihr Vertrag offiziell aufgelöst wurde und dass alle ihre Projekte in der Enklave ausgesetzt wurden", sagte ein Mitarbeiter, der anonym bleiben wollte, der Nachrichtenagentur AFP.

Die Mitarbeiter mussten entsprechende Dokumente demnach bereits am 9. August unterzeichnen. Die Organisation habe sich aber verpflichtet, die Mitarbeiter im Gazastreifen wieder einzustellen, wenn die Affäre um ihren Büroleiter Mohammed al-Halabi beigelegt sei, sagte der Mitarbeiter. In den Kündigungspapieren, in die AFP Einsicht hatte, wird erläutert, World Vision stecke in einer "schweren Krise", die auch die Finanzen der Organisation betreffe.

Ein hochrangiger Vertreter der Hilfsorganisation bestätigte die Entlassungen. Langjährige Mitarbeiter behalten demnach ihre Stelle und erhalten einen Teilgehalt.

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Unschöne Schlagzeilen über die Hilfsorganisation World Vision: Ein ranghoher Mitarbeiter soll Gelder in Millionenhöhe an die Hamas übermittelt haben. Die Organisation zeigt sich „schockiert“ über die Vorwürfe.

Al-Halabi wird vorgeworfen, im Laufe mehrerer Jahre Dutzende Millionen Dollar an den bewaffneten Flügel der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas geleitet zu haben, die den Gazastreifen kontrolliert. Die Hilfsorganisation zieht die Vorwürfe in Zweifel und macht geltend, dass ihr Gesamtbudget für das isolierte Palästinensergebiet im fraglichen Zeitraum nur 22,5 Millionen Dollar betragen habe.

Ende August begann unter Ausschluss der Öffentlichkeit ein Prozess gegen al-Halabi in der südisraelischen Stadt Beerscheba. Auch Vertreter von World Vision waren nicht zugelassen. Al-Halabi will nach Aussagen seiner Anwältin auf nicht schuldig plädieren.

Weil die Hamas von den USA und der EU als Terrororganisation eingestuft wird, wenden alle im Gazastreifen tätigen karitativen Gruppen schärfste Kontrollmechanismen an. World Vision hat gegenwärtig alle Aktivitäten im Gazastreifen gestoppt, dessen fast zwei Millionen Bewohner stark von Auslandshilfe abhängig sind. Zunächst sollen sämtliche Projekte in den Palästinensergebieten einer internen Betriebsprüfung unterzogen werden.

World Vision ist in fast hundert Ländern aktiv und hat mehr als 40.000 Mitarbeiter. Im vergangenen Jahr hatte die Organisation nach eigenen Angaben 92.000 Kinder in den Palästinensergebieten unterstützt, davon rund 40.000 im Gazastreifen.

Von

afp

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