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28.05.2012

04:07 Uhr

Wut in Afghanistan

Familie wird bei Nato-Angriff „brutal getötet“

Afghanistans Präsident Karsai lässt einen Nato-Einsatz untersuchen, bei dem eine achtköpfige Familie getötet worden ist. Der Vorfall dürfte die Beziehung zwischen der Nato und Karsai weiter verschlechtern.

US-amerikanische Soldaten liefern sich ein Gefecht mit Taliban-Kämpfern. Reuters

US-amerikanische Soldaten liefern sich ein Gefecht mit Taliban-Kämpfern.

KabulBei einem Nato-Luftangriff im Osten Afghanistans sind nach Angaben der Provinzregierung acht Zivilisten getötet worden, darunter sechs Kinder. Die Eltern und alle ihre Kinder seien ums Leben gekommen, als ihr Haus in der Nacht zum Sonntag bombardiert worden sei, sagte der Sprecher des Provinzgouverneurs, Rohullah Samun. Präsident Hamid Karsai, ein scharfer Kritiker ziviler Opfer der NATO-Truppen, ordnete umgehend eine Untersuchung an.

Der Angriff sei am Samstagabend um 20.30 Uhr (Ortszeit, 18.00 Uhr MESZ) erfolgt, sagte der Regierungssprecher in Paktia, Rohullah Samoon, der Nachrichtenagentur AFP. Der Mann habe „keine Verbindung zu den Taliban oder einer anderen Terrorgruppe“ gehabt, fügte Samoon hinzu. Ein ranghoher Sicherheitsvertreter in der Hauptstadt Kabul bestätigte die Angaben. Die Familie sei „brutal getötet“ worden. Die NATO erklärte zunächst nur, sie gehe den Vorwürfen nach.

Zivile Opfer in Afghanistan führten in der Vergangenheit bereits mehrfach zu schweren Verstimmungen zwischen der NATO und der Regierung in Kabul. Erst Anfang Mai hatte die NATO die Verantwortung für den Tod einer sechsköpfigen Familie in der südlichen Provinz Helmand übernommen.

Afghanistans Präsident Karsai hatte den USA zuvor damit gedroht, ein zwischen beiden Staaten geschlossenes Abkommen über eine langfristige strategische Partnerschaft aufzukündigen.

Im Kampf der NATO-Truppen und der afghanischen Armee gegen den von den Taliban angeführten Aufstand gibt es besonders viele zivile Opfer. Allein 2011 wurden mehr als 3000 Zivilisten in dem Konflikt getötet. Das entspricht etwa der Anzahl der in mehr als zehn Jahren getöteten ISAF-Soldaten.

Derweil äußerte das afghanische Verteidigungsministerium Sorge über den schleppenden Aufbau seiner Luftwaffe, die im Kampf gegen die Aufständischen eine wesentliche Rolle spielen soll. 15 von den USA zur Verfügung gestellte Transportmaschinen seien nicht einsatzbereit, weil sie zu alt seien und es Sicherheitsprobleme gebe, erklärte die Regierung Karsai am Sonntag. Die USA müssten ihre Bemühungen verstärken.

Parallel zu ihrem geplanten Abzug helfen die USA Kabul beim Aufbau seiner Luftwaffe, bevor die meisten Flugzeuge der NATO zusammen mit rund 130.000 Soldaten bis Ende 2014 das Land verlassen haben werden.

Kommentare (7)

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28.05.2012, 08:03 Uhr

Gibt es eigentlich eine Zahl wie viele Zivilisten im Irak und Afghanistan durch die USA und deren Kriegshelfer getoetet wurden?

Gibt es eine Zahl wie viele Menschen ohne jedes Verfahren durch die gleichen Beteiligten hingerichtet wurden?

Gibt es eine Zahl wie viele Menschen, die im gleichen Auto sassen oder im gleichen Gebaeude waren etc. in einer Art Sippenhaft dabei auch hingerichtet wurden?

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28.05.2012, 08:36 Uhr

zumindest für den Irak gibt es ein Projekt; dort wurden zwischen 106 und 116 Tausend Zivilisten getötet http://www.iraqbodycount.org/

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28.05.2012, 09:06 Uhr

@GernotMeyer

Viele waren doch nur "Collateral Damage". Klingt ja schon unwichtig. Ich glaube, fuer die Kriegsparteien zaehlt dies nicht oder nur weniger ;-)

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