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26.07.2017

01:57 Uhr

Yellen, Cohn, Sessions, Tillerson

Trumps Personalpolitik schlingert dahin

Im Reality-TV hatte Donald Trump einen Job: geeignete Kandidaten finden. Als US-Präsident tut er sich damit oft schwer. Bei der Besetzung der Fed-Posten macht er eine Kehrtwende – auf sein Kabinett aber drischt er ein.

US-Präsident Donald Trump applaudiert beim Fototermin am Montag einer Gruppe junger Menschen, die nach dem Ende ihres Praktikums das Weiße Haus verlassen. AFP; Files; Francois Guillot

In der Wohlfühlzone

US-Präsident Donald Trump applaudiert beim Fototermin am Montag einer Gruppe junger Menschen, die nach dem Ende ihres Praktikums das Weiße Haus verlassen.

WashingtonUS-Präsident Donald Trump hat mit Hilfe eines Interviews die Diskussion um die Besetzung von Spitzenposten bei der US-Notenbank Fed angefacht. Trump sieht seinen Wirtschaftsberater Gary Cohn als Top-Anwärter für den Posten des obersten Notenbankers. Allerdings überraschte er in einem Interview des „Wall Street Journal“ (Dienstag) mit der Aussage, er könne sich durchaus auch gut vorstellen, die derzeitige Fed-Chefin Janet Yellen für eine weitere Amtszeit zu nominieren.

Auf die Frage, ob Cohn ein Kandidat für den Spitzenjob bei der Federal Reserve sei, antwortete Trump: „Er weiß es nicht, aber ja das ist er.“ Das US-Magazin „Politico“ hatte bereits unter Berufung auf Insider berichtet, dass der ehemalige Vizechef der US-Investmentbank Goldman Sachs sich Hoffnung auf den renommierten Posten machen könne.

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Überraschender kommt, dass Trump sich plötzlich auch vorstellen kann, an Yellen festzuhalten, die er in der Vergangenheit wiederholt heftig kritisiert hatte. „Ich mag sie; ich mag ihre Haltung. Ich denke, sie hat einen guten Job gemacht“, sagte Trump über Yellen, die seit Februar 2014 die Fed leitet und deren Amtszeit im Februar 2018 endet.

Trump machte auch sein Kalkül bei der Personalwahl deutlich: „Ich würde gerne sehen, dass die Leitzinsen niedrig bleiben“. Damit vollzieht Trump eine radikale Kehrtwende, im Wahlkampf war er die Fed und Yellen noch harsch angegangen und hatte ihnen vorgeworfen, mit künstlich niedrigen Zinsen Finanzblasen zu riskieren. Allerdings kann Trump Unterstützung durch lockere Geldpolitik wegen seiner gewagten Wirtschaftsversprechen nun sehr gut gebrauchen.

Es gebe allerdings neben Cohn und Yellen auch noch „zwei oder drei“ andere Mitbewerber, sagte Trump, ohne jedoch Namen zu nennen. Cohn wäre eine ungewöhnliche Wahl, da er kein Ökonom ist und lediglich über langjährige Erfahrung als hochrangiger Manager einer Privatbank verfügt. Trump, der vor seiner Wahl zum Präsidenten selbst keine politische Erfahrung hatte, hat aber bereits bewiesen, dass er vor unkonventionellen Personalentscheidungen nicht zurückschreckt.

In dem „Wall Street Journal“-Interview sprach Trump auch über andere Personalfragen. Dabei erhöhte er seinen Druck auf Justizminister Jeff Sessions. Er sei sehr enttäuscht von Sessions, sagte Trump. Er denke über die Möglichkeit nach, Sessions zu entlassen.

Auch Trumps neuer Kommunikationsdirektor Anthony Scaramucci äußerte sich in dieser Richtung. Als Radiomoderator Hugh Hewitt in einem Interview sagte, Trump wäre Sessions am liebsten los, antwortete Scaramucci: „Da haben sie vermutlich recht.“

Drei Personen mit Zugang zum Präsidenten sagten der Nachrichtenagentur AP, Trump habe mit engen Beratern in den vergangenen Tagen darüber diskutiert, welche Folgen es haben könnte, wenn er Sessions feuern würde. Allerdings wiesen sie darauf hin, dass Trump schon öfter über hochkarätige Personalentscheidungen spekuliert, diese dann aber nicht in die Tat umgesetzt habe.

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