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27.05.2011

12:58 Uhr

Zahl des Tages

Darlehen für Demokratie

Milliarden Euro hat die internationale Staatengemeinschaft als Unterstützung für den "arabischen Frühling" in Ägypten und Tunesien zugesagt. Doch selbst diese Riesensumme ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

...Milliarden kostet der Start in die Demokratie für Ägypten und Tunesien .

...Milliarden kostet der Start in die Demokratie für Ägypten und Tunesien .

14 Milliarden Euro beziehungsweise 20 Milliarden US-Dollar will die internationale Staatengemeinschaft den Ägyptern und Tunesiern für den Start in die Demokratie leihen. Das haben diverse Förderbanken am Rande des G8-Gipfels zugesagt, der gerade im französischen Deauville läuft. Mit dem Geld, verkündete EU-Kommissionschef Jose Manuel Barroso stellvertretend für die Geldgeber Europäische Investitionsbank, die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung sowie den Internationalern Währungsfonds (IWF), wolle man den "arabischen Frühling" unterstützen.

So betätigt sich der reiche Westen einmal mehr mit seinem Geld als demokratischer Missionar für arme Staaten. Das Wohlstandsgefälle macht die Hilfen für Ägypten und Tunesien zu einem veritablen Startgeld. Denn während 14 Milliarden Euro hierzulande nicht viel mehr sind als das, was die Deutsche Bank verdienen will (2011 sollen es immerhin schon zehn Milliarden sein), entspricht es mehr als der Hälfte des gesamten Bruttoinlandsprodukts von Tunesien. Selbst für Ägypten, den mit weitem Abstand größten und wirtschaftlich potentesten Staat der Region, entsprecht das Demokratie-Darlehen mehr als einem Zehntel dessen, was das Land 2009 erwirtschaftete.

Rund 90 Millionen Menschen leben in Ägypten und Tunesien. Flössen die Hilfsgelder direkt auf deren Konto, hätte jeder Einwohner eine Gutschrift von 222 Dollar zu erwarten. Auch das ist mehr als man nach hiesigen Maßstäben glauben könnte. Denn das Pro-Kopf-BIP liegt in Tunesien bei 3800 Dollar pro Jahr, in Ägypten sogar nur bei 2000 Dollar. Die Hilfen, die hierzulande für viele nicht mal zur Deckung der Wohnungsnebenkosten eines Monats reichen würden, machen in Arabien also weit mehr als ein Monatseinkommen aus.

Trotzdem sind 20 Milliarden Dollar, zu denen weitere ungenannte Summen aus Europa und Russland kommen sollen, nicht mehr als ein kleiner Anfang, wie der IWF bereits klarstellte. Arabien braucht in den kommenden drei Jahren nämlich das Achtfache, also 160 Milliarden Dollar, um seine Wirtschaft auf Vordermann zu bringen und Not in der Bevölkerung zu lindern.

Die Menschen dort leiden nämlich extrem unter dem Anstieg von Rohstoffpreisen, unter teuren Lebensmitteln und hoher Inflation. Sie werden in revolutionären Zeiten ja kaum darauf hoffen dürfen, dass sie irgendeine staatliche Institution auffängt. Und dass die nun beschlossenen Hilfsgelder auf ihren Konten landen, ist wohl auch eher unwahrscheinlich.

Von

Olaf Wittrock

Kommentare (2)

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Wolf54321

27.05.2011, 15:16 Uhr

14 Mrd. Euro für die Einführung der Sharia - die EU-Diktatoren sind sowas von realitätsabgehoben und auch noch lernresistent.

Steuerzahler

29.05.2011, 00:34 Uhr

Die Faulenzer sollen einmal arbeiten und nicht nur beten und zehn Kinder in die Welt setzen. Frauen müssen auch arbeiten statt mit dem Kopftuch herumzurennen und mehr Kinder in die Welt zu setzen, als sie ernähren können. Für jeden Faulenzer sollen wir zahlen. Da schreien sie: "T od dem Westen" ABER das Geld des Westens nehmen sie an.

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