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14.10.2011

09:25 Uhr

ZDF-Talk

Zur Euro-Krise fällt Maybrit Illner wenig Neues ein

VonChristian Bartels

Maybrit Illner wird immer besser darin, Diskussionen in dem Moment abzuwürgen, wenn sie spannend werden können. Immerhin waren ihre Gäste zum Thema Griechenland-Krise diesmal überdurchschnittlich gut gecastet.

Nicht das erste Mal ging es bei Maybrit Illner um die Euro-Rettung. Screenshot ZDF

Nicht das erste Mal ging es bei Maybrit Illner um die Euro-Rettung.

BerlinDie Themen Banken, Griechenland, Staatsbürgschaften wurden bekanntlich schon einige dutzend Male im deutschen Fernsehen diskutiert, ohne dass das anderen als den Talkshow-Produzenten geholfen hätte. Maybrit Illners gestrige ZDF-Talkshow mit dem Titel "Griechen pleite, Banken in Not - Wer rettet den Steuerzahler?" jedoch war zumindest bestens gecastet: neben dem Standard & Poor's-Deutschlandchef Torsten Hinrichs trat Wolfram Siener auf, der am Wochenende die US-amerikanische "Occupy Wall Street"-Bewegung nach Deutschland importieren möchte ("Occupy Frankfurt"). Dazu kamen telegene Talk-Koryphäen wie Dirk Müller ("Mister DAX") und die stellvertretende Linkspartei-Vorsitzende Sahra Wagenknecht. Was könnte ein solch spektakulär besetzte Sendung daran hindern, hochspannend zu verlaufen?

Was sie hindern könnte, wurde schon bei der Vorstellung der weiteren Gäste deutlich: Es war erstens deren Vielzahl und zweitens der Umstand, dass eben Maybrit Illner moderierte. Außerdem im Studio saßen der FDP-Finanzpolitiker Volker Wissing (als Gegengewicht zu Wagenknecht), der routinierte Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken, Michael Kemmer (als Gegengewicht zu Müller), sowie der noch routiniertere Moral- beziehungsweise Alles-Mögliche-Experte Ulrich Wickert, dessen neuestes Buch "Redet Geld, schweigt die Welt" heißt. Das Talent der Moderatorin, sich unter ihren Gästen entwickelnde Diskussionen in dem Moment resolut abzuwürgen, in dem sie spannend werden könnten, nimmt inzwischen besorgniserregende Ausmaße an. Und Wickert assistierte ihr dabei ganz gut.

Nicht nur einmal unterbrach Illner Erkenntnis versprechende Kontroversen zwischen dem pointensicheren Müller ("Die Bürger müssen die Politik zwingen, Grenzen zu setzen, die Politik kann das nicht mehr") und dem bedächtigen Bankenlobbyisten Kemmer, indem sie ältere Aussagen Josef Ackermanns oder Angela Merkels in die Runde warf. Und als sie gegen Ende endlich den Ratingagenturen-Vertreter Hinrichs in die Diskussionsrunde geholt hatte, den sie zuvor im Einzelinterview mit der Lehman-Pleite 2008 nicht hatte aus der Ruhe bringen können, übernahm wiederum Müller diesen Job, und zwar kräftig. Als "private amerikanische Unternehmen" würden die Ratingagenturen ja auch die geostrategischen Interessen Washingtons mit durchsetzen, sagte er.

Hinrichs begann, mit Hinweisen auf die S&P-Mitarbeiter in Frankfurt, Paris und anderswo zu kontern. Illner sagte, dass der DGB-Chef Michael Sommer (der nicht im Studio saß und von dem zuvor überhaupt nicht die Rede gewesen ist) ja auch gerade gesagt hätte, die wirkungsvollsten Waffen der USA seien die Ratingagenturen - damit war auch dieses Gesprächsthema abgehakt.

Kommentare (37)

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IRR

14.10.2011, 09:37 Uhr

Die Kritik an der Sendung kann ich überhaupt nicht nachvollziehen.
Für mich war es eine der besten Sendungen mit dem Thema Finanzkrise.
Natürlich ist klar, dass man in der Zeit nicht alles durchdiskutieren kann, wie es sinnvoll wäre. Aber so ist es halt, wenn es um so ein komplexes Thema geht.
Mein Fazit von der Sendung ist nicht, dass ich Antworten über Griechenland usw. erwarten habe, sondern, dass die Politik unfähig ist, irgendetwas zu ändern.
Somit hat nur der Bürger die Chance (und die Pflicht) sich dagegen zu wehren und auf die Strasse zu gehen oder auch nicht etablierte Parteien zu wählen.

Steffi

14.10.2011, 09:53 Uhr

Ich habe selten eine so schwache Analyse einer Sendung gelesen wie die von Herrn Bartels. Hat er nicht genau hingehört?
Der Banken-Sprecher wurde doch mehrfach von Herrn Müller entlarvt. Und auch der FDP-Vertreter Volker Wissing hat sich entlarvt, nämlich als jemand, der garnicht daran denkt, dem Lobbyismus der Banken entgegenzutreten.
Der Banken-Sprecher argumentierte, das Problem seien die Staaten, die zuviele Schulden angehäuft hätten, nicht die Banken seien schuld. Dem stimmte Wissing von der FDP zu. Wie bitte? Herr Müller entgegnete zurecht, dass es die Staaten waren, die 2008 nach der Lehman-Pleite die Banken retten und sich deshalb so hoch verschulden mussten.
Der Banken-Sprecher verlangte doch tatsächlich, dass Staatsanleihen von Problemstaaten praktisch vom Staat abgesichert werden müssten. Herr Müller entgegnete zurecht, dass wir einen freien Markt haben und wenn die Banken mit risikoreichen Anleihen 20 % Gewinn machten, könne man nicht erwarten, dass am Ende die Steuerzahler einspringen, wenn wie in Griechenland ein Teil abgeschrieben werden müsse, also den Banken immern noch ein Gewinn verbleibe.
Herr Müller entlarvte auch, dass die 20 %-Beteiligung der Banken beim Anleihenumtausch für Griechenland ein Witz ist, weil die Banken intern schon mindestens 50 % abgeschrieben hätten.
Die Sendung brachte große Erkenntnisse, entlarvte die scheinheiligen Argumente der Banken und die FDP als eine Partei, die Banken eher schützt.

Account gelöscht!

14.10.2011, 10:11 Uhr

Sofort abschaffen diese gebührenfinanzierten nervigen Quatschbuden, die wir so nötig brauchen wie den Volksverdummungs-Mutantenstadel! Es wird getalkt. Aber nichts gesagt.

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