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19.03.2013

07:38 Uhr

Zehn Jahre nach US-Invasion

Irak weiter in der Krise

Noch immer wird der Irak nahezu jede Woche von Anschlägen erschüttert. Regelmäßig sterben dabei dutzende Menschen. Auch zehn Jahre nach der US-geführten Militärinvasion, kommt das Land nicht zur Ruhe.

Auch zehn Jahre nach der US-geführten Militärinvasion, die binnen kürzester Zeit zum Sturz von Machthaber Saddam Hussein führte, kommt das Land nicht zur Ruhe. dapd

Auch zehn Jahre nach der US-geführten Militärinvasion, die binnen kürzester Zeit zum Sturz von Machthaber Saddam Hussein führte, kommt das Land nicht zur Ruhe.

Bagdad Der Krieg im Irak dauerte offiziell nur wenige Wochen. Am 20. März 2003 erfolgte der Einmarsch, bereits am 9. April fiel die Hauptstadt Bagdad, und am 1. Mai erklärte der damalige US-Präsident George W. Bush die militärische Mission für erfüllt. Doch viele Probleme begannen damit erst. Aufständische verübten immer öfter Attentate und richteten regelrechte Blutbäder an. Nach einem Anschlag auf den schiitischen Al-Askari-Schrein in Samarra am 22. Februar 2006 eskalierte die Gewalt noch einmal umfassend. Insgesamt wurden bei religiös motivierten Auseinandersetzungen weit mehr als 100.000 Menschen getötet.

„Es gab die vorgeschobenen Argumente, die Massenvernichtungswaffen, die Verbindungen zu Al-Kaida, die Bedrohungen für die Sicherheit der Vereinigten Staaten“, sagt Crispin Hawes, beim Londoner Beratungsunternehmen Eurasia Group für den Nahen Osten und Nordafrika zuständig, mit Blick auf die Invasion. „Das sieht jetzt alles lächerlich aus“, ergänzt er. Zudem gab es nach Hawes' Ansicht „das Argument, dass der Irak nicht nur ein US-Verbündeter, sondern zum wirtschaftlichen Wachstumsmotor für die gesamte Region“ werden könne. „Dies alles wirkt nun fürchterlich ironisch“, sagte Hawes.

Irak

Einwohner

29 Millionen

Staatsform

föderale Republik

Staatschef

Dschalal Talabani

Besonderheiten

In Schiiten und Sunniten gespaltenes Land, in dem Iran und die Türkei um Einfluss rivalisieren.

Viel wird dieser Tage wieder über die falsche Behauptung diskutiert, Saddam Hussein habe Massenvernichtungswaffen besessen, auf deren Grundlage die USA, Großbritannien und ihre Verbündeten in den Irak einmarschierten. In Deutschland dreht sich die Debatte zudem wieder und wieder um die Weigerung der damaligen rot-grünen Bundesregierung, an dem Einsatz teilzunehmen. Den Menschen im Irak erscheinen diese Streitigkeiten nach Ansicht vieler Beobachter jedoch als abgehoben. Sie sehen vor allem, dass der Prozess der politischen Aussöhnung nicht vorankommt und sie sich ihres Lebens nicht sicher sein können.

Ob es um Gebietsstreitigkeiten im Norden des Iraks oder die Verteilung der Einnahmen aus dem Energiesektor geht, zahlreiche Probleme bleiben weiterhin ungelöst und sorgen für Gewalt. Die Bevölkerung leidet unter einer mangelhaften Versorgung mit öffentlichen Gütern und unter hoher Arbeitslosigkeit. Der schiitische Ministerpräsident Nuri al-Maliki schafft es mit seiner zerstrittenen Regierung nicht, wegweisende Gesetze auf den Weg zu bringen. Seit drei Monaten gibt es deswegen regelmäßig Massenproteste, zuletzt trat der sunnitische Finanzminister Rafi al-Issaui aus Protest zurück.

Hoffnung setzen Experten weiterhin vor allem auf den irakischen Ölsektor, der Bagdad hohe Einnahmen beschert und weiter wächst. Die Internationale Energieagentur geht davon aus, dass der Irak in den kommenden Jahrzehnten den weitaus größten Beitrag zum Anstieg der weltweiten Ölproduktion leisten wird. Vorschläge zur Verwendung der Einnahmen gibt es viele, etwa für den Bau von Wohnungen, neuen Flughäfen oder Sportstadien. Völlig unklar ist jedoch, wie Wohlstand bei den Menschen direkt ankommen soll. Bisher bemängeln Experten in der staatlichen Verwaltung vor allem zwei Dinge - Inkompetenz und Korruption.

Von einer Demokratie nach westlichem Vorbild kann in Bagdad angesichts einer dauerhaften Regierungskrise und tiefgreifender politischer Zerwürfnisse zwischen den Parteien keine Rede sein. Auch nach Abzug der US-Truppen Ende 2011 dümpelt der Irak allem Anschein nach weiter ziellos vor sich hin.

Von

afp

Kommentare (8)

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RumpelstilzchenA

19.03.2013, 10:21 Uhr

Die Amerikaner haben dieses Land wie Nordvietmam und Nordkorea rücksichtslos zerstört. Afghanistan wird nach dem Truppenabzug nicht besser aussehen.
Deutschland wäre an dieser Stelle abgeurteilt worden?!

Hahlebob

19.03.2013, 10:27 Uhr

Tatsächlich gibt es bis heute keinen Beweis dafür, daß Saddam Giftgas einsetzte (Stephen C. Pelletiere - ehemaliger Analyst des Irakisch-Iranischen Kriegs für die CIA, New York Times, 2003).

Account gelöscht!

19.03.2013, 10:56 Uhr

Choas ist eben keine Freiheit !

Wahrscheinlich haben das inzwischen sogar
Arnold Schwarzenegger und Angelika Merkel eingesehen.
Aber da gibt es ja viele, die heute so tun als wären sie damals nie für George W. gewesen .....

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