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31.08.2011

17:22 Uhr

Zeit-Herausgeber

Joffe: Politik hat die Finanzkrise ausgelöst

In einem Gastbeitrag reagiert Josef Joffe auf die Selbstkritik von Konservativen. Er betont, dass der Staat Verantwortung für die Finanz- und Schuldenkrise zu tragen habe.

Reichstag in Berlin: Wer zügelt den Staat? dpa

Reichstag in Berlin: Wer zügelt den Staat?

DüsseldorfDie neuen Kritiker des Kapitalismus übersehen, dass der Staat eine wesentliche Mitschuld an der Finanz- und Schuldenkrise trägt. „Die „entfesselte Finanzmarktökonomie“ war das Fettauge, das jetzt mörderische Magenkrämpfe ausgelöst hat. Aber die Suppe hat der Staat angerichtet - fahrlässig, wohlwollend oder verantwortungslos“, schreibt Josef Joffe, Herausgeber der Wochenzeitung „Die ZEIT“, in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt.

Joffe reagiert damit auf die Zweifel einiger Konservativer, die der linken Kapitalismuskritik im Nachhinein Recht geben. Dazu gehört neben dem konservativen britischen Kolumnist Charles Moore auch FAZ-Mitherausgeber Frank Schirrmacher. Joffe warnt davor, von einem allmächtigen Staat die Lösung der aktuellen Probleme zu erwarten. „Leider hat die Rolle des Staates, der inzwischen rund die Hälfte des Sozialprodukts verteilt, keinen Platz in der gängigen Kapitalismuskritik, verkörpert doch der Staat das Gute: Gemeinwohl und ausgleichende Gerechtigkeit. Aber wer zügelt den Staat?“

Von

tor

Kommentare (9)

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SollundHaben

31.08.2011, 17:44 Uhr

100% Zustimmung.

Endlich mal eine Stimme, die nicht ins populistische Banker Bashing verfällt wenn es um die Finanzkrise geht.

Die meisten Journalisten und Bürger geben brav die Meinung der deutschen Politik u. Bürokratie wieder. Gehirngewaschen. Die Auswirkungen der Ueberregulierung der Finanzbranche wird sich sehr bald in der Realwirtschaft bemerkbar machen.

alfred

31.08.2011, 18:43 Uhr

Herr Joffe vergisst hier wohl dass in der Finanzmarktkrise die Staaten gezwungen waren die Wirtschaft und einige Banken vor dem Bankrott zu retten. Erst nach der Lehmannpleite steigt die Ausgabe von Staatschulden signifikant an. Von zuegellosen Staaten kann man mit einigen Ausnahmen gemeinhin nicht sprechen. Die Mitschuld des Staates liegt in der mangelnden Voraussicht und Regulation des Kapitalmarktes, aber sicherlich nicht in den bemerkenswert geschröpften Aufwendungen fuer Sozialleistungen. Wir wollen kein System der zahnlosen Unterschicht in Europa, die einen politischen Einheitsbrei zu verdauen hat, der mit demos Kratos ungefaehr soviel gemeinsam hat wie Hollywoodhelden mit der Wirklichkeit.

Frankie

31.08.2011, 19:21 Uhr

@ Alfred: Zu behaupten, dass die Staaten sich erst in der Finanzkrise signifikant verschuldeten, stimmt doch hinten und vorne nicht. Griechenland war bereits 2001 hoch verschuldet, Italien ebenso. Sogar Deutschland hat seit 30 Jahren kaum je einen Überschuss verzeichnet - der grösste Schuldenmacher war Theo Waigel und bereits unter Schröder versties Deutschland gegen die Kriterien von Maastricht. George Bush hat in den USA VOR der Krise das Defizit in (damals) ungeahnte Höhen geschraubt. Ja, die Politik und ihre Notenbanken tragen eine grosse Mitschuld an der letzten Krise und an denen, die noch kommen (die nächste hat bereits angefangen). Sie ist Teil des Problems, nicht der Lösung, aber das werden Berufspolitiker nie verstehen.

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