Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.01.2009

15:41 Uhr

Zeitenwende in den USA

Bushs bitterer Abschied

VonMarkus Ziener

Der US-Präsident tritt leise ab. Seine Anhänger haben sich schon neu orientiert. Und auch seine Gegner schenken ihm nur noch wenig Aufmerksamkeit. Wie ein ungeliebter Politiker seine letzten Amtshandlungen vollendet.

Letzte Schritte: George Bush spaltet die Nation - auch während seines Abschieds. Foto: AP ap

Letzte Schritte: George Bush spaltet die Nation - auch während seines Abschieds. Foto: AP

WASHINGTON. Versammelt hatte sich im gutbürgerlichen Washingtoner Vorort Chevy Chase am Dienstagabend gleich ein knappes Dutzend konservativer Intellektueller der ersten Reihe. Unter ihnen Bill Kristol, David Brooks, Charles Krauthammer – sie alle kamen in das Haus des Publizisten George F. Will zu Ehren eines ganz besonderen Gastes. Doch nicht etwa, um ihren Helden der vergangenen acht Jahre, George W. Bush, zu verabschieden. Die konservative Elite kam in die Grafton Street 9, weil sie Barack Obama erleben wollte.

Der gewählte Präsident Obama kam zu der Dinner Party, um zu hören, was seine politischen Gegner zu sagen hatten. Denn die hatten – bei allen Zweifeln an John McCain – allesamt im Wahlkampf Obama bekämpft, als politisches Leichtgewicht abgetan, als eloquenten Redner ohne Substanz. Obama irritierte das in keinster Weise. Und das wiederum imponierte den Konservativen. Dass der künftige 44. Präsident allerdings nur wenige Tage vor seiner Vereidigung Zeit für seine Kritiker hatte, entsetzte am nächsten Morgen dagegen viele Demokraten. „Hat denn keiner aus dem Obama-Team gelesen, was diese Leute während der Wahlkampagne geschrieben haben?“, empörte sich etwa der liberale Talkshow-Gastgeber John Batchelor. Und er war nicht der einzige.

Viel tiefere Enttäuschungen zu verdauen hat in diesen Tagen des Übergangs in Washington der scheidende Präsident. Nicht nur, dass sich sein einstiges publizistisches Gefolge noch vor der Amtsübergabe bereits den neuen Realitäten zuwendet. George W. Bush sah sich in den letzten Tagen seiner Amtszeit immer wieder kritischen Fragern oder schlichtem Desinteresse gegenüber.

Als Bush zu Wochenbeginn im „Brady Briefing Room“ zum letzten Mal dem Pressecorps des Weißen Hauses Rede und Antwort stand, mussten die letzten beiden der insgesamt nur sieben Sitzreihen gar mit Praktikanten gefüllt werden, damit die Optik nicht allzu kläglich wirkte. Und die Fragen, die Bush in den folgenden 45 Minuten gestellt wurden, ließen den Präsidenten nicht mehr aus der Defensive.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×