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27.02.2013

13:19 Uhr

Zentralbank als Euro-Ausputzer

Italien-Chaos setzt EZB unter Handlungsdruck

VonDietmar Neuerer

ExklusivDer Patt bei der Italien-Wahl könnte zu einem Risiko für die Stabilität der Euro-Zone werden. Dann müsste nach Ansicht von Ökonomen die EZB eingreifen. Doch für Italien ist Hilfe nur unter bestimmten Bedingungen möglich.

Notrufsäule vor der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main. dpa

Notrufsäule vor der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main.

BerlinFührende Ökonomen in Deutschland sehen nach dem Wahl-Patt in Italien die Europäische Zentralbank (EZB) in der Pflicht, notfalls den gemeinsamen Währungsraum zu stabilisieren. „Italien ist mehr denn je darauf angewiesen, dass die Europäische Zentralbank die Währungsunion mit einer Politik des billigen Geldes stabilisiert“, sagte der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, Handelsblatt Online.

Damit überlebe die Währungsunion zwar, allerdings zu dem Preis, dass sie sich schrittweise mehr und mehr zum Italien der 70er und 80er Jahre entwickle, „weshalb wir von einer italienischen Währungsunion sprechen“, fügte Krämer hinzu. „Langfristig drohen eine höhere Inflation, ein weicher Euro und weniger wirtschaftliche Dynamik.“

Gastbeitrag: „Italien hängt mehr denn je von der EZB ab“

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„Italien hängt mehr denn je von der EZB ab“

Die Mehrheit der Italiener hat eine Politik gewählt, die nicht an Reformen interessiert ist. Das wird das Land weiter zurückwerfen. Nur die Europäische Zentralbank kann jetzt noch helfen - mit schwerwiegenden Folgen.

Nach Einschätzung des Chefvolkswirts der DZ Bank, Stefan Bielmeier, ist mit dem Wahlergebnis in Italien die Eurokrise wieder in den Mittelpunkt gerückt. „Es zeigt sich damit, dass nur die EZB die notwendige Zeit für den Reformprozess geben kann, die Reformen selbst müssen aber die Länder selbst durchführen“, sagte Bielmeier Handelsblatt Online.

Die Verunsicherung der Investoren werde aber wohl nicht den Grad erreichen, den es im letzten Jahr gegeben habe. Das Staatsanleihen-Kaufprogramm der EZB dürfte eine solche Eskalation verhindern. „Jedoch eine schwache italienische Regierung und fehlende Fortschritte bei der strukturellen Verbesserung Italiens sollten den zuletzt vorhandenen Optimismus bezüglich der weiteren Entwicklung im Euroraum merklich dämpfen.“

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Zuletzt fiel der Euro und italienische Staatsanleihen gaben nach.

Der Mannheimer Wirtschaftsprofessor Hans-Peter Grüner hält es sogar für möglich, dass der Markt irgendwann die Reichweite der Versprechen der EZB testen werde. „Ein Eingreifen der EZB auf dem Markt für italienische Bonds setzt aber ein Programm des (Euro-Rettungsschirms) ESM für Italien voraus“, sagte Grüne Handelsblatt Online.

Nach den Plänen der EZB solle der Internationale Währungsfonds (IWF) bei der Überwachung eines solchen Programms beteiligt werden. „Europa kann über den ESM harte Bedingungen stellen und Italien so klar machen, dass es nicht gelingen wird, einen politischen Stillstand durch die EZB subventionieren zu lassen.“

Die Polarisierung der italienischen Politik sind nach Grüners Überzeugung das Kernproblem des Landes. „Eine Konsolidierungslösung, die die Last nicht nur auf Arbeitseinkommen sondern auch auf Kapitaleinkommen legt, könnte bessere politische Erfolgsaussichten haben“, sagte er.

Grüner deutete überdies an, dass ähnlich wie in Italien auch in Frankreich die Bemühungen, die eigenen Schuldenprobleme in den Griff zu bekommen, nicht von Erfolg gekrönt sein könnten. „Deutschland hat seit Ausbruch der Schuldenkrise darauf gesetzt, dass ein Entgegenkommen beim ESM, bei der Bankenunion und bei der Auslegung des Mandats der EZB mit dauerhaften Konsolidierungsanstrengungen belohnt wird“, sagte er.

Doch die Wahl in Italien habe gezeigt, dass diese Strategie dort nicht zum gewünschten Ziel geführt habe. „Die jüngsten Budgetprobleme in Frankreich sind ähnlich zu bewerten.“

Der Tag an den Märkten (Stand:16:00)

Dax

- 1,4 Prozent

Euro Stoxx 50

- 1,9 Prozent

Euro

+ 0,2 Prozent

Dow Jones

+ 0,8 Prozent

FTSE MIB (Italien)

- 3,5 Prozent

Gold

- 0,3 Prozent

Bundesanleihe

Rendite: 1,49 Prozent

10-jährige italienische Staatsanleihe

Rendite: 4,8 Prozent (Vortag: 4,48 Prozent)

Die Abstimmung in Italien hat praktisch ein politisches Patt ergeben. Das Mitte-Links-Bündnis des Politikers Luigi Bersani wurde im Abgeordnetenhaus knapp stärkste Kraft und erhält nach italienischem Wahlrecht die Mehrheit der Sitze. Im Senat hat kein Bündnis eine Mehrheit. Ex-Premier Silvio Berlusconi, der einem Mitte-Rechts-Bündnis vorsteht, will nach eigenen Worten über eine mögliche Zusammenarbeit mit dem Mitte-Links-Bündnis nachdenken.

Kommentare (16)

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aktionaer

26.02.2013, 13:31 Uhr

Danke liebes Italien, dass ihr so wunderbar gewählt habt.

Ich war in der letzten Zeit immer mehr ins SHORT gegangen und nun ist das offensichtlich voll bingo gewesen.

"Es ist einfach geil, wenn mein Plan aufgeht".

Account gelöscht!

26.02.2013, 13:41 Uhr

Logo! EZB (mal wieder) unter Druck. Wer setzt sie denn unter Druck??? Warum eigentlich ist nicht Italien, der Verursacher (einschließlich der übrgen PIGS), unter Druck????

EZB (mal wieder) als Retter für Banken und unfähige Staaten.

Immer zu Lasten der Sparer. Gerne etwas mehr Rettungsbillionen. Verdoppelung aller Pakete wäre angemessen. Die Sparer geben gerne.

Alles wird gut. Die Polit-Schranzen in der EZB werden es richten. Asmussen & Co. als Merkels Vertraute. Deutsche Bürger; insbesondere Sparer, werden dafür bluten.

Account gelöscht!

26.02.2013, 13:41 Uhr

"Der Patt bei der Italien-Wahl könnte zu einem Risiko für die Stabilität der Euro-Zone werden."
Bitte: für welche Stabilität der Euro-Zone?
"Dann müsste nach Ansicht von Ökonomen die EZB eingreifen."
Ist das etwa neu, dass gegen Gesetze und Verträge verstoßen wird?
"Doch für Italien ist Hilfe nur unter bestimmten Bedingungen möglich."
Wie bei den anderen Ländern auch schon... war da auch kein Problem

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