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04.02.2016

18:57 Uhr

Zika-Epidemie

Proteste gegen Brasiliens Präsidentin Rousseff

Kochtopfschlagen gegen Brasiliens Präsidentin – die verspricht einen großen Kampf gegen den Feind Nummer 1: eine kleine Mücke. Denn das für Schwangere wahrscheinlich gefährliche Zika-Virus breitet sich weiter aus.

Dilma Rousseff steht unter Druck. In vielen brasilianischen Städten protestierten die Bürger gegen die Präsidentin, der sie zu wenig Engagement im Kampf gegen das Zika-Virus vorwerfen. dpa

Brasiliens Präsidentin

Dilma Rousseff steht unter Druck. In vielen brasilianischen Städten protestierten die Bürger gegen die Präsidentin, der sie zu wenig Engagement im Kampf gegen das Zika-Virus vorwerfen.

Rio de JaneiroBrasiliens Staatspräsidentin Dilma Rousseff gerät wegen der Zika-Epidemie zunehmend unter Druck. Während einer Fernsehansprache mit der Mahnung zum gemeinsamen Kampf gegen die Zika übertragende Gelbfiebermücke (Aedes aegypti) gingen tausende Menschen in Städten wie São Paulo, Rio de Janeiro und Belo Horizonte auf ihre Balkone und verliehen ihrem Protest mit Kochtopfschlagen Ausdruck.

Das Virus hat sich von Brasilien aus in insgesamt 26 Länder verbreitet – es steht im Verdacht, bei einer Infizierung von Schwangeren schwere Schädelfehlbildungen bei ihren Babys auszulösen.

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Die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte am Montag den globalen Gesundheitsnotstand ausgerufen – in Brasilien könnten sich bis zu 1,5 Millionen Menschen infiziert haben – aber 80 Prozent merken dies nicht, da Zika bisher eher harmlos verlief: Leichte Kopfschmerzen, Rötungen und Kopfschmerzen können Symptome sein. Mit einem neuen Antikörper-Test eines deutschen Unternehmens will Brasilien die Diagnosefähigkeit stärken. Das Virus ist nachweislich auch durch ungeschütztem Geschlechtsverkehr übertragbar. Bestätigte Fälle von Schädelfehlbildungen gibt es in Brasilien seit Oktober bisher 404 – davon haben sich 17 Frauen während der Schwangerschaft mit Zika infiziert.

Rousseff kündigte für die Zeit nach dem Karneval eine „Megaoperation“ des Militärs an, sowie eine internationale Kraftanstrengung bei der Entwicklung eines Impfstoffes. Alle Bürger müssten helfen, die Eiablageplätze der Moskitos in stehenden Gewässer zu minimieren. „Wenn der Moskito nicht geboren wird, kann das Zika-Virus nicht weiterleben“, betonte Rousseff, deren Zustimmungswerte wegen einer tiefen politischen und wirtschaftlichen Krise nur noch bei zehn Prozent liegen.

Die Lufthansa teilte mit, dass einzelne Flugbegleiter, die in Zika-Gebiete fliegen sollten, von der Möglichkeit Gebrauch machten, von dem Flug zurückzutreten. Zahlen nannte sie nicht. Bei Air France können etwa Flugbegleiterinnen, die schwanger werden wollen, auf Einsätze bei Flügen in Zika-Gebiete verzichten. Allerdings sei bisher kein Fall bekannt, bei dem auf diese Möglichkeit zurückgegriffen wurde, sagte ein Sprecher.

Das Zika-Virus

Das Virus

Das Zika-Virus wurde erstmals 1947 bei einem Affen aus dem Zikawald im afrikanischen Uganda festgestellt. Es tauchte anschließend vereinzelt auch in Asien auf und wurde wiederholt bei heimkehrenden Touristen nachgewiesen.2007 wurde Zika im Pazifikraum (Mikronesien) festgestellt, einen größeren Ausbruch gab es 2013/2014 in Französisch-Polynesien.

Der Überträger

Das Zika-Virus wird durch Aedes-Stechmücken auf den Menschen übertragen. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch wurde bislang nicht beobachtet.

Der Ausbruch

Seit 2015 beobachten Mediziner einen massenhaften Ausbruch, der in Brasilien seinen Anfang nahm und inzwischen ganz Lateinamerika betrifft.

Die Symptome

Zu den klassischen Symptomen einer Zika-Virus-Infektion zählen Hautausschlag und leichtes Fieber, seltener Erbrechen und Kopfschmerzen. Infektionen verlaufen meist mild, der Hautausschlag klingt üblicherweise nach etwa einer Woche ab, die anderen Symptome früher.

Die Gefahr

Es besteht der Verdacht, dass Zika-Infektionen von Schwangeren zu Schädelfehlbildungen bei Neugeborenen führen können. In Brasilien wurden in den vergangenen Monaten rund 3900 Fälle der sogenannten Mikrozephalie registriert, eines zu kleinen Schädelvolumens bei Neugeborenen. In sechs Fällen hatten Schwangere sich mit Zika infiziert, bei Hunderten weiteren Fällen besteht ein entsprechender Verdacht.

Die Bekämpfung

Ein Impfstoff gegen das Virus existiert nicht, die Bekämpfung zielt daher auf den Überträger, die Aedes-Stechmücke. Mückenbekämpfungs-Programme wie jetzt Brasilien sind ein Weg, ein anderer ist der persönliche Schutz: Wer in Zika-gefährdete Regionen reist, sollte lange, bedeckende Kleidung tragen, freie Hautflächen mit Mückenschutzmitteln schützen und in mit Insektengittern gesicherten Räumen oder unter Moskitonetzen schlafen. Schwangeren rät das Auswärtige Amt inzwischen von Reisen in Gebiete mit aktuellen Zika-Ausbrüchen ab.

Die Staaten Zentralamerikas wollen mit einem Aktionsplan das Zika-Virus bekämpfen. Darauf einigten sich die Minister aus ganz Zentralamerika einschließlich Belize und Panama. Ziel sei es, Schwangere besser vor einer Infektion zu schützen, erklärte der guatemaltekische Gesundheitsminister, Alfonso Cabrera. Eine der vordringlichsten Maßnahmen sei das Ausräuchern der Brutstätten von Mücken, die das Virus übertragen können.

Einen definitiven Beweis, dass der Erreger für die sogenannte Mikrozephalie, das Aufwachsen mit zu kleinen Köpfen, verantwortlich ist, gibt es noch nicht. Das Virus, das 1947 im Zika-Wald in Uganda entdeckt worden war, hat sich in wenigen Monaten in großen Teilen Lateinamerikas ausgebreitet. Es gibt eine asiatische und afrikanische Variante – in Lateinamerika kommt der asiatische Typ vor, der vermutlich von Reisenden nach Brasilien eingeschleppt worden ist.

Von

dpa

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