Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.07.2012

21:54 Uhr

Zinsmanipulationen

Deutsche Bank gehört wohl zum harten Kern

Der „Financial Times“ zufolge gehörte die Deutsche Bank zum harten Kern eines Rings aus fünf Großbanken, die Zinsmeldungen manipuliert haben. Notenbank-Chefs wollen derweil das Zinssystem grundlegend überdenken.

US-Finanzminister Timothy Geithner verteidigte das Vorgehen der US-Behörden in der Libor-Affäre. AFP

US-Finanzminister Timothy Geithner verteidigte das Vorgehen der US-Behörden in der Libor-Affäre.

New YorkSeit dieser Woche ist bekannt, dass die Deutsche Bank in der Affäre um manipulierte Interbanken-Zinssätze eine Kronzeugenregelung beantragt und bewilligt bekommen hat. Einem Bericht der Online-Ausgabe der „Financial Times“ von Mittwochabend zufolge erfolgte der Schritt aus gutem Grund. Unter Führung des britischen Instituts Barclays habe ein Ring aus insgesamt fünf Großbanken existiert, die Zinsmanipulationen abgesprochen hätten. Neben Barclays gehörten dazu die Deutsche Bank, Crédit Agricole, HSBC und Société Générale.

Dem Blatt zufolge sind die Regulierungsbehörden auf Belege gestoßen, wonach sich Händler konkret abgesprochen hätten, den europäischen Zinssatz Euribor zu manipulieren. Neben dem Libor ist er der zweite maßgebliche Interbankenzins. Auf der Basis von Euribor und Libor berechnen sich Zinsen für Kredite und Kurse für Wertpapiere in Höhe eines dreistelligen Billionenbetrags.

Der Barclays-Händler habe die Geldmarkt- und Derivate-Spezialisten teilweise aus früheren Arbeitsverhältnissen oder über Berufsnetzwerke gekannt. Der genannte Händler der Deutschen Bank arbeitet ebenso wie die anderen Verdächtigen nicht mehr für die jeweiligen Geldhäuser. Der Barclays-Händler sei von 2005 bis 2007 für die Bank tätig gewesen. Einem Branchenblatt zufolge verließ der Deutsche Bank-Händler das Institut erst im Jahr 2012.

Dieser Fall der Zinsmanipulation hat nur indirekt mit den Vorwürfen wegen der Libor-Manipulationen zu tun. Letztere geschahen vor allem mit Beginn der durch faule US-Hypothekenpapiere ausgelösten Finanzkrise. Die US-Notenbank hatte ab Herbst 2007 Erkenntnisse über Libor-Manipulationen. Der damalige Chef der New Yorker Notenbank-Zweigstelle, Timothy Geithner, ist heute US-Finanzminister.

Deutsche Bank: Jain und Fitschen sparen sich Investmentbanker

Deutsche Bank

exklusivJain und Fitschen sparen sich Investmentbanker

Grund ist die schlechte Lage am Kapitalmarkt – und das Verhalten der Konkurrenz.

Er verteidigte gestern das Verhalten des Landes in der Zinsaffäre. Die amerikanischen Behörden hätten sehr früh auf Befürchtungen reagiert, dass die Festlegung des Referenzzinssatzes Libor beeinflusst werde oder anfällig für Fehlinterpretationen sei, sagte Geithner am Mittwoch bei einer Investorenkonferenz in New York.

Die Behörden hätten mit Nachdruck gehandelt, was nun Früchte trage. Der damalige Regionalchef und heutige US-Finanzminister hatte im Juni 2008 dem BoE-Chef Mervyn King in einer privaten E-Mail sechs Möglichkeiten nahegelegt, mit deren Hilfe die Glaubwürdigkeit des Libor-Satzes gestärkt werden sollte.

Kommentare (24)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

18.07.2012, 22:19 Uhr

Wenn in den letzten Jahren in der Finanzwirtschaft eine Sauerei abgelaufen ist: Die Deutsche Bank war immer mit von der Partie! Man muss schon sehr abgebrüht sein, um bei diesem Banksterverein noch Kunde sein zu können!

pedrobergerac

18.07.2012, 22:26 Uhr

das haut mich aber jetzt echt um. der ackermann, der hat doch immer so nett gelächelt.

Wutbuerger

18.07.2012, 22:27 Uhr

Zitat "Nach Auskunft eines Sprechers von Carney sollen Notenbanker ab dem 9. September bei einem Treffen in Basel über Reformen beraten."

Na dann schaun wir mal, ob Sojabohnen, Sojaöl, Lebendschwein, Magerrind, Erdöl, Erdnußbutter und/oder Gold höher gewichtet als werden als Telefonate.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×