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20.01.2012

13:49 Uhr

Zinspoker in Athen

Griechischer Schuldenschnitt nimmt Formen an

VonGerd Höhler

Ministerpräsident Lucas Papademos und IIF-Chef Charles Dallara setzen die Verhandlungen um den freiwilligen Schuldenschnitt bei einem weiteren Treffen fort. Eine Einigung mit den Privatgläubigern könnte kurz bevorstehen.

Privatanleger

Lohnt zocken mit griechischen Staatsanleihen?

Privatanleger: Lohnt zocken mit griechischen Staatsanleihen?

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AthenZittern bis zum Schluss: In den Verhandlungen über einen griechischen Schuldenschnitt zeichnete sich am Freitag ein möglicher Durchbruch ab. Der Internationale Bankenverband IIF bestätigte „Fortschritte“ bei den Gesprächen. Am Nachmittag wollten in Athen Ministerpräsident Lucas Papademos und IFF-Chef Charles Dallara zur Fortsetzung ihrer Spitzengespräche zusammen treffen. Vorher sollte noch eine Telefonkonferenz mit den Partnern in der Euro-Zone stattfinden, kündigte Finanzminister Evangelos Venizelos an. Für Freitagmittag war außerdem eine weltweite Telefonkonferenz mit Vertretern der Privatgläubiger geplant, hieß es in Athen. Das könnte darauf hindeuten, dass eine Einigung kurz bevorsteht.

Gepokert wird in dieser Phase der Verhandlungen vor allem um Kupon und Laufzeiten der neuen Anleihen, die Griechenlands Privatgläubiger im Tausch gegen die alten Papiere erhalten sollen. Vom Zins hängt für beide Seiten viel ab: Er entscheidet darüber, ob Griechenlands Staatsschulden nachhaltig finanzierbar werden und das Ziel erreichbar ist, den Schuldenstand von gegenwärtig 163 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung bis 2020 auf 120 Prozent zu drücken.

Für die privaten Gläubiger hängt von Kupon und Laufzeiten ab, wie hoch die tatsächlichen Verluste aus dem Schuldenschnitt sind. Sie dürften deutlich über den Forderungsverzicht von 50 Prozent hinausgehen und 60 Prozent oder mehr der ursprünglichen Anlagen ausmachen. Je niedriger der Zins, desto höher die Einbußen. Die Privatgläubiger pochen deshalb auf möglichst hohe Zinsen, während die Athener Regierung mit Blick auf die Schuldentragfähigkeit möglichst niedrige Zinsen anstrebt. Sie wird darin unterstützt von der EU und dem Internationalen Währungsfonds (IWF), die in die Verhandlungen eingebunden sind. Der IWF bestehe auf einem Zins von höchstens drei Prozent, sagen Personen, die mit den Verhandlungen vertraut sind.

Die Zustimmung des Fonds ist wichtig, weil er ein Drittel der neuen Hilfskredite für Griechenland beisteuern soll. Der Schuldenschnitt ist Voraussetzung für die Bewilligung weiterer Darlehen der Eurostaaten und des IWF. Nach seinen Statuten darf der IWF aber nur dann Hilfekredite ausleihen, wenn die Schuldentragfähigkeit des Schuldners gesichert ist.

Nach Angaben informierter Kreise schlägt der Bankenverband IIF jetzt einen variablen Zinssatz vor, der sich, je nach Laufzeit der Anleihen, zwischen drei und 4,5 Prozent bewegen soll. Der IIF soll auch vorgeschlagen haben, den Kupon in Relation zum Wirtschaftswachstum Griechenlands zu variieren.

Die Gläubiger Griechenlands (Stand: Januar 2012)

Kredite

Das Volumen der Kredite beläuft sich insgesamt auf 92 Milliarden und teilt sich folgendermaßen auf:

IWF: 20 Milliarden

Euro-Länder: 53 Milliarden

Sonstige: 19 Milliarden

Staatsanleihen

Gesamt: 260 Milliarden Euro, davon 55 Milliarden Euro bei der EZB

Bei griechischen Banken

40 Milliarden Euro (sollen umgeschuldet werden)

Bei anderen europäischen Banken

40 Milliarden Euro (sollen umgeschuldet werden)

Bei griechischen Sozialversicherungsfonds

30 Milliarden Euro (sollen umgeschuldet werden)

Bei europäischen Versicherungen

15 Milliarden Euro (sollen umgeschuldet werden)

Bei Fonds

Bei Investment-, Staats-, Pensions- und Hedgefonds sind es 70 Milliarden Euro (sollen umgeschuldet werden)

Kommentare (13)

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Account gelöscht!

20.01.2012, 13:08 Uhr

Die Politik weiß net mal was nächste Woche ist und will Prognosen bis 2020 abgeben das ich nicht lache.

Uns wird wieder was vorgelogen damit wir die Klappe halten. GR hat so ein Erpressungspotenzial das es sowieso alles bekommt was es will (bzw die Banken denen das Geld im Endeffekt zufließt).

Im Endeffekt geht es doch nur darum auf keinen Fall ein Kreditereignis auszulösen weil keiner weiß inwieweit Europäische Finanzinstitutionen CDS gebunkert haben bzw zur Zahlung verpflichtet sind wenn das Ereignis eintritt.

Und anstatt dieses treiben endlich mal zu regulieren treten wir seid 2 Jahren auf der Stelle.

Ich bin beileibe kein Verschwörungstheoretiker aber ich kann mir absolut nicht erklären warum die europäische Regierungselite nicht sieht was hier läuft. Sind die wirklich so ins Hirn geschi**** oder steckt da ein großer Plan dahinter.

Jeder der bis drei zählen kann weiß das GR ohne einen Schuldenschnitt der nahe der 100% liegt keine Chance hat wieder auf die eignen Beine zu kommen. Womöglich ist sogar dazu der Austritt aus der Euro-Zone nach dem Schnitt erforderlich.

Meinen die wirklich das sich die griechische Bevölkerung noch 2-3 Jahrzehnte ausplündern lässt um die Verschuldung um 30-40% zum BiP zu senken?
Ich kann mir das jedenfalls nicht vorstellen.

Was ich besonders gern sehen würde wäre das sich die deutschen Massenmedien etwas kritischer mit der Sache auseinander setzten würden.

NY Times Hedge Fonds haben vor GR zu verklagen wenn sie die Schulden nachträglich so abändern das sie gestrichen werden können.

http://www.nytimes.com/2012/01/19/business/global/hedge-funds-may-sue-greece-if-it-tries-to-force-loss.html?_r=1&scp=2&sq=hedge%20funds&st=cse

DMN griechische Sparmaßnahmen werden nur einseitig und halbherzig angepackt. Und das obwohl ihnen grade die Pistole auf die Brust gesetzt ist und der Hahn gespannt ist.

http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2012/01/36521/

Mahlzeit

20.01.2012, 13:36 Uhr

Gegen die Verantwortlichen jedes Unternehmens, das einen freiwilligen Verzicht zustimmt und dessen Aktien ich besitze, werde ich eine Strafanzeige wegen Untreue stellen. Entweder pleite oder 100 % Rückzahlung, aber nicht so ein Murks!

Bmehrens

20.01.2012, 13:37 Uhr

QKlapperklaus - Sie haben völlig Recht. Das PROBLEM ist, dass es nicht das EIGENE Geld der Politiker ist, sondern Steuergeld.

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