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19.01.2012

13:20 Uhr

Zinspoker

Was für die Banken auf dem Spiel steht

VonPeter Köhler, Christian Vits

Drei Prozent Zinsen, sechs Prozent - oder vielleicht doch eher vier? Darum geht es bei dem Streit zwischen Griechenland und den Banken. Denn sind die Zinsen am Ende zu niedrig, drohen den Banken neue Abschreibungen.

Bankentürme in London: Höhere Abschreibungen drohen. dpa

Bankentürme in London: Höhere Abschreibungen drohen.

FrankfurtFür die Banken geht es nicht mehr um die Höhe des Schuldenschnitts, sondern vor allem um die Zinsen, die Griechenland künftig für seine Kredite bezahlen muss. An dieser Stelle ist der Knackpunkt des Pokers, hier liegen die Forderungen der beteiligten Parteien weit auseinander. Während die Banken Zinssätze von rund sechs Prozent verlangten, wolle Griechenland höchstens drei Prozent zahlen, erfuhr das Handelsblatt aus Verhandlungskreisen. Medien spekulierten am Donnerstag, dass sich beide Parteien auf einen Kompromiss-Zinssatz von vier Prozent einigen könnten - eine offizielle Bestätigung dafür gibt es aber nicht.

Banken, Versicherungen, Versorgungskassen und Hedge-Fonds halten gut 200 Milliarden Euro an griechischen Staatsschulden. Davon entfallen 50 Milliarden Euro auf griechische Kreditinstitute und 40 Milliarden auf andere europäische Banken. Der Schuldenschnitt würde also rund 100 Milliarden Euro Entlastung für Hellas bedeuten.

Ein weiteres Problem der Verhandlungen ist die mittlerweile knapp gewordene Zeit für eine Einigung. Bis zum EU-Gipfel Ende Januar muss ein Ergebnis vorliegen, erst dann wollen die Staats- und Regierungschefs das zweite Griechenland-Paket über 130 Milliarden Euro freigeben. Athen braucht das Geld dringend, um im März Anleihen zu tilgen. Erschwert werden die Verhandlungen auch dadurch, dass ein großer Teil der griechischen Staatsanleihen nicht mehr in der Hand von Banken liegt, sondern beispielsweise bei Hedge-Fonds und Staatsfonds.

Die Gläubiger Griechenlands (Stand: Januar 2012)

Kredite

Das Volumen der Kredite beläuft sich insgesamt auf 92 Milliarden und teilt sich folgendermaßen auf:

IWF: 20 Milliarden

Euro-Länder: 53 Milliarden

Sonstige: 19 Milliarden

Staatsanleihen

Gesamt: 260 Milliarden Euro, davon 55 Milliarden Euro bei der EZB

Bei griechischen Banken

40 Milliarden Euro (sollen umgeschuldet werden)

Bei anderen europäischen Banken

40 Milliarden Euro (sollen umgeschuldet werden)

Bei griechischen Sozialversicherungsfonds

30 Milliarden Euro (sollen umgeschuldet werden)

Bei europäischen Versicherungen

15 Milliarden Euro (sollen umgeschuldet werden)

Bei Fonds

Bei Investment-, Staats-, Pensions- und Hedgefonds sind es 70 Milliarden Euro (sollen umgeschuldet werden)

Ob diese einer Lösung zustimmen und damit die erhoffte große Mehrheit von 90 Prozent zustande kommt, ist offen. Griechenlands Regierungschef Lucas Papademos hat vor der neuen Verhandlungsrunde gedroht, private Gläubiger notfalls per Gesetz zum Forderungsverzicht nach griechischem Recht zu zwingen. Falls keine Einigung zustande komme, könne das nicht ausgeschlossen werden, sagte Papademos der „New York Times“. Inwieweit dann auch Kleinanleger betroffen wären, hängt nach Einschätzung von Fachleuten von der genauen Ausgestaltung dieser „Collective Action Clause“ ab.

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