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25.08.2016

16:28 Uhr

Zivilschutzkonzept

S.O.S. – auch andere Länder planen den Notfall

Thomas de Maizière erntet Spott für seinen Zivilschutzplan und die empfohlenen Hamsterkäufe für den Notfall – auch im Ausland. Dabei haben auch andere Länder ein Zivilschutzkonzept in der Schublade. Ein Streiflicht.

Im Notfall haben viele Länder Anweisungen für die Bevölkerung.

Achtung!

Im Notfall haben viele Länder Anweisungen für die Bevölkerung.

Düsseldorf, London, Madrid, Moskau, StockholmThomas de Maizière kommt gerade nicht gut weg. Das liegt auch am Zivilschutzkonzept des Innenministers, jenem Plan für die Bevölkerung, falls Terror, Cyber-Attacken, Krieg oder anderer Notstand über Deutschland hereinbrechen sollte. Tatsächlich hatte de Maizière in den vergangenen Monaten immer wieder vor Anschlägen auch in Deutschland gewarnt. Am Mittwoch sprach er von möglichen Angriffen auf die Stromversorgung. Auch deshalb nun dieser Plan.

Er enthält einige Empfehlungen der Regierung, zum Beispiel die Versorgung mit Wasser, Nahrungsmitteln oder Medizin. Außerdem geht es um eine „minimale Daseinsvorsorge“ etwa bei der Bargeldversorgung. Spott zog sich der Innenminister vor allem durch die empfohlenen Hamsterkäufe zu – auch im Ausland.

Großbritannien

In Großbritannien spielt das Thema Sicherheit eine große Rolle. Auf den Straßen hängt an fast jeder Hausecke eine Überwachungskamera, auf dem Asphalt stehen Hinweise, in welche Richtung man beim Überqueren der Straße schauen muss und selbst in Privathäusern sucht man im Badezimmer vergeblich nach Steckdosen für den Föhn – aus Sicherheitsgründen.

Auch was das Thema Terrorismus angeht, sind die Briten Experten, nicht zuletzt, seitdem vier Selbstmordattentäter bei einer Anschlagserie in U-Bahnen und Bussen in London vor elf Jahren 52 Menschen getötet hatten. Aktuell ist die Bedrohungslage „sowohl durch internationalen Terrorismus, als auch durch Terrorismus in Bezug auf Irland ernst“, warnt die Regierung. Nach Einschätzung des britischen Geheimdienstes MI5 ist das Gefährdungsniveau auf Stufe 4 der bis 5 reichenden Skala. Das heißt, ein Angriff durch internationale Terroristen in Großbritannien „ist sehr wahrscheinlich“.

Für den Fall eines solchen Anschlags – oder anderer Notfallsituationen wie etwa Überschwemmungen – stehen den Briten auf Websiten der Regierung detaillierte Informationen zur Verfügung: Angaben zu notwendigen Versicherungen, die Empfehlung zur Erarbeitung eines individuellen Notfallplans, einer Kontaktliste und einer „Grabbeltasche“: Am besten ein Rollkoffer, den man beim Verlassen des Hauses schnell schnappen könne, so heißt es in den Anweisungen. Darin unter anderem: Erste-Hilfe-Ausrüstung, wichtige Dokumente, verschreibungspflichtige Medikamente, Kreditkarten, eine Taschenlampe, Starthilfekabel, einen Schlafsack, Decken sowie Getränke und Lebensmittel für drei Tage.

Eine konkrete Einkaufsliste ist nicht enthalten. Und im Gegensatz zu den deutschen Vorschlägen gibt es keine Hinweise darauf, dass man sich in seinem Zuhause verschanzen sollte. Der viel zitierte Spruch „My home is my castle“ gilt in Großbritannien offensichtlich nicht für den Notfall.

Kerstin Leitel, London

Kommentare (4)

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Frau Annette Bollmohr

25.08.2016, 17:01 Uhr

Im Falle eines Falles - egal welcher Art - wird es wohl mehr darauf ankommen, wie gut unser Zusammenhalt ist und wie sehr wir uns aufeinander verlassen können als darauf, wieviele Packungen Butterkekse und Dosenfisch wir gebunkert haben.

Und auf Dezentralisierung, d.h. darauf, dass lebensnotwendige Infrastrukturelemente (wenn es darauf ankommt) sowohl möglichst unabhängig (autonom) funktionsfähig sind, als auch räumlich möglichst breit gestreut.

Frau Annette Bollmohr

25.08.2016, 17:11 Uhr

Frau Annette Bollmohr, 25.08.2016, 17:01 Uhr, Ergänzung:

"... möglichst AUCH unabhängig (autonom) funktionsfähig ..."

Account gelöscht!

25.08.2016, 17:12 Uhr

Das Einzige was uns schützt ist, daß die Herrschaften diesmal mit in die Hölle fahren, von daher können sie sich den Dosenfisch sparen.

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