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11.11.2011

15:15 Uhr

Zoll-Schulden

Nokia-Werk in Rumänien beschlagnahmt

Das rumänische Finanzamt hat den Betrieb von Nokia in dem Land beschlagnahmt. Der finnische Handy-Hersteller habe Zollgebühren von 10 Millionen US-Dollar nicht bezahlt, teilte die Behörde in Bukarest mit.

Ein Rumäne steht vor dem Nokia-Werk in Cluj. dpa

Ein Rumäne steht vor dem Nokia-Werk in Cluj.

ClujNokia will seine Fabrik in Rumänien bis Jahresende schließen. Die Produktion am Standort Jucu war erst Anfang 2008 aufgenommen worden - im gleichen Jahr wurde dafür das Nokia-Werk Bochum geschlossen. Nokia habe in gesetzwidriger Weise Zollbefreiungen für den Import von Bestandteilen aus China, Taiwan und den USA in Anspruch genommen, erklärte der rumänische Zollchef Viorel Comanita. Die Finnen hätten fertige Teile wie etwa Handy-Ladegeräte importiert und diese wahrheitswidrig als Komponenten deklariert. Die Zollbefreiungen für Produkte aus Nicht-EU-Ländern gälten nach EU-Recht nur für den Import von Komponenten, die am Bestimmungsort in andere Geräte eingebaut werden, nicht aber für bereits gefertigte Teile, sagte Comanita.

Die Beschlagnahmung der Fabrik gefährde die laufende Produktion nicht, hieß es weiter. Sie erstrecke sich auf die Immobilien von Nokia, einschließlich Büros und Produktionshallen. Nokia hatte im Februar 2008 in Jucu nahe der siebenbürgischen Stadt Cluj mit der Produktion einfacher Handys begonnen und dazu dort eine Fabrik für 60 Millionen Euro gebaut. Der rumänische Staat lieferte im Gegenzug die Infrastruktur. Im September beschlossen die Finnen, im Zuge einer neuen Unternehmensstrategie die Produktion in Rumänien einzustellen. 2200 Beschäftigte in Jucu werden dadurch arbeitslos.

Von

dpa

Kommentare (2)

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HansMeiser

11.11.2011, 15:45 Uhr

Diese Geschichte ist symptomatisch für die wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse in Euro-Absurdistan. Das hätte kein Schriftsteller besser erfinden können.

gerhard

11.11.2011, 16:42 Uhr

Die Produktion am Standort Jucu war erst Anfang 2008 aufgenommen worden - im gleichen Jahr wurde dafür das Nokia-Werk Bochum geschlossen. Nokia hatte im Februar 2008 in Jucu nahe der siebenbürgischen Stadt Cluj mit der Produktion einfacher Handys begonnen und dazu dort eine Fabrik für 60 Millionen Euro gebaut. Der rumänische Staat lieferte im Gegenzug die Infrastruktur.(Zitate)


Auch in Bochum hatte man seinerzeit staatliche Mittel zur Infrastruktur von Nokia aufgewendet. Nokia hat jetzt endlich seine Quittung erhalten, weil es wohl „ nie genug bekommen konnte?“. Auch damals gingen in Bochum viele Arbeitsplätze verloren als das neu errichtete Werk plötzlich nach Rumänien verlegt wurde. Solche Firmen sollten immer mit großer Sorgfalt rechtzeitig beobachtet werden, bevor man die
Steuergelder „zum Fenster“ hinauswirft. Sicher sollte das genauer untersucht werden, ob nicht etwa Eurohilfsgelder aus Brüssel mit diesen „Werksverschiebungen“ am Ende „ verbuttert“ wurden??

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