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12.11.2012

11:04 Uhr

Zu Besuch in Portugal

Kanzlerin Merkel in einer Woge der Ablehnung

Der Protest gegen Kanzlerin Merkel in den Krisenstaaten wird immer heftiger. Dennoch wagt sie sich nun nach Spanien und Griechenland auch nach Portugal. Der Tenor ist derselbe: Für die Misere trägt sie die Verantwortung.

So empfingen Demonstranten Bundeskanzlerin Merkel bei ihrem Besuch in Athen. dpa

So empfingen Demonstranten Bundeskanzlerin Merkel bei ihrem Besuch in Athen.

Berlin/LissabonAngela Merkel hat Lissabon gut in Erinnerung. Im April 2010 musste die Kanzlerin auf ihrer Odyssee während einer Rückreise aus den USA in Portugals Hauptstadt einen ungeplanten Zwischenstopp einlegen. Die Aschewolke des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull hatte die Sicht versperrt; ein Direktflug nach Berlin war unmöglich.

Der damalige sozialistische Ministerpräsident José Sócrates holte die CDU-Chefin spontan vom Flughafen ab und empfing sie herzlich, was Merkel als sehr gastfreundlich empfand. Ihr Besuch am Montag in Lissabon stand unter sehr viel dunkleren Wolken als seinerzeit die der Vulkanasche.

Im April 2010 hatte wohl kaum jemand in Europa mit dem späteren dramatischen Ausmaß der Finanz- und Eurokrise gerechnet. Und Merkel galt noch nicht als die eiserne Kanzlerin, die den klammen europäischen Partnern wie Griechenland, Irland, Spanien, Portugal und auch Italien harte Sparkurse abverlangt.

Es ist Merkels erster offizieller Besuch in Portugal - und diesmal gilt sie dort nicht nur bei Intellektuellen und Künstlern als „unerwünschte Person“. Wie bei ihrem Besuch im Oktober in Athen protestieren viele Menschen gegen die Kanzlerin. Ein derartiges Ausmaß an Ablehnung eines Regierungschefs im Ausland hat Deutschland lange nicht erlebt.

Die größten Schuldenmacher in der Euro-Zone

Irland

Das höchste Defizit in der Euro-Zone hat Irland. Es beträgt 8,3 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Griechenland

Rund 7,3 Prozent beträgt das Haushaltsdefizit Griechenlands für 2012.

Spanien

Der Krisenstaat auf der Iberischen Halbinsel kommt auf ein Haushaltsdefizit von 6,9 Prozent.

Slowakei

Platz vier unter den größten Schuldensündern belegt mit einem Defizit von 4,8 Prozent die Slowakei.

Portugal

Knapp hinter der Slowakei reiht sich Portugal ein: Hier schlägt 2012 ein Defizit von 4,7 Prozent des Bruttosozialprodukts zu Buche.

Frankreich

Mit Hilfe von Steuererhöhungen und Einsparungen will Frankreich sein Haushaltsdefizit im nächsten Jahr eindämmen. Dieses Jahr beträgt es noch 4,5 Prozent.

Niederlande

Rund 20 Milliarden Euro müssten die Niederlande sparen, um ihr Defizit unter drei Prozent zu drücken. Derzeit liegt es bei 4,4 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Slowenien

Auch Slowenien ringt mit steigender Verschuldung und schrumpfendem Wirtschaftswachstum. Das Haushaltsdefizit liegt 2012 bei 4,3 Prozent.

Zypern

„Sparen, kürzen, streichen“: So lautet auch das Motto in Zypern. Das Haushaltsdefizit liegt 2012 bei 3,4 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Die Kritik wirkt so feindselig in Deutschland, dass FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle mahnte, Deutschland wisse sehr wohl, dass die Sparmaßnahmen nicht einfach seien und viele Portugiesen betreffe. Aber: „Europa und vor allem Deutschland stehen deswegen Portugal bei diesem Anpassungsprozess fest mit Hilfen zur Seite. Das sollten diejenigen wissen, die den Besuch von Bundeskanzlerin Merkel für unsachliche Kritik nutzen.“ Merkel will mit ihrem Besuch das Reformprogramm der Regierung unterstützen - insbesondere „die mutigen Schritte“ des konservativen Ministerpräsidenten Pedro Passos Coelho, heißt es im Kanzleramt.

Kommentare (15)

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Sarina

12.11.2012, 11:17 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

WernerR

12.11.2012, 11:30 Uhr

Wie war das mit "die EU und der Euro garantieren den Frieden in Europa"? So viel Feindseligkeit habe ich von dem Euro noch nicht erlebt. Warum nur hält die Politik an diesem kläglich gescheiterten Versuch einer gemeinsamen Währung fest, bis ganz Europa im Chaos versinkt?

Roger13

12.11.2012, 11:42 Uhr

Portugal ist wie Griechenland nur 4 Welt.Die Länder der 3 Welt können sich selbst über Wasser halten.Die Südstaaten waren nie für eine gemeinsame Währung geeignet.Deutschland sieht sich einem Wirtschaftkrieg ausgesetzt.Der Süden glaubt das" reiche" Deutschland könne alle durchfüttern.Eine Wunschvorstellung!!!Deutschland ist an seine Belastungsgrenzen gelangt.Wir erleben das Ende einer Epoche.Ein Wohlstand/Wirtschaftswachstum auf Pump ist nicht mehr möglich.Wer ein wenig über denn eigenen Tellerrand schaut ,sieht den Abgrund vor uns.Die sog.Demokratien in Europa werden alle untergehen.Aber auch die Nationalstaate werde in Bürgerkriegen zerfallen.

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