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29.10.2014

07:51 Uhr

Zu den Folgen der EU-Sanktionen

„Russisches Bankensystem massiv geschwächt“

ExklusivRusslands Banker klagen über Europas Politik. Die Sanktionen würden Russlands Finanzsystem massiv belasten, sagt der Vizechef der VEB-Bank. Schon jetzt sei ein Drittel der Geldinstitute vom Markt genommen worden.

Unter Druck: Russlands Banken spüren die Sanktionspolitik des Westens. ap

Unter Druck: Russlands Banken spüren die Sanktionspolitik des Westens.

SotschiAls Reaktion auf die EU-Sanktionen wächst für russische Banken die Summe notleidender Kredite und die Zahl der Banken sinkt. Das sagt Andrej Klepatsch, Vizechef der Vneshekonombank (VEB) Russland dem Handelsblatt (Mittwochausgabe). „Die Zahl der Institute wurde von 1.500 auf weniger als 1.000 verringert. Wer die Auflagen der Bankenaufsicht nicht erfüllt oder zweifelhafte Bargeldgeschäfte getätigt hat, wird vom Markt genommen.“

„Bisher hing die Refinanzierung unserer Banken stark vom Zufluss ausländischer Mittel ab. Elf Prozent der Finanzmittel der russischen Institute kamen über Kredite und Anleihen aus dem Ausland“, sagt Klepatsch. Durch die Sanktionen sei der Zufluss unterbrochen und das Bankensystem massiv geschwächt. Zudem beschränke eine Zurückzahlung von 20 Milliarden Dollar von bis zum Jahresende fälliger Kredite im Westen die Möglichkeit der Vergabe von Krediten in Russland.

Das sind die Sanktionen des Westens gegen Russland

Banken

Die EU erschwert den Zugang zu den EU-Finanzmärkten für russische Banken. Gilt für alle Banken mit einem staatlichen Anteil von mindestens 50 Prozent. Sie können auf den EU-Kapitalmärkten keine neuen Wertpapiere oder Aktien von russischen Unternehmen mehr verkaufen.

In den USA fallen drei weitere Banken im russischen Staatsbesitz unter die Strafmaßnahmen, damit sind es nun fünf von sechs: Die Bank von Moskau, die Russische Landwirtschaftsbank und die VTB Bank kamen hinzu. Ihnen wird der Zugang zu mittel- und langfristiger Dollarfinanzierung für Russland erschwert. Sie dürfen aber weiter in den USA operieren.

Waffen

Die EU verbietet künftige Rüstungslieferungen. Betroffen sind alle Güter, die auf einer entsprechenden Liste der EU stehen. Gilt nicht für bereits unterzeichnete Verträge, also auch nicht für die Lieferung von zwei französischen Hubschrauberträgern im Wert von 1,2 Milliarden Euro an Russland.

In den USA wurde die United Shipbuilding Corporation (größtes russisches Schiffsbau-Unternehmen) zu den bislang acht auf der Sanktionsliste stehenden Firmen im Verteidigungssektor ergänzt. Die Unternehmen dürfen nicht mehr das US-Finanzsystem nutzen oder mit amerikanischen Bürgern Geschäfte machen.

Technologie

Die EU verbietet den Export von bestimmten Hochtechnologiegütern an das Militär. Gilt beispielsweise für Verschlüsselungssysteme sowie für Hochleistungscomputer.

Energie

Die EU untersagt die Ausfuhr für Spezialtechnik zur Ölförderung. Zielt auf Geräte, die für Ölbohrung und -förderung beispielsweise in der Arktis gebraucht werden.

Auch in den USA gelten für Unternehmen aus der Ölbranche eingeschränkte Importmöglichkeiten für Technik zur Erschließung von Ölquellen in tiefen Gewässern, vor der arktischen Küste oder in Schiefergestein. Die aktuelle Energieproduktion werde damit aber nicht beeinträchtigt.

Die Sanktionen seien eine große Gefahr für das Wachstum der VEB Bank, da sie auf ausländische Kredite angewiesen sei. Auch die Kooperation der VEB mit der deutschen KfW zur Förderung des russischen Mittelstands sei eingefroren. „Die Sanktionen zerstören diese sinnvolle Zusammenarbeit. Und wir lernen daraus unsere Lektionen für die Zukunft“, sagt Klepatsch. Sie können sich auf eine Zusammenarbeit mit der EU in diesen Bereichen nicht verlassen. „Die EU-Sanktionen schaden so auch dem Mittelstand“, erklärt er.

Andrej Klepatsch ist seit Ende Juli der Vizechef der Vneshekonombank (VEB), Russlands staatlicher Förder- und Außenwirtschaftsbank. Zuvor war der 55-Jährige Vizewirtschaftsminister. Der promovierte Ökonom gilt als exzellenter Experte der russischen Politik und Wirtschaft.

Von

mbr

Kommentare (47)

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Herr Uwe Reissner

29.10.2014, 08:04 Uhr

Es ist ein Stesstest. Und was sie nicht umbringt macht sie hart.

Frau Helga Trauen

29.10.2014, 09:10 Uhr

Die Russische Förderation soll vollständig zerstört werden. Wegen Putin? Wer das glaubt, ist im Oberstübchen falsch verdrahtet! Die Gründe können bei Brzezinski und Wolfowitz nachgelesen werden!

Herr Thomas Albers

29.10.2014, 09:25 Uhr

Schon der erste Satz ist russische Propaganda. Russland soll sich aus der Ukraine zurückziehen. Dann werden auch die Sanktionen gelockert. Wenn Putin der Meinung ist, sein Land dadurch in den Abgrund reißen zu müssen, hat das nichts mit Wolfowitz, sondern mit Putin und seiner Dummheit zu tun.

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