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10.10.2011

15:42 Uhr

Zuckerbrot und Peitsche

Wie Arabien die Rebellion zu verhindern sucht

VonMathias Brüggmann

Erst Nordafrika, dann die Öl-Staaten: An immer mehr Orten der arabischen Halbinsel macht sich die Rebellion breit. Das saudische Regime will mit „eiserner Faust“ dagegen halten. Neben der Peitsche gibt es aber auch Zuckerbrot.

Saudi-Arabiens Herrscher König Adullah ibn Abd al-Aziz Al Saud. Reuters

Saudi-Arabiens Herrscher König Adullah ibn Abd al-Aziz Al Saud.

BerlinSchneller kam die politische Reaktionen auf die Vergabe eines Friedensnobelpreises noch nie: Er werde nun doch „in den nächsten Tagen“ als Staatschef zurücktreten, kündigte Jemens seit 33 Jahren brutal herrschender Präsident Ali Abdullah Saleh in einer vom Fernsehen übertragenen Rede an – nur einen Tag, nachdem die jemenitische Oppositions-Politikerin Tawakul Karman am Freitag gemeinsam mit zwei Afrikanerinnen den Friedensnobelpreis zuerkannt bekommen hatte.

Ob Saleh diesmal tatsächlich abdankt oder nur noch gewalttätiger Oppositions-Proteste niederkartätschen lässt, ist Beobachtern in Sanaa noch nicht klar. Auch Saudi-Arabiens König Abdullah ibn Abd al-Aziz Al Saud hat Saleh, den er nach einem lebensgefährlichen Attentat zur medizinischen Behandlung in ein saudisches Krankenhaus fliegen ließ, erneut zum Rücktritt aufgerufen. Die Saudis suchen seit längerem mit den fünf anderen Staaten des Golf-Kooperationsrats (GCC) nach einem friedlichen Kompromiss für Jemen.

Im eigenen Land wird König Abdullah indes immer mehr zum Bannerträger der arabischen Gegenrevolution: Mit einer Politik von Zuckerbrot und Peitsche versucht er, den arabischen Frühling nicht auch in den Petro-Staaten Fuß fassen zu lassen. Dabei rumort es inzwischen an immer mehr Orten der arabischen Halbinsel.

Zuletzt kam es bei Schießereien und Brandbombenwürfen in der Al-Qatif-Provinz im ölreichen Osten Saudi-Arabiens zu mindestens 14 Toten, darunter angeblich neun Polizisten. Die Truppen des Herrschers der wichtigsten Vormacht der Sunniten hatten versucht, Teilnehmer an Protestaktionen der schiitischen Minderheit zu verhaften. Mit „eiserner Faust“, so das saudische Innenministerium, werde das Regime reagieren.

Die Proteste der schiitischen Minderheit in der Ölprovinz gegen soziale Benachteiligung sind gefährlich: Denn im benachbarten Bahrain, das mit einer gewaltigen Brücke an Saudi–Arabien angebundenen ist, knüppelt das sunnitische Herrscherhaus der Al-Khalifas die dortigen Demonstrationen der schiitischen Bevölkerungsmehrheit brutal nieder. Bei der Niederschlagung halfen Truppen des Golf-Kooperationsrats. Jetzt lässt das sunnitische Königshaus die schiitische Opposition mit drakonischen Haftstrafen aburteilen.

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