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01.01.2011

12:28 Uhr

Zum neuen Jahr

Estland bekommt den Euro, Ungarn übernimmt EU-Vorsitz

Doppelte Freude in Estland: Das baltische Land, Musterknabe der Wirtschaftspolitik, hat zum neuen Jahr den Euro eingeführt. Außerdem: Ungarn übernimmt die EU- Ratspräsidentschaft, Deutschland zieht in den UN-Sicherheitsrat ein.

Estlands Premierminister Andrus Ansip: Freude über den Euro. dpa

Estlands Premierminister Andrus Ansip: Freude über den Euro.

HB TALLINN/BRÜSSEL/BUDAPEST/NEW YORK. Estland hat als 17. Land den Euro eingeführt - mitten in der europäischen Schuldenkrise. Estland ist das dritte unter den neuen ost- und zentraleuropäischen Mitgliedern der Europäischen Union, das die Gemeinschaftswährung übernimmt. Zuvor hatten Slowenien und die Slowakei dieses Ziel erreicht. Die Währungsumstellung verlief ohne Schwierigkeiten, wie die Zentralbank am Samstag in der Hauptstadt Tallinn mitteilte.

Um Mitternacht wurde das baltische Land mit 1,3 Millionen Bürgern, das der Europäischen Union seit 2004 angehört, das 17. Euro-Land - als erste frühere Sowjetrepublik. In Tallinn wurde auch der Euro- Start mit einem Feuerwerk gefeiert. Endgültig grünes Licht für die Einführung der EU-Währung in Estland hatten die Staats- und Regierungschefs bei einem Gipfeltreffen im Juni in Brüssel gegeben. Insgesamt leben nun in der Eurozone 330 Millionen Menschen.

Kurz nach Mitternacht hob Ministerpräsident Andrus Ansip erstmals Euro-Banknoten an einem Geldautomaten ab. Umgeben von Journalisten zog er 20 Euro. "Dies ist eine kleine Summe für die Eurozone, aber ein großer Schritt für Estland", sagte Ansip. Die Euro-Einführung bestätige den Status Estlands als europäische Nation.

Estland erfüllt im Gegensatz zu seinen Nachbarn Lettland und Litauen die Beitrittsbedingungen mit einem annähernd ausgeglichenen Staatshaushalt und geringen öffentlichen Schulden. In seiner Neujahrsansprache zollte Präsident Toomas Hendrik Ilves seinen Bürgern daher Anerkennung, selbst in der Schuldenkrise Europas die Bedingungen zu erfüllen.

Ungeachtet der Turbulenzen an den Märkten für Staatsanleihen der hoch verschuldeten Euro-Staaten warb Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) für die Gemeinschaftswährung. "Der Euro ist ja weit mehr als eine Währung", sagte sie in ihrer Neujahrsansprache. Der Euro sei die Grundlage für den Wohlstand im Land, betonte die CDU-Vorsitzende, die sich ausdrücklich zur europäischen Idee bekannte. "Das vereinte Europa ist der Garant für unseren Frieden und Freiheit."

EU-Währungskommissar Olli Rehn nannte den Euro-Beitritt Estlands schon am Freitag eine "gerechte Belohnung für ein Land, das sich einer soliden Haushaltspolitik verschrieben hat". Der Euro werde der estnischen Wirtschaft Stabilität und Wohlstand geben.

Direkt nach der Umstellung berichteten Händler von Störungen in Registrierkassen. Die estnische Krone soll bis Mitte Januar parallel in den Geschäften als Zahlungsmittel akzeptiert werden.

Kommentare (3)

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Rechtsbrecher

01.01.2011, 14:35 Uhr

Der Euro als Grundlage unseres Wohlstandes???? Hat Merkel zu tief in's Champagner-Glas geblickt?

Für die deutsche Normalbevölkerung hat sich seit Einführung des Euros mehr verschlechtert als verbessert! Der Euro ist ein Teuro und wird zum Feuro! Welche Eliten bei den Esten wollten wohl unbedingt diesen Vereinigten Pleitestaaten Europas beitreten? Die dortige bevölkerung wird es mit Sicherheit bereuen. Denn auch in Estland wird der Euro zum Teuro werden. Die dortige bevölkerung verdient im Durchschnitt gerade mal 800,- Euro/Monat. Wenn sich die Preise dann an unsere angleichen, ist Schluss mit der Freude am Euro.

Merkel und Sarkozy bemühen sich schon, den Euro per "Glauben" am Leben zu halten. Das wird mit Sicherheit nicht gelingen. Eine Währung muss von mehr getragen werden als vom "Glauben".

Ohne Transferunion, welche laut den Verträgen von Maastricht und Lissabon verboten ist, würde es uns besser gehen. Politiker brechen das Recht, wie sie es gerade brauchen!!! Wenn dagegen ein "Normalbürger" 5,- Euro Steuern hinterzieht gibt es Ärger. Aber die Damen und Herren der Politelite hinterziehen unsere Steuergelder um sie an banken und Großkonzerne umzuleiten, ohne das sie Gefahr laufen, vor den Kadi zu müssen.

Diese Politik widert mich nur noch an!!! Wann wacht endlich die Masse der Menschen auf? Wann feuern wir diesen Euro endlich in die Geschichte???

Micha

01.01.2011, 15:33 Uhr

Wird Estland wohl ein Netto-Zahler oder ein Netto-Empfänger der EU? Allein die Antwort auf diese Frage zeigt die wahren interessen der Esten!
Wenn die Esten Netto-Zahler der EU werden, dann hier mein "mea culpa". Vermutlich werden sie aber wie alle beitrittsländer zuerst einmal Geld sehen wollen...
im Sinne der EU erhalten sie dann vom Deutschen Steuerzahler finanzierte Zuschüsse, Förderungen,... um dann damit teilweise wieder bei uns einkaufen zu können. Dieses Argument der EU-befürworter hat einen riesen bart und ist eine Milchmädchenrechnung par excellence...

Erich Lienhart

14.01.2011, 21:59 Uhr

Leserbr

Die Freude von EU – Kommissionpräsident barroso über die Einführung des Euro ist verständlich. Der beitritt eines Landes mit nahezu augeglichenem Haushalt zur Euro -Zone ist schon eine Sensation. Wäre Estland nicht gar so klein ( 1,3 Millionen
Einwohner), könnte er den Anschein erwecken, daß für die mittlerweilein in arge Schieflage gekommene, ursprünglich hochgepriesene Gemeinschaftswährung Rettung naht. Viele Esten befürchten jedoch umgekehrt, daß sie für die verfehlte Finanz- und bankenpolitik vieler EU- Staaten nun in Mithaftung genommen werden. Daher hält sich die begeisterung für die Euro- Einführung in Grenzen. Nicht so gut wäre es um die Währungsunion bestellt, sollten die Esten ihren Schritt bereits nach kurzer Zeit bereuen. Das würde andere potentielle beitrittskandidaten abschrecken und die Staatsverdrossenheit auch in Estland befeuern. Da es für Defizitsünder EU-
weit keine geregelten Haftungs- und Austrittskriterien gibt, wird die Skepsis wohl weiterhin überwiegen.

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