Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.07.2011

14:30 Uhr

Zum Rapport einbestellt

Italiens Finanzaufsicht knöpft sich Ratingriesen vor

Die Politik macht ernst mit ihren wüsten Drohungen gegen Ratingagenturen: In Italien müssen erstmals Vertreter von großen Agenturen vor der Börsenaufsicht erklären, wie sie zu ihren Bewertungen kommen.

Das Bürogebäude der amerikanischen Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) in New York. Quelle: dpa

Das Bürogebäude der amerikanischen Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) in New York.

Die italienische Börsenaufsicht Consob nimmt die Ratingagenturen Standard & Poor's (S&P) und Moody's unter die Lupe. Am Freitag müssen sich Spitzenvertreter von Moody's zu ihrer Stellungnahme vom 23. Juni äußern, in der 16 italienische Banken mit einer Herabstufung ihres Ratings gedroht wird, wie italienische Medien am Dienstagabend berichteten. Am Montag hatte die Consob bereits Vertreter der US-Ratingagentur S&P zur Rede gestellt. Der italienischen Finanzaufsicht sei es dabei um die schnelle Kritik von S&P an dem jüngsten Sparpaket der Regierung von Silvio Berlusconi gegangen.

Das Kabinett in Rom hatte am vergangenen Donnerstagabend ein Sparpaket über rund 47 Milliarden Euro beschlossen. Bereits am Freitagnachmittag erklärte S&P das Vorhaben für unzureichend. Laut Medienberichten kritisiert die Consob den frühen Zeitpunkt der Kritik als auch deren „Oberflächlichkeit“. So seien viele Details der Sparmaßnahmen noch gar nicht bekanntgewesen - abgesehen von Indiskretionen der Medien.

„Ich halte die Ratingagenturen schon seit langem für eine große Gefahr wegen ihrer unzähligen Interessenkonflikte, wegen ihrer undurchsichtigen Arbeitsmethoden, wegen unzähliger von ihnen begangener Fehler und weil sie nicht unabhängig sind“, erklärte Consob-Präsident Giuseppe Vegas gegenüber italienischen Medien. Die Consob habe gut daran getan, die Agenturen nach Rom zu bestellen wegen eines „absolut inakzeptablen Verhaltens“, so Vegas.

Mit dem Vorgehen der Consob macht Italien von den erst im vergangenen Jahr in Kraft getretenen Möglichkeiten zur schärferen Überwachung von Ratingagenturen Gebrauch. Am Montag soll der Fall auf dem Tisch der europäischen Aufsichtsbehörde Esma in Paris landen. Sie war von der EU nach der Finanzkrise zusammen mit der Banken-Aufsicht EBA und der Versicherungsaufsicht Eiopa gegründet worden.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble machte sich unterdessen nach dem harten Moody's-Urteil für Portugal für Konsequenzen stark. Die Herabstufung des hoch verschuldeten Landes sei sachlich nicht begründet, sagte Schäuble und fügte hinzu: „Wir müssen den Einfluss der Rating-Agenturen begrenzen.“ Das Oligopol von Moody's, Fitch und Standard & Poor's müsse gebrochen werden.

Die Bundesregierung sei von der Herabstufung genauso überrascht worden wie viele andere Akteure auch, sagte Schäuble. Portugal sei bei der Umsetzung des von der EU und dem Internationalen Währungsfonds gefordertem Sparpakets auf Kurs und sei dem Zeitplan sogar voraus. Moody's hatte am Dienstag die Kreditwürdigkeit des Landes um vier Stufen auf „Ba2“ heruntergestuft und den Ausblick auf „negativ“ gesetzt. Portugal ist im Frühjahr unter den Rettungsschirm von EU und IWF geschlüpft und bekommt 78 Milliarden Euro über drei Jahre.

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Rainer_J

06.07.2011, 14:49 Uhr

Jetzt könnte es interessant werden. Italien übt politisch Druck auf die Ratingagenturen aus, die ja politisch unabhängig sind.

Hat Italien Angst vor einer Abwertung?

Account gelöscht!

06.07.2011, 14:54 Uhr

2 Billionen Euro Schulden, keine Rohstoffe, keine bedeutenden Wirtschaftszweige und den Aufstand proben.

Hahahaaaaaa !
.

anaconda

06.07.2011, 15:27 Uhr

na klar hätten es die verschwenderischen und unfähigen Politiker gerne,dass die Ratingagenturen nach ihrer Pfeife tanzen,damit sie so weiter wirtschaften können wie bisher.Doch daraus wird nichts,die wahrheit kann man nicht auf dauer verschweigen.Pleite ist pleite, mit oder ohne Agenturen.Es gibt auch noch Internet oder will Herr Schäuble das auch zensieren und manipulieren ?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×