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06.12.2013

06:00 Uhr

Zum Tod von Nelson Mandela

„Wer Hass verspürt, der kann nie frei sein“

VonWolfgang Drechsler

Einer der größten Revolutionäre des 20. Jahrhunderts ist tot. Der Freiheitskämpfer Nelson Mandela schaffte, was kaum einer für möglich gehalten hatte: Er machte den Apartheitsstaat Südafrika zu einem freien Land.

Der Freiheitskämpfer und frühere südafrikanische Präsident Nelson Mandela ist im Alter von 94 Jahren verstorben. Reuters

Der Freiheitskämpfer und frühere südafrikanische Präsident Nelson Mandela ist im Alter von 94 Jahren verstorben.

KapstadtUnter Kindern fühlte er sich stets besonders wohl. Wie wohl, zeigten die Pressekonferenzen, die Nelson Mandela, damals noch als Präsident von Südafrika, in seinen Amtsjahren oft auf den Stufen vor seinem Kapstädter Amtssitzes abhielt, gleich neben einem stark frequentierten Fußweg.

Für gewöhnlich endete das offizielle Prozedere mit dem jeweiligen Staatsgast immer dann, wenn Mandela am Zaun eine Gruppe von Schülern entdeckte und schnurstracks zum Händeschütteln hinüberlief – seinen Besucher aber auch dessen entsetztes Sicherheitspersonal im Schlepptau. Mit Vorliebe ließ er die begeisterten Schüler bei solchen Anlässen wissen, wie sehr er sich freue, sie treffen zu dürfen. Auch die Frage nach den Berufswünschen, die Mandela stets mit einem wohlwollenden Kopfnicken quittierte, stand ganz obenan.

Vermutlich speist sich Mandelas tiefe Liebe zu Kindern aus seinen einsamen Jahren auf der Sträflingsinsel Robben Island, wo ihm lange Zeit alle Kontaktbesuche verwehrt waren, selbst die Berührung von Kindern. Christo Brand, der damals als Wächter auf der Insel arbeitete, erzählte später wie er Mandela nur ein einziges Mal weinen sah – aus Verzweiflung darüber, dass er seinen von Ehefrau Winnie mitgebrachten kleinen Enkel nicht halten durfte. Mit einem Trick gelang es Brand schließlich doch, dass Mandela das Baby zumindest kurz in den Arm nehmen konnte.

Nelson Mandela - Stationen seines Lebens

8. Juli 1918:

Nelson Rolihlahla („Der Schwierige“) Mandela wird als Mitglied der Tembu-Königsfamilie des Xhosa-Volkes bei Umtata im Südwesten des Landes geboren.

1938:

Er beginnt sein Jurastudium an der Universität für Farbige in Fort Hare. Es folgen die Universitäten von Witwatersrand und Pretoria, wo er 1942 sein Studium abschließt.

1944:

Mandela schließt sich der schwarzen Widerstandsbewegung gegen die südafrikanische Apartheidpolitik an und wird Mitglied des Afrikanischen Nationalkongresses (ANC).

1952:

Er eröffnet das erste schwarze Anwaltsbüro in Johannesburg und führt eine gewaltlose landesweite Kampagne gegen die sogenannten Rassentrennungsgesetze.

1956:

Mandela steht erstmals wegen Hochverrats vor Gericht, wird aber freigesprochen.

1961:

Nach dem Verbot des ANC gründet Mandela die militante Gruppe Speer der Nation („Umkhonto we Sizwe“).

August 1962:

Mandela wird erneut verhaftet. In dem folgenden Prozess werden ihm als Hauptangeklagten mehr als 150 Sabotageakte angelastet.

Juni 1964:

Mandela wird wegen der Vorbereitung eines bewaffneten Aufstands als Hochverräter zu lebenslanger Haft verurteilt.

11. Februar 1990:

Mandela wird nach 27 Jahren aus der Haft entlassen. 17 Jahre davon saß er mit der Häftlingsnummer 466/64 auf der berüchtigten Gefängnisinsel Robben Island ein.

1993:

Mandela und der südafrikanische Regierungschef Willem de Klerk werden gemeinsam mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

9. Mai 1994:

Der einstige politische Häftling geht als Sieger aus den ersten freien Wahlen nach Ende der Trennung zwischen Schwarzen und Weißen hervor und wird von der Nationalversammlung zum Staatspräsidenten gewählt.

Dezember 1997:

Thabo Mbeki löst Mandela als ANC-Präsident ab.

14. Juni 1999:

Mbeki wird als Nachfolger Mandelas vom südafrikanischen Parlament zum Staatspräsidenten gewählt. Mandela zieht sich aus der aktiven Politik zurück, tritt national und international aber weiterhin als moralische Instanz und Vermittler in Erscheinung.

Juni 2004:

Der 85-Jährige betont, sich endgültig aus dem öffentlichen Leben heraushalten zu wollen.

Juni 2010:

Letztes öffentliches Erscheinen Mandelas zur Abschlussfeier der Fußball-Weltmeisterschaft in Johannesburg.

„Er küsste den Kleinen, schmiegte ihn fest an sich – und musste doch gleich wieder von ihm lassen. Tränen liefen ihm übers Gesicht“, erzählt Brand.

Kein Wunder, dass die Journalistin Charlene Smith, die eines von Dutzenden Büchern über Mandela schrieb, zur Erklärung der tiefen Zuneigung seines Landes für Mandela einen Kindervergleich bemüht: „Südafrika war eine Nation misshandelter Kinder“, schreibt sie. „Er kam aus dem Nichts - und liebte uns alle.“

Gestern Abend ist Südafrikas großer Versöhner im Alter von 95 Jahren um 20.50 Uhr südafrikanischer Zeit (19.50 dt. Zeit) in seinem Wohnhaus im Johannesburger Vorort Houghton im Kreise seiner Familie friedlich eingeschlafen – der Mann, der 27 Jahre seines Lebens im Gefängnis saß und dennoch keinen Gedanken an Rache verschwendete. „Wer Hass verspürt, der kann nie frei sein“, sagte Mandela kurz nach der Freilassung aus der Haft im Februar 1990 - und kleidete sein Lebensmotto damit in Worte. Präsident Jacob Zuma hatte die Todesnachricht um kurz vor Mitternacht im südafrikanischen Fernsehen offiziell bekannt gegeben.

Kommentare (9)

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Account gelöscht!

06.12.2013, 08:32 Uhr

Danke, daß es Dich gab.

Freidenker

06.12.2013, 09:02 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Beobachter

06.12.2013, 09:14 Uhr

@Freidenker

Ich hab's an anderer Stelle schon einmal gesagt :

Mit dem Frei-Denken scheint es bei ihnen nur selten bis gar nicht zu klappen. Suchen sie sich einen anderen Namen, ohne das Wort DENKEN !

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