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31.03.2017

18:29 Uhr

Zuma entlässt Finanzminister

„Kein Investor wird Südafrika noch trauen“

VonWolfgang Drechsler

In Südafrika hat der umstrittene Präsident Jacob Zuma den Finanzminister Pravin Gordhan entlassen. Dieser war sehr beliebt und galt als Garant für die Stabilität der Landeswährung Rand. Zuma könnte nun unter Druck geraten.

Die Reputation des entlassenen Finanzministers reichte über Südafrika hinaus. Reuters, Sascha Rheker

Pravin Gordhan (Mitte)

Die Reputation des entlassenen Finanzministers reichte über Südafrika hinaus.

In Südafrika ist ein monatelanger Machtkampf zwischen Präsident Jacob Zuma und seinem Finanzminister Pravin Gordhan am späten Donnerstagabend mit der Entlassung des weithin geschätzten Ministers und einer weitreichenden Kabinettsumbildung zu Ende gegangen. Der gegen Mitternacht von Zuma verkündete, dramatische Schritt dürfte der bereits schwer angeschlagenen Wirtschaft am Kap schweren Schaden zufügen, den regierenden Afrikanischen Nationalkongress (ANC) weiter spalten und Zuma angesichts der zunehmenden Opposition aus den eigenen Reihen noch mehr unter Druck bringen.

Die ersten Opfer der zermürbenden Auseinandersetzung, die in der südafrikanischen Wirtschaft tiefe Unsicherheit verbreitet hat, sind nun jedoch zunächst einmal der als Stabilitätsgarant betrachtete Finanzminister und die Landeswährung Rand. Die Währung hatte gleich im Anschluss an die Entlassung Gordhans am Donnerstagabend mehr als 5 Prozent an Wert verloren, sich aber am Freitag zunächst stabilisiert. Viele Investoren befürchten, dass der von mehreren Korruptionsskandalen geplagte Zuma nach der Übernahme wichtiger staatlicher Institutionen wie der Strafverfolgungsbehörden und der Polizei nun auch Zugriff auf die bislang von Gordhan geschützte Staatskasse erlangt – und auch diese Institution damit nachhaltig unterminiert.

Der für seine Integrität bekannte Gordhan hatte sich hingegen für geringe Staatsausgaben eingesetzt und gleichzeitig einen einsamen Kampf gegen die aus dem Ruder gelaufene Korruption am Kap geführt. „Kein einziger Investor wird Südafrika jetzt noch trauen“ schreibt der langjährige Kommentator Mike Schussler vom Beratungsdienst Economists.co.za in einer ersten Stellungnahme. „Unsere Reputation ist zerstört – und wir verlieren völlig die Orientierung.“

Südafrikas umstrittener Präsident Jacob Zuma klammert sich mit allen Mitteln an die Macht. Seinem Land tut das nicht gut. Reuters, Sascha Rheker

Jacob Zuma

Südafrikas umstrittener Präsident Jacob Zuma klammert sich mit allen Mitteln an die Macht. Seinem Land tut das nicht gut.

Begonnen hatte das Drama zu Wochenbeginn, als Zuma seinen daheim und im Ausland geachteten Finanzminister Knall auf Fall von einer Werbetour bei Fondsmanagern in Großbritannien zurückbeordert und damit einen ersten Einbruch der Landeswährung ausgelöst hatte. Begründet wurde die öffentliche Demontage mit einem Geheimdienstreport. Darin wird Gordhan vorgeworfen,  in London Unterstützung für seine angebliche Kampagne gegen Zuma mobilisiert zu haben. Daneben rechtfertigte der südafrikanische Präsident sein Vorgehen in einem dürren Statement mit dem Wunsch nach einer „radikalen sozioökonomischen Transformation“ des Landes, der Gordhan im Weg gestanden habe. Hinter dem Begriff verbergen sich vor allem noch mehr Staatsinterventionen in einer schon jetzt stark überregulierten Wirtschaft, noch höhere Rassenquoten, Landumverteilung ohne Kompensation sowie noch höhere Staatsausgaben.

Zum Nachfolger Gordhans ernannte Zuma den bisherigen Innenminister Malusi Gigaba, ein langjähriges Mitglied der radikalen ANC-Jugendliga und treuen Zuma-Anhänger, der bislang eher durch teure Maßanzüge und private Eskapaden als durch Wirtschaftskompetenz aufgefallen ist. Zu seinem Stellvertreter berief Zuma mit Sfiso Buthelezi zeitgleich einen weiteren langjährigen Weggefährten.

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