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18.12.2012

17:47 Uhr

Zuma-Gegnerin Helen Zille

„Der ANC zerbricht“

VonTill Hoppe

Trotz aller Skandale wird Südafrikas Präsident Zuma als ANC-Chef bestätigt. Oppositionsführerin Helen Zille wirft der Bewegung von Nelson Mandela eiskalte Selbstbereicherung vor – und prophezeit ihr den Untergang.

Helen Zille ist Vorsitzende der Democratic Alliance (DA). Reuters

Helen Zille ist Vorsitzende der Democratic Alliance (DA).

Handelsblatt Online: Frau Zille, es kommt immer wieder zu blutigen Streiks, viele Beobachter sprechen von der tiefsten Krise Südafrikas seit dem Ende der Apartheid. Wie ernst ist die Lage?
Helen Zille: Die Unruhen sind mehr Symptom als Ursache der Krise. Das zugrundeliegende Problem ist die sehr hohe Arbeitslosigkeit, zugleich können aber viele Stellen für Hochqualifizierte nicht besetzt werden. Deshalb brauchen wir ein höheres Wirtschaftswachstum, Jobs und eine bessere Ausbildung.

Südafrika hat als Investitionsstandort erheblichen Schaden genommen. Können Sie einem deutschen Mittelständler derzeit guten Gewissens raten, in Südafrika zu investieren?

Ja, natürlich würde ich ihm dazu raten. Mittelfristig sind die Voraussetzungen in Südafrika gut für Unternehmen. Die Ereignisse der vergangenen Monate sind Symptome des Auseinanderbrechens der Regierungspartei und teilweise Machtkämpfen innerhalb des ANC geschuldet.

Regierungspartei: Zuma bleibt Chef von Südafrikas ANC

Regierungspartei

Zuma bleibt Chef von Südafrikas ANC

Damit gilt er zugleich als Favorit für die nächste Präsidentschaftswahl.

Sie haben früher selbst mit dem ANC gegen die Apartheid gekämpft. Wie hat sich die Bewegung seither verändert?

Unter der Apartheid war der ANC eine Sammelkirche für all jene, die die Rassentrennung abgelehnt haben. Es gab keine übergreifende Ideologie oder politische Philosophie. Es existierte eine starke marxistische Strömung, eine starke nationalistische Strömung, und es gab einige Liberale, den ich uenterschtuetzte. Als der ANC an die Macht kam, hat er eines nicht verstanden: Um den Wandel von der Befreiungsbewegung zur Partei zu schaffen, braucht man eine übergreifende politische Philosophie, in der sich alle Mitglieder wiederfinden.

Oder eine Identifikationsfigur wie Nelson Mandela.

Nelson Mandela hatte die Goldene Ära, die Flitterwochen nach dem Ende der Rassentrennung. Sein Hauptthema war die Versöhnung, zu der damals eine große Bereitschaft bestand. Die schwierigere Aufgabe waren die Wirtschaftspolitik und die Bewältigung des Erbes der Apartheid, die Mandelas Nachfolger Thabo Mbeki angehen musste. Er steuerte das Land stark in Richtung einer Marktwirtschaft, was in seiner marxistisch orientierten Basis hochstrittig war. Um die Unterstützung nicht zu verlieren und die Partei zusammenzuhalten, hat er auf den Faktor Hautfarbe gesetzt. Zu dieser Zeit hat ein afrikanischer Nationalismus stark um sich gegriffen.

Gilt das auch für Präsident Zuma?

Mbeki wurde durch Zuma ersetzt, der keinerlei politische Philosophie hat. Er ist ein alter Stammesführer, der die Präsidentschaft nutzt, um sich zum obersten Stammesführer zu machen. Er versteht die Verfassung nicht, den Rechtsstaat nicht und auch die grundlegenden Prinzipien der Demokratie nicht. Er ist nur die Marionette derjenigen im ANC, die den Staat kontrollieren wollen.

Kommentare (2)

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18.12.2012, 17:55 Uhr

Mit allem Respekt. Zuma ist einer der populärsten Politiker bei der Mehrheitsbevölkerung, bei den Medien hingegegen der unbeliebteste Politiker. Mehrere Skandale konnten Zuma nichts anhaben. Erst Polokwane, dann Mangaung: http://2010sdafrika.wordpress.com/2012/12/18/erst-polokwane-dann-mangaung/.

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18.12.2012, 19:28 Uhr

Ja, so habe ich mir diesen schwarzen Räuberstaat eigentloich immer vorgestellt: Nur eins ist sicher: Alles bleibt unsicher. Die Methodes des Raubes ist die älteste, primitivste Form des Erwerbes von Wohlstand (und Anerkennung durch die Seinen), ein archaisches Prinzip, eine Art von Grundform menschlichen Strebens - Kulturbereicherung eben, nett grün-gutmenschlich verpackt wird sie auch uns zuteil...

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