Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.10.2016

17:35 Uhr

Zurückeroberte Stadt in Syrien

Das Leben nach dem IS

Der IS ist endlich weg, aber viel blieb von Dscharablus nicht mehr übrig. Es gibt dennoch einige gute Gründe, warum geflüchtete Bewohner in den syrischen Ort an der Grenze zur Türkei zurückkehren.

Die Menschen kehren in das vom IS  befreite Dscharablus zurück. dpa

Syrische Flüchtlinge an der türkischen Grenze

Die Menschen kehren in das vom IS befreite Dscharablus zurück.

DscharablusEine Gruppe junger Männer steht im türkischen Karkamis Schlange, um die Grenze nach Syrien zu überqueren. Sie kehren zurück in ihre Heimat: den Grenzort Dscharablus. Die türkische Armee und syrische Rebellen hatten ihn im August von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) befreit. Wie viele andere Bewohner der nordsyrischen Stadt, waren sie in die Türkei geflohen.

„Ich habe in Istanbul auf dem Bau gearbeitet, aber kein Geld verdient. Ich denke, zurück in Syrien wird das Leben einfacher sein“, sagt Firas, einer der jungen Männer am Grenzübergang. Der 22-Jährige studierte Mathematik, bevor ihn der Krieg zur Flucht zwang.

Viele syrische Flüchtlinge haben es schwer, im Nachbarland über die Runden zu kommen. Trotzdem ist die Rückkehr riskant, denn einmal über die Grenze, dürfen sie nicht wieder zurück in die Türkei. Zudem sind die IS-Kämpfer zwar weg, Dscharablus muss nun aber wiederaufgebaut werden. Und es herrscht immer noch Krieg.

Drei Jahre IS-Herrschaft haben die arme, staubige Ortschaft so gut wie zerstört. Bewohner erzählen, es gebe kaum Arbeit. Die Menschen seien auf Hilfsleistungen angewiesen, um zu überleben. Nach der Befreiung vor zwei Monaten übernahm die Türkei die Kontrolle über Dscharablus - und auch die Versorgung mit Essen, Wasser und Strom. Schulen öffnen langsam, aber die Kinder sitzen an leeren Schreibtischen, denn es fehlt noch an Büchern und anderen Unterlagen.

Wer kämpft gegen wen in Syrien?

Regime

Anhänger von Präsident Baschar al-Assad kontrollieren weiter die meisten großen Städte wie Damaskus, Homs, Teile Aleppos sowie den Küstenstreifen am Mittelmeer. Syriens Armee hat allerdings viele Soldaten verloren und wird vor allem durch russische Kampfjets, iranische Kämpfer und die Schiitenmiliz Hisbollah unterstützt. Auch Verbände aus Afghanistan und dem Irak sollen aufseiten des Regimes kämpfen.

Islamischer Staat (IS)

Die Terrormiliz hat in den vergangenen Monaten große Teile ihres Gebietes verloren, herrscht aber immer noch in vielen Städten entlang des Euphrats und in Zentralsyrien.

Rebellen

Unzählige Rebellengruppen kämpfen in Syrien - von moderaten Gruppen, die vom Westen unterstützt werden, bis zu radikalen Islamisten, wie der früheren Nusra-Front. Immer wieder gehen die verschiedenen Truppen zeitweise Zweckbündnisse ein.

Kurden

Kurdische Streitkräfte beherrschen mittlerweile den größten Teil der Grenze zur Türkei. Sie sind ein wichtiger Partner des Westens im Kampf gegen den IS. Sie kämpfen teilweise mit Rebellen zusammen, kooperieren aber auch mit dem Regime in Damaskus.

Die USA und der Westen

Washington führt den Kampf gegen den IS an der Spitze einer internationalen Koalition. Kampfjets fliegen täglich Angriffe. Beteiligt sind unter anderem Frankreich und Großbritannien. Deutschland stellt unter anderem sechs Tornados für Aufklärungsflüge.

Russland

Seit einem Jahr fliegt Russlands Luftwaffe Angriffe in Syrien und steht an der Seite von Machthaber Assad. Russland bekämpft offiziell den IS, greift aber den Angaben zufolge immer wieder auch moderate Rebellengruppen an, die Seite an Seite mit Dschihadisten kämpfen.

Iran

Teheran ist der treueste Unterstützer des Assad-Regimes. Nach Angaben Teherans sind Mitglieder der iranischen Revolutionsgarden als militärische Berater der syrischen Armee im Einsatz.

Saudi-Arabien und die Türkei

Riad und Ankara sind wichtige Unterstützer von Rebellen. Sie fordern den Sturz Assads. Saudi-Arabien geht es darum, den iranischen Einfluss zurückzudrängen. Der Iran ist der saudische Erzrivale im Nahen Osten. Die Türkei will eine größere Selbstbestimmung der Kurden in Nordsyrien verhindern.

Bei manchen Kindern, unter ihnen nun auch Mädchen, sind die psychischen Folgen von Krieg und Vertreibung deutlich. Ein Sechsjähriger reagiert verwirrt auf eine einfache Frage: „Wo ich herkomme? Ich weiß nicht, wo ich herkomme.“

Tausende Menschen sind seit August nach Dscharablus gezogen. Vor dem Krieg wohnten hier wenig mehr als 10.000 Einwohner, Araber, Turkmenen und Kurden. Die meisten kommen aus anderen Teilen Syriens. Manche sagen, sie seien wegen der Hilfsleistungen gekommen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×