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14.11.2013

20:55 Uhr

Zustimmung der Europgruppe

Irland und Spanien können Rettungsschirm verlassen

Die Eurogruppe hat dem Ausstieg von Irland und Spanien aus dem EU-Rettungsschirm zugestimmt. Doch in Griechenland scheint die Krise kaum zu stoppen. Eine Untersuchung der Troika stockt.

Die wirtschaftliche Lage in Irland und Spanien stabilisiert sich langsam wieder. dpa

Die wirtschaftliche Lage in Irland und Spanien stabilisiert sich langsam wieder.

BrüsselIrland und Spanien können den Rettungsschirm hinter sich lassen und damit als erste Euro-Krisenländer finanziell wieder auf eigenen Füßen stehen. Die Eurogruppe gab am Donnerstag grünes Licht für den Ausstieg. „Das ist ein guter Tag für Irland und Spanien, es ist ein guter Tag für Europa“, sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn in Brüssel nach Beratungen mit den Euro-Finanzministern. Der Finne gab zu bedenken, dass für die beiden hoch verschuldeten Staaten die Probleme aber noch nicht beseitigt seien.

Das Programm für Irland läuft im Dezember aus, das spanische Programm für marode Banken im Januar 2014. Irlands Regierungschef Enda Kenny hatte in Dublin angekündigt, sein Land werde das Hilfsprogramm der internationalen Geldgeber vom 15. Dezember an verlassen und dabei keine vorbeugende Kreditlinie zur Absicherung in Anspruch nehmen. „Wir sind zuversichtlich, dass die irische Regierung alle nötigen Maßnahmen treffen wird“, sagte der Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi.

„Die zeitweilige Hilfe mit Krediten hat sich in beiden Ländern als erfolgreich erwiesen“, resümierte Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem. „Sie (die Länder) waren immer in der Spur“, sagte Rehn. „Die Programme funktionieren, wenn sie richtig umgesetzt werden.“

So stehen die Euro-Sorgenländer da

Frankreich

Deutschlands wichtigster Handelspartner wächst nicht mehr: Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte im Sommer überraschend um 0,1 Prozent. Die EU-Kommission traut dem Nachbarn nur einen blutleeren Aufschwung zu. 2014 soll es nur zu einem Plus von 0,9 Prozent reichen, was etwa halb so viel ist wie in Deutschland. "Steigende Arbeitslosigkeit und Steuererhöhungen wirken sich negativ auf die Einkommen aus", befürchtet die Kommission, was wiederum den Konsum bremst. Obwohl das Wachstum 2015 auf 1,7 Prozent anziehen soll, dürfte die Arbeitslosenquote bis dahin auf 11,3 Prozent zulegen.

Italien

Die drittgrößte Volkswirtschaft der Währungsunion schrumpfte im Sommer nun schon das neunte Quartal in Folge und steckt damit in der längsten Rezession seit Ende des Zweiten Weltkrieges. Während die Industrie zulegte, gingen die Geschäfte der Dienstleister und Landwirte zurück. Zwei Rezessionsjahren dürfte eine kraftlose Erholung folgen: 2014 wird ein Wachstum von 0,7 Prozent erwartet, das sich 2015 auf 1,2 Prozent erhöhen soll. Eine steigende Exportnachfrage dürfte die Unternehmen zwar zu mehr Investitionen ermutigen, erwartet die EU-Kommission. Die Arbeitslosenquote soll aber im kommenden Jahr weiter steigen.

Spanien

Die viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone hat sich im Sommer aus der Dauer-Rezession befreit. Anziehende Exporte und der boomende Tourismus ließen das Bruttoinlandsprodukt um 0,1 Prozent wachsen. Zuvor war es neun Quartale in Folge geschrumpft. 2014 könnte die spanische Wirtschaft nach zwei Rezessionsjahren in Folge erstmals wieder wachsen. Die EU-Kommission erwartet ein Plus von 0,5 Prozent, das sich 2015 auf 1,7 Prozent erhöhen soll. "Die großen Anpassungen werden die Erholung einschränken", befürchtet die Kommission. Das reicht nicht, um die Arbeitslosigkeit kräftig zu drücken. Die Quote soll von 26,6 Prozent in diesem Jahr lediglich auf 25,3 Prozent im übernächsten Jahr fallen.

Griechenland

Im Frühjahrsquartal – neuere Daten liegen noch nicht vor – ging es um 3,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bergab. Das am schwersten von der Schuldenkrise betroffene Land wird aber für 2014 ein kleines Comeback zugetraut: Das Bruttoinlandsprodukt soll dann erstmals seit sechs Jahren wieder wachsen, wenn auch nur um 0,6 Prozent. Das reicht nicht annähernd aus, um den für 2013 erwarteten Einbruch von 4,0 Prozent auszugleichen. "2015 dürfte die Erholung an Kraft gewinnen, wenn die Investitionen zum Motor der Belebung werden", erwartet die EU-Kommission, die dann mit einem Plus von 2,9 Prozent rechnet. Allerdings bleibt die Arbeitslosigkeit hoch. Sie soll von rund 27 Prozent auf 24 Prozent im Jahr 2015 sinken.

Irland

Von allen Krisenländern steht Irland am besten da. Bereits im Frühjahr wurde die Rezession abgeschüttelt mit einem Wachstum von 0,4 Prozent. 2013 soll die Wirtschaft das dritte Jahr in Folge zulegen, wenn auch nur um 0,3 Prozent. Das Tempo dürfte sich 2014 auf 1,7 Prozent und 2015 sogar auf 2,5 Prozent beschleunigen. Sowohl Konsum als auch Exporte dürften immer besser in Schwung kommen. Bis 2015 soll die Arbeitslosenquote auf 11,7 Prozent fallen, nachdem sie 2012 noch bei 14,7 Prozent lag.

Portugal

Das kleine Land ist von Juli bis September bereits das zweite Quartal in Folge gewachsen - und zwar um 0,2 Prozent. 2014 soll nach drei Minus-Jahren wieder ein Plus folgen: Dann dürfte ein Wachstum von 0,8 Prozent herausspringen, das sich 2015 auf 1,5 Prozent nahezu verdoppeln soll. "Die Exporte sind der Wachstumstreiber, während die Binnennachfrage 2014 wieder anziehen wird", prophezeit die EU-Kommission. 2015 soll die Arbeitslosenquote mit 17,3 Prozent einen Tick unter den diesjährigen Wert fallen.

Zypern

Der Inselstaat steckt noch mitten im Abschwung: Im dritten Quartal 2013 brach die Wirtschaftsleistung mit 0,8 Prozent so stark ein wie in keinem anderen Euro-Land. Um 8,7 Prozent soll das Bruttoinlandsprodukt im gesamten Jahr 2013 zurückgehen. 2014 wird ein weiteres Minus von 3,9 Prozent erwartet. "Die zyprische Volkswirtschaft sieht sich starkem Gegenwind ausgesetzt", so die Kommission. Sowohl der Konsum als auch die Exporte dürften sinken. Erst 2015 wird wieder mit einem Wachstum gerechnet, das aber mit 1,1 Prozent dünn ausfallen soll. Die Arbeitslosenquote dürfte 2014 auf 19,2 Prozent hochschnellen und erst 2015 wieder leicht auf 18,4 Prozent nachgeben.

Irland war 2010 als erstes Land der Eurozone vor allem wegen seiner taumelnden Banken unter den Rettungsschirm geschlüpft. Es bekam von den Europartnern und dem IWF ein Hilfsprogramm von insgesamt 85 Milliarden Euro eingeräumt. Spanien erhielt 41 Milliarden zur Sanierung von Banken. Als nächstes muss über Portugal entschieden werden, dessen Programm im Mai 2014 ausläuft.

„Das stellt die wirtschaftliche und politische Freiheit Irlands wieder her“, sagte der irische Finanzminister Michael Noonan. „Es ist der richtige Augenblick, es zu machen.“ Das Land wolle Ende Januar oder Anfang Februar 2014 an die Finanzmärkte zurückkehren. Der Termin 15. Dezember 2013 war von Dublin schon im November genannt worden. „Es ist offensichtlich, dass das finanzielle Unterstützungsprogramm für die spanischen Banken ordentlich funktioniert hat“, so der spanische Wirtschaftsminister Luis de Guindos. Spanien braucht kein Anschlussprogramm.

„Das zeigt, unsere Politik der Stabilisierung und Verteidigung der europäischen Währung ist erfolgreich und richtig“, sagte der amtierende deutsche Ressortchef Wolfgang Schäuble (CDU).

Kommentare (32)

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N_K

15.11.2013, 08:11 Uhr

"Irland und Spanien können Euro-Rettungsschirm verlassen"

Dann ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis sie auch den EURO-Raum verlassen. Schließlich haben sie ja die Folgen die aufgeblasenen Brüsseler Knute kennengelernt und wissen, worum es geht.

Euro in den Müll, dessen "Verzapfer" in den Knast!

Hans

15.11.2013, 08:11 Uhr

Irland und Spanien können Euro-Rettungsschirm verlassen. Im Frühjahr 2014, nach der EU-Wahl, wird der deutsche Sparer zur Kasse gebeten. Deren Spareinlagen werden dann, zugunsten der PIGS-Staaten, um 10% gekappt.

IhrseitnichtSytemrelevant

15.11.2013, 08:24 Uhr

Ich muss lachen... [...]
Genau das gleich habt ihr bereits vor ein Paar Monaten erzählt als es um die Bundestagswahl ging... So nach dem Motto:"nach der Bundestagswahl kommt das große erwachen... ihr werdet schon sehen... Inflation wie in der Weimarer Republik... Zwangsenteignung..." bla bla bla

ICH KANN ES NICHT MEHR HÖREN!!!

Wandert doch aus - werdet Einsiedler irgendwo in der Einöde wenn es euch hier nicht passt - aber hört endlich auf hier alles und jeden schlecht zu machen...

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

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