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09.02.2014

17:08 Uhr

Zuwanderungsabstimmung

Schweizer wollen weniger Ausländer reinlassen

Der Abstimmungskrimi in der Schweiz ist beendet: Zwar sind noch immer nicht alle Stimmen ausgezählt, an einem Ja zu schärferen Zuwanderungsregeln ist aber nicht mehr zu rütteln. Selten war eine Abstimmung so knapp.

Bald weniger Ausländer in der Schweiz? dpa

Bald weniger Ausländer in der Schweiz?

Die Gegner der weiteren Zuwanderung haben sich durchgesetzt: Laut der aktuellsten Hochrechnung des Forschungsinstituts gfs.bern liegen die Befürworter einer schärferen Zuwanderungspolitik mit 50,3 Prozent vorn. Das Institut berechnet im Auftrag des Schweizer Fernsehens „SRF 1“ die Wahlergebnisse. Im Gespräch mit dem Fernsehsender hatte Politwissenschaftler Claude Longchamp bereits zuvor gesagt, dass die Ergebnisse auf „ein haarscharfes Ja“ hindeuten.

Große Städte wie Zürich, Bern lehnten die Verschärfung der Einwanderungsgesetze ab, auf dem Land gab es dagegen Zustimmung. Zudem wurde eine hohe Wahlbeteiligung von rund 56 Prozent festgestellt, einer der höchsten je gemessenen Werte - im Schnitt liegt sie bei 44 Prozent. Jetzt müssen nur noch die Stimmen aus der Stadt Kloten gezählt werden – doch die könnten nichts mehr am Ergebnis ändern.

Bei Schweizer Volksentscheiden gibt es zwei Hürden: Zum einen muss die Mehrheit der Wähler landesweit eine Initiative annehmen. Aber auch die Mehrheit der Kantone muss zustimmen, sprich, in den meisten Kantonen muss eine Mehrheit der Wähler die Initiative annehmen. Dieses so genannte „Stände-Mehr“ war bereits am frühen Nachmittag erreicht. Die Mehrheit der Bevölkerung in 15 Kantonen von 26 stimmte für die Masseneinwanderungsinitiative.

Dabei zeigte sich ein gespaltenes Land: In der an Frankreich grenzenden Westschweiz, die traditionell europa-freundlicher ist, überwiegt die Ablehnung. Im Tessin sind die Befürworter in der deutlichen Mehrheit, in der Deutsch-Schweiz stimmen vor allem die ländlichen und grenznahen Regionen für die Initiative.

Der Ausländeranteil in den Schweizer Nachbarländern

EU

Gut 34 Millionen Migranten leben in der EU (ohne Kroatien) - die Quote liegt bei 6,8 Prozent. Rund zwei von fünf Ausländern sind EU-Bürger, die in einem anderen Mitgliedstaat leben. Die anderen kommen aus Nicht-EU-Staaten. Luxemburg ist Quoten-Spitzenreiter: Dort sind rund 44 Prozent Einwanderer - gefolgt von Zypern mit 20 Prozent.

Deutschland

Mit einem Ausländeranteil von rund 9 Prozent (7,2 Millionen) liegt Deutschland EU-weit im oberen Mittelfeld. Die meisten Einwanderer kommen aus der Türkei (1,6 Millionen), Polen und Italien (je rund 530 000).

Österreich

Von den rund 8,5 Millionen Einwohnern ist jeder neunte ein Ausländer (11,6 Prozent). Sie kommen vorrangig aus Deutschland (158 000), der Türkei (114 000) und Serbien (111 000).

Frankreich

Die Ausländerquote liegt bei rund 6 Prozent. Vier von zehn Migranten stammen aus Afrika, fast ebenso viele aus der EU - meist aus Portugal (495 000; Stand 2010).

Italien

Das Land hat einen Ausländeranteil von knapp 8 Prozent. Die Hälfte davon kommt aus Osteuropa - am häufigsten aus Rumänien (888 000) und Albanien (467 000; Stand 2010).

Liechtenstein

Jeder dritte der rund 37 000 Einwohner ist kein Liechtensteiner. Die Einwanderer kommen zu gleichen Teilen aus EU- und Nicht-EU-Staaten - die meisten aus der Schweiz (rund 3600).


Die Initiative der SVP sieht jährliche Höchstzahlen und Kontingente für die Zuwanderung von Ausländern vor. Bei der Besetzung von Stellen sollen Arbeitgeber Bewerbern mit Schweizer Pass den Vorzug geben. Bürger der EU, die im Rahmen eines Personenfreizügigkeitsabkommens seit rund zehn Jahren problemlos in das Nicht-EU-Land Schweiz ziehen können, würden ebenfalls unter die Kontingent-Regelung fallen.

Kommentare (9)

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pit

10.02.2014, 08:29 Uhr

Die Reaktionen der verschiedenen Gruppen sind interessant: Politik und Großindustrie möchten Einwanderung, der normale Schweizer fürchtet Lohndumping und ist dagegen dass unbegrenzt Konkurrenz kommt. Die Abstimmung ist URDEMOKRATISCH und die Reaktionen der sogenannten Eliten vor allem die demokratisch nicht legitimierten EU Schranzen in Brüssel reagieren allergisch. Das ist verständlich, dass diese Minidiktatoren gereizt reagieren, wenn das Volk seine Meinung kund tut. Solch eine Frage in Deutschland würde wohl noch deutlicher ausfallen. Denn auch bei uns wird Lohndumping bis in den akademischen Bereich der Arbeitnehmer ausgeübt. Ob Ärzte, IT-ler, Handwerker oder Pflegekräfte - den Arbeitgeber sind sie immer willkommen egal woher sie kommen - Hauptsache billiger. Die Schweizer zeigen uns nun zum xten Mal was Volkes Meinung ist. Es wird Zeit dieses Recht bei uns einzuführen. Wir brauchen ein regulativ zu unseren durchgeknallten Eliten.

Schlossapotheke

10.02.2014, 12:02 Uhr

Man kann die Schweizer verstehen - zumal kaum alle Wähler die wirtschaftliche Situation ausreichend beurteilen kann : Welchen Einfluss hat diese Wahl ? WIR haben in D ca. 9 % Einwanderer - mal angenommen wir hätten 15 % und jetzt sollen WIR 25 % zulassen oder gar überschreiten : DAS wäre ein Geschrei in D. !! WIR sollten nicht so tun als ob.!! Da sollsich mal jeder prüfen : Mal angenommen, die Mehrzahl der Einwanderer kämen aus den "östlichen" Staaten - was könnte man dann bei uns in den Zeitungen lesen ?? Also : Bei unserem Urteil über diese Schweizer Abstimmung sollten viele von uns sich an die eigene Nase fassen UND NACHDENKEN.
"Schlossapotheke"

Ex-Bankangestellte1

10.02.2014, 13:49 Uhr

Und unser Bundespräsident möchte mehr Inder nach Deutschland holen, zum studieren und zum Arbeiten. " Platz ist ja genügend da" so seine d......liche Aussage!

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