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24.11.2014

20:08 Uhr

Zwei Energiekonzerne klagen

Russland stoppt Kohlelieferungen in die Ukraine

Russland hat angeblich ohne Vorankündigung seine Kohlelieferungen in die Ukraine gestoppt. Das berichten zwei ukrainische Energiekonzerne. Der Lieferstopp gefährdet die Stromversorgung der Ukraine im kommenden Winter.

Russland soll seine Kohlelieferungen in die Ukraine eingestellt haben. dpa

Russland soll seine Kohlelieferungen in die Ukraine eingestellt haben.

KiewDie Ukraine erhält nach eigener Auskunft keine Kohlelieferungen aus Russland mehr. Ein Sprecher des ukrainischen Energieministeriums sagte am Montag, die beiden Energiekonzerne DTEK und Tsentrenergo hätten ohne Vorankündigung keine Kohle mehr bekommen.

Der private Stromversorger DTEK teilte mit, er versuche derzeit herauszufinden, warum die Lieferungen eingestellt worden seien. Der Stopp ist ein schwerer Schlag für die Ukraine. Das Land ist nach Regierungsangaben auf Kohleimporte aus Russland angewiesen ist, um im kommenden Winter die Stromversorgung aufrecht zu erhalten.

Durch die Kämpfe zwischen Regierungstruppen und den Separatisten im Osten der Ukraine ist der Nachschub für die Kohlekraftwerke unterbrochen worden, die rund 40 Prozent des Stroms für das ganze Land liefern. Kurz vor Beginn des Winters hatten die Kohlereserven bereits einen kritischen Stand erreicht.

Was ist „Neurussland“?

Neuer Streit um ein historisches Gebiet

In der Ostukraine haben prorussische Separatisten im Mai ihre „Volksrepubliken“ Donezk und Lugansk zu „Neurussland“ vereinigt. Auch Russlands Präsident Putin verwendete mehrfach diese Bezeichnung. Sie hat einen historischen Ursprung.

Feldzüge gegen Türken

Mitte des 18. Jahrhunderts wurde ein Militärbezirk nördlich des Schwarzen Meeres so genannt. Neurussland reichte damals von Bessarabien (heute die Republik Moldau) bis zum Asowschen Meer. Zentrum war Krementschuk, etwa 300 Kilometer südöstlich von Kiew. Zur Zeit der Feldzüge gegen die Türken und das Krim-Khanat sollte die Ansiedlung russischer und ukrainischer Bauern sowie ausländischer Siedler das Grenzgebiet stabilisieren.

Auflösung nach Eroberung der Krim

1764 bildete Zarin Katharina die Große das „Neurussische Gouvernement“. Nach der Eroberung der Krim verlor Neurussland seine strategische Bedeutung und wurde rund 20 Jahre nach der Gründung wieder aufgelöst. Zar Paul I. bildete 1796 erneut ein kurzlebiges Verwaltungsgebiet Neurussland um den Hauptort Noworossisk, dem heutigen Dnjepropetrowsk.

Deutsche Siedler

Anfang des 19. Jahrhunderts wurde ein russisches „Generalgouvernement Neurussland-Bessarabien“ geschaffen. Von 1818 bis etwa 1880 wurden wieder ausländische Siedler angeworben. Auch aus deutschsprachigen Gebieten kamen viele Menschen in die Steppen Neurusslands. Die Dörfer dieser „Schwarzmeerdeutschen“ existierten bis zu den Deportationen in der Stalin-Zeit.

Seine Gasexporte hatte Russland im Juni wegen Preisstreitigkeiten zeitweise gekappt und angekündigt, künftig nur noch gegen Vorkasse zu liefern. Kiew, Moskau und die Europäische Union hatten sich vor einigen Wochen darauf verständigt, dass die Winterversorgung der Ukraine sichergestellt werden soll. Die Beziehungen zwischen Russland und der Ukraine sind sehr angespannt. Die Regierung in Kiew wirft Russland vor, die Rebellen zu unterstützen. Die Regierung in Moskau weist dies zurück.

Von

rtr

Kommentare (17)

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Herr C. Falk

24.11.2014, 19:06 Uhr

Meine Rede. Diesen Stopp der Kohlelieferungen habe ich schon letzte Woche als ziemlich wahrscheinlich angesehen.

Jeder der aus nur einen Hauch von Realpolitik versteht, konnte sich diese Entwicklung an allen fünf Fingern ausrechnen.

Jetzt erstaunt zu tun,beweist nur die infantile Aufassung von Politik, die nicht nur bei verantwortlichen Politikern in der Ukraine maßgeblich ist, sonder auh bei den bundesdeutschen Bellizisten von Schockenhoff über die grüne Beck bis zu Herrn Gauck.

Dagegen grossen Respekt für Egon Bahr,SPD, einen der Väter der Entspannungspolitik, der zusammen mit Willy Wimmer, CDU, und vielen anderen dagegen ankämpft.

x. skeptiker

24.11.2014, 19:24 Uhr

Es ist wie so häufig wohl einfacher als viele denken. Man muß kein Prophet sein, um die begründete Annahme treffen zu können, daß russische Firmen gemäß Vertrag die Steinkohle geliefert haben, die Ukraine aber, wie so oft, die entsprechenden Rechnungen nicht bezahlt hat. Irgendwann ist dann das Maß voll und es gibt nichts mehr. Das kommt einem doch irgendwie bekannt vor.

Herr john asdec

24.11.2014, 20:23 Uhr

Dauert nicht mehr lange und russland ist pleite.kohle kann die ukraine von der eu bekommen.wenn die ukraine nicht genuegend strom produzieren kann muss donbas abgecklemt werden

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