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11.03.2013

15:24 Uhr

Zwei Jahre Fukushima

Keine Routine in der Ruine

Das Reaktorgelände von Fukushima ist eine Todeszone. Handelsblatt Online-Korrespondent Martin Koelling hat sich hineingewagt. Sein Fazit: Die Lage ist nur stabilisiert. Sie kann jederzeit wieder außer Kontrolle geraten.

Luftaufnahme der Fukushima-Reaktoren. An der Oberfläche sieht alles normal aus. Ist es aber nicht. AP/dpa

Luftaufnahme der Fukushima-Reaktoren. An der Oberfläche sieht alles normal aus. Ist es aber nicht.

Radioaktivität ist eine Gefahr, die ich nicht sehen, schmecken oder riechen, sondern nur messen kann. Dies wurde mir erneut in Erinnerung gerufen, als ich mit einigen weiteren Journalisten in den Ruinen des Atomkraftwerks Fukushima 1 stand. Zum zweiten Jahrestag von Japans dreifacher Katastrophe aus Erdbeben, Tsunami und Atomunfall hatte uns Tokios Stromerzeuger Tepco auf das Gelände gelassen. Beim Anblick der Atomruinen verstand ich, warum den Arbeitern im Atomkraftwerk (AKW) die Angst inzwischen vergangen ist. Noch stärker als bei meinem ersten Besuch an den Meilern überkam mich ein unwirkliches Gefühl, eine Mischung aus Nervenkitzel und Routine, aus Strahlenrisiko und dem gekonnten Umgang damit.

Geradezu pitoresk muteten die Ruinen der Reaktoren 1 bis 4 an, die unter strahlend blauen Himmel und der Frühlingssonne an der Pazifikküste in der Präfektur Fukushima säumten. Nichts raucht, nichts knistert.

Und dennoch zeigt ihr Anblick und besonders der langsame Fortschritt bei den Aufräumarbeiten, dass Takeshi Takahashi, der AKW-Chef, im Interview seine Worte sehr weise wählte. Er sprach nicht davon, dass die Lage unter Kontrolle sei. Stattdessen nutzte er den Ausdruck „stabilisiert“.

Wie bei meinem Besuch vor einem Jahr liegen an den Reaktoren noch immer zerknäulte LKWs herum, die bis heute nicht geborgen wurden. Die Rolltore der Reaktorgebäude sind noch genauso verzogen, wie der Tsunami sie am Nachmittag des 11. März 2011 hinterlassen hat.

Und Meiler 3, die stärkste Strahlenschleuder, ist im Gegensatz zu Meiler 1 noch immer ohne Überdach. Wie nach der Wasserstoffexplosion vor zwei Jahren heben sich verbogene Stahlträger der Gebäudekonstruktion kontrastreich vom Himmel ab.

Dies ist gut für Fotografen, aber schlecht für die Arbeiter. Denn die Messergebnisse zeigen, dass die Strahlung extrem hoch ist. Auf 1700 Mikrosievert pro Stunde schlägt der Strahlenmesser in unserem Bus aus, hochgerechnet fast 15000 Millisievert pro Jahr. Diesen Wert kann man durchaus als Todeszone bezeichnen. Bis heute wissen die Retter daher nicht genau, wie es in den Reaktoren aussieht. Kontrolle sieht anders aus.

Dennoch sind auch Fortschritte auch für uns Laien nicht zu übersehen. Der erste ist, dass die Strahlung soweit gesunken ist, dass wir Besucher nicht mehr im 20 Kilometer entfernten Basislager die weißen Tyvek-Strahlenschutzanzüge und Atemmasken anlegen müssen, sondern erst im Lagezentrum auf dem AKW-Gelände.

Zweitens werden unsere Besuchergruppe auf vielleicht 40 Meter an Reaktor 4 herangelassen. Vor einem Jahr durften wir die Ruinen nur von einer 200 Meter entfernten Anhöhe überschauen.

Kommentare (37)

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Account gelöscht!

11.03.2013, 16:09 Uhr

"Aber zu einer Kernschmelze wie in den anderen drei zerstörten Meilern ist es damals nicht gekommen, weil der Reaktor abgeschaltet war."Zitat
Liest sich beruhigend,ist aber gänzlich falsch.
Einen Reaktor kann man zwar abschalten,aber die Brennstäbe nicht.Diese müssen weiterhin gekühlt werden.Da sie dem Reaktor 4 entnommen wurden,um Arbeiten an diesem auszuführen,wurden sie in ein Wasserbecken getan,das nicht an einen Kühlkreislauf angeschlossen war.Die Brennstäbe sind so heiß,dass sie das gesamte Wasser dieses Kühlbeckens verdampft haben dürften.Der Grund warum man sich dem Reaktor 4 als erstem widmet dürfte eher in seiner Gefährlichkeit liegen,als in seiner "geringeren"Strahlung.
Was mit den ungekühlten Brennstäben weiterhin passiert ist,welchen Schaden sie angerichtet haben,
wird verschwiegen.

Rechner

11.03.2013, 17:24 Uhr

O-Ton Handelsblatt
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Das Reaktorgelände von Fukushima ist eine Todeszone. Handelsblatt Online-Korrespondent Martin Koelling hat sich hineingewagt.
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Er scheint ja noch zu leben.

Todeszonen sind auch nicht mehr was sie 'mal waren.

Rechner

11.03.2013, 17:28 Uhr

O-Ton Handelsblatt
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in dem radioaktiv verseuchtes Wasser lagert
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Liebe Volontäre, Radioaktivität ist keine Seuche.

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