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07.01.2017

17:58 Uhr

Zwei Jahre nach dem Anschlag

Charlie lebt

Anfang 2015 ermordeten zwei Islamisten in Paris Zeichner der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“. Ein Anschlag auf die Meinungsfreiheit – und Auftakt einer beispiellosen Terrorserie. Doch „Charlie“ geht nicht in die Knie.

Ein Demonstrant hält einen nachgebildeten Stift mit der Aufschrift „Vive Charlie“ (Es lebe Charlie) hoch. Nach dem Anschlag im Januar 2015 hat die französische Satirezeitung ihren Betrieb nicht eingestellt, sondern konsequent weitergemacht. AFP; Files; Francois Guillot

„Vive Charlie“

Ein Demonstrant hält einen nachgebildeten Stift mit der Aufschrift „Vive Charlie“ (Es lebe Charlie) hoch. Nach dem Anschlag im Januar 2015 hat die französische Satirezeitung ihren Betrieb nicht eingestellt, sondern konsequent weitergemacht.

Paris„Wir haben 'Charlie Hebdo' getötet“, skandierten die beiden Islamisten, nachdem sie ein Blutbad in den Pariser Redaktionsräumen der Satirezeitschrift angerichtet hatten. Doch damit haben die Terroristen sich geirrt. Das Symbol für schonungslose Meinungsfreiheit hat überlebt, das Team des französischen Satiremagazins den rebellischen Geist des Blatts bewahrt. „Charlie“ provoziert weiter, seit kurzem auch auf Deutsch.

Das unterstreichen die Macher auch in einer Sonderausgabe vor dem zweiten Jahrestag der Attacke. „Charlie immer noch am Leben“, heißt es in einer Karikatur – daneben als Reaktion die Aufschreie von Russlands Präsident Wladimir Putin, einem Nazi, einem Bischof und einem Islamisten: „Mist!“

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Am 7. Januar 2015 waren die beiden Islamisten Chérif und Said Kouachi in die Redaktion eingedrungen. Sie ermordeten an jenem Tag zwölf Menschen, darunter die bekannten Zeichner Stéphane Charbonnier (Charb), Jean Cabut (Cabu) und Georges Wolinski. „Ein politisches Verbrechen, dessen Ziel es war, Ideen auszulöschen und jene, die sie vertreten haben“, erinnerte der publizistische Leiter Riss in der Sonderausgabe vor dem zweiten Jahrestag.

Während die „Charlie“-Täter noch auf der Flucht waren, ermordete ein weiterer Terrorist eine Polizistin und vier Menschen in einem jüdischen Supermarkt. Innenminister Bruno Le Roux und Bürgermeisterin Anne Hidalgo erinnerten am Donnerstag mit Schweigeminuten an die Opfer jener Tage. Es war der Auftakt zu einer für Frankreich beispiellosen Terrorserie, die das Land verändert hat. Eine Krise, deren langfristige politische Auswirkungen noch längst nicht klar sind.

Im Zuge der immer neuen Schreckensmeldungen ist der Anschlag auf „Charlie Hebdo“ fast etwas in den Hintergrund getreten. Wenige Tage danach gingen noch Millionen Menschen auf die Straße, um ihre Solidarität auszudrücken. „Je suis Charlie“ (Ich bin Charlie) war der Satz der Stunde, das Land rückte zusammen. Doch nach der Terrornacht von Paris, spätestens aber nach dem Anschlag von Nizza im vergangenen Sommer, bekam die viel beschworene nationale Einheit Risse. Die richtige Strategie im Kampf gegen den Terror ist im laufenden Präsidentschaftswahlkampf ein zentraler Streitpunkt.

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