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18.06.2015

13:27 Uhr

Zwei Monate nach Rücktritt

Südkorea hat neuen Ministerpräsidenten

Korruptionsvorwürfe haben den südkoreanischen Ministerpräsidenten Lee Wan Koo das Amt gekostet. Nach zwei Monaten ohne Nachfolger wurde nun ein neuer Ministerpräsident ernannt: Ex-Justizminister Hwang Kyo Ahn.

Der Ex-Ministerpräsident Lee Wan Koo (Foto) ist wegen Korruptionsvorwürfen zurückgetreten. Sein ehemaliger Justizminister Hwan Kyo Ahn wird seinen Posten übernehmen. ap

Lee Wan Koo

Der Ex-Ministerpräsident Lee Wan Koo (Foto) ist wegen Korruptionsvorwürfen zurückgetreten. Sein ehemaliger Justizminister Hwan Kyo Ahn wird seinen Posten übernehmen.

SeoulNach dem Rücktritt des südkoreanischen Ministerpräsidenten Lee Wan Koo wegen Korruptionsvorwürfen hat der frühere Justizminister Hwang Kyo Ahn die Nachfolge übernommen. Fast zwei Monate war das Amt vakant. Das Parlament billigte am Donnerstag die Ernennung des 58-jährigen Hwang durch die konservative Präsidentin Park Geun Hye. Hwang hatte fast 30 Jahre lang als Staatsanwalt gearbeitet.

Hwang kündigte nach der Überreichung der Ernennungsurkunde durch Park an, er werde die Führung im Kampf gegen den Ausbruch der Atemwegserkrankung Mers übernehmen, wie die nationale Nachrichtenagentur Yonhap berichtete. Hwang habe zunächst das Nationale Medizinische Zentrum besucht, in dem zahlreiche Mers-Patienten behandelt werden. Seit dem Ausbruch von Mers in Südkorea vor vier Wochen starben 23 Menschen infolge der Krankheit, die Zahl der Patienten stieg auf über 160.

Hwangs Vorgänger steht im Verdacht, Schmiergelder von einem Unternehmer angenommen zu haben. Lee, der die Vorwürfe bestreitet, hatte im April seinen Rücktritt angeboten. Im Präsidialsystem Südkoreas trifft das Staatsoberhaut fast alle wichtigen Entscheidungen. Auch ernennt es den Ministerpräsidenten.

Das ABCD des koreanischen Erfolgs

A wie Agilität

„Ppali-ppali“ (sprich balli-balli) nennen die Koreaner diesen Charakterzug, der sich am besten als dalli-dalli übersetzen lässt. Ein deutscher Firmenchef drückt seine Erfahrung so aus: Die Koreaner würden fünf mal auf dem Weg die Richtung ändern, wären aber am Ende doppelt so schnell am Ziel wie deutsche Unternehmen. Das Erstaunliche: Die Koreaner paaren dabei Tempo und Qualität. Der Nachteil: Wenn es schiefläuft, rennen sie mit Volldampf gegen die Wand.

B wie Benchmarking

Hierunter versteht Professor Moon die Kunst des Kopierens. Dabei handelt es sich allerdings nicht um stupendes Abkupfern. Vielmehr haben die Koreaner den Ehrgeiz, durch Imitation den Meister zu übertreffen.

C wie Convergence (Konvergenz)

Hierunter versteht Moon die gezielte Schaffung von Synergien. Pangyo ist ein Beispiel für den nächsten Entwicklungssprung, die Chaebol für die Vergangenheit. Da sie so breit aufgestellt waren, konnten sie sich gegenseitig Aufträge zuschanzen. Und durch den internen Kreislauf konnten die Konzerne rasch Kapital und Technik akkumulieren.

D wie Dedication (Einsatz und Hingabe)

In Südkorea verbinden sich Fleiß mit extremen Leistungsdruck paart. „Juk-gi-sal-ki-ro“, Tod oder Leben, ist das Motto in der Firma wie in der Schule. Mit 2193 geleisteten Arbeitsstunden ist Korea Spitzenreiter in der OECD. Und fast alle Schüler verbringen ihre Abende in Paukschulen, um die Aufnahmeprüfung für Eliteschulen oder -universitäten zu bestehen. Wer das Tempo nicht mithält, fliegt.

Von

dpa

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