Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.12.2012

13:17 Uhr

Zwei-Staaten-Lösung

Europaweite Proteste gegen Israels Baupläne

Israels Siedlungspläne in Ost-Jerusalem und im Westjordanland haben einen diplomatischen Sturm ausgelöst. Die Botschafter des Landes in Europa werden einberufen. Auch Berlin protestiert gegen die neuen Bauvorhaben.

Demonstranten in Berlin während einer Kundgebung für Palästina. dpa

Demonstranten in Berlin während einer Kundgebung für Palästina.

Jerusalem, Paris, London, BerlinIsrael bekommt wegen neuer Siedlungspläne Ärger in Europa: Die israelischen Botschafter in London, Paris und Stockholm wurden aus Protest gegen die umstrittenen Baupläne zu Gesprächen einberufen. Dies bestätigte ein Sprecher des Außenministeriums in Jerusalem am Montag. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kritisierte Israels Baupläne in ungewöhnlich scharfer Form.

Die israelische Regierung hatte nach der Anerkennung Palästinas als UN-Beobachterstaat Pläne zum Bau weiterer 3000 Wohneinheiten in Ost-Jerusalem und im Westjordanland angekündigt. Auch in einem Gebiet zwischen Ost-Jerusalem und der Siedlung Maale Admumim namens E1 solle gebaut werden. Die Palästinenser befürchten, dies könne Pläne für eine Zwei-Staaten-Lösung in Nahost zunichtemachen. Eine israelische Besiedlung von E1 würde das Westjordanland faktisch in Norden und Süden aufteilen und einen Ausbau Ost-Jerusalems als künftige Hauptstadt der Palästinenser unmöglich machen, warnen sie.

Merkel forderte Israel zum Verzicht auf das Projekt auf. Die Bundesregierung sei über die Pläne „äußerst besorgt“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. Israel untergrabe damit das „Vertrauen in seine Verhandlungsbereitschaft“ im Nahost-Friedensprozess, weshalb es von der Ausschreibung absehen solle. Außerdem würde der Raum für einen Palästinenserstaat, den auch Deutschland wolle, damit immer kleiner.

Nach UN-Beschluss: Israel baut 3000 neue Wohnungen im Westjordanland

Nach UN-Beschluss

Israel baut neue Wohnungen im Westjordanland

Nachdem die UN Palästina als Staat anerkannt hat, genehmigt Israel neuen Wohnungsbau.

Der Siedlungsbau wird auch Thema der deutsch-israelischen Regierungskonsultationen sein, zu denen Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu am Mittwochabend im Kanzleramt erwartet wird. Seibert sagte, man freue sich auf „offene Gespräche unter Freunden“. Zugleich appellierte Berlin an Israelis und Palästinenser, sich „konstruktiv“ zu verhalten, um die Wiederaufnahme direkter Friedensgespräche nicht zu verbauen.

Auch aus Großbritannien gab es scharfen Protest gegen Israels Pläne. „Wir verurteilen die kürzlich von Israel getroffene Entscheidung, 3000 neue Wohnungen zu bauen“, hieß es in einer Erklärung des Londoner Außenministeriums am Montag. „Dies bedroht die Realisierbarkeit einer Zwei-Staaten-Lösung.“

Israels Botschafter in London, Daniel Taub, solle den Schritt dem britischen Außen-Staatssekretär Alistair Burt erklären. Burt wollte in dem Gespräch die „Tiefe der Bedenken“ Großbritanniens deutlich machen. Spekulationen darüber, dass London erwägt, seinen Botschafter aus Israel abzuziehen, wurden zunächst nicht bestätigt. Der schwedische Außenminister Carl Bildt nannte Israels Siedlungspläne im Parlament „extrem beunruhigend“.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×