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03.03.2013

13:50 Uhr

Zweidrittelmehrheit für neues Gesetz

Schweizer deckeln Manager-Gehälter

In der Schweiz werden die Gehälter und Boni von Managern künftig schärfer reguliert. Laut Hochrechnungen des Schweizer Fernsehens stimmten 68 Prozent der "Volksinitiative gegen die Abzockerei" zu.

Schweizer stimmen für strengere Boni-Regeln

Video: Schweizer stimmen für strengere Boni-Regeln

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Zürich Die Schweizer Bürger haben laut Hochrechnungen mit Zweidrittelmehrheit einer Volksinitiative zugestimmt, die sich gegen die „Abzockerei“ von Top-Managern wendet. Laut Hochrechnungen des Forschungsinstituts gfs.bern sagten am Sonntag 68 Prozent Ja zur der Vorlage. Mit dem amtlichen Abstimmungsergebnis wurde am Abend gerechnet. Die Stimmlokale schlossen am Sonntagmittag.

Hintergrund der Initiative ist die wachsende Empörung über üppige Vergütungen und Abfindungen für Top-Manager, die oft zweistellige Millionenbeträge erreichen. Die „Abzockerinitiative“ verlangt, dass künftig nicht mehr die Manager die Vergütungen unter sich ausmachen, sondern die Aktionäre über die Gesamtsumme aller Bezüge des Verwaltungsrats, der Geschäftsleitung und des Beirats abstimmen können. Dies erstreckt sich ebenso auf das Grundgehalt wie auf Bonuszahlungen.

Gehälter der Wall-Street-Größen

John Stumpf

Streng genommen ist John Stumpf kein Wall-Street-Banker. Doch mit einer Jahresvergütung von 19,3 Millionen Dollar hat Wells Fargo mit Hauptsitz an der Westküste der USA ihren Chef an die Spitze der Finanzindustrie katapultiert. Während Branchengrößen wie JP-Morgan-Chef Jamie Dimon Einbußen hinnehmen mussten, stieg das Einkommen von Stumpf 2012 um acht Prozent. Nach Rekordgewinnen im vergangenen Jahr stockte Wells Fargo Stumpfs Grundgehalt von 2,8 Millionen Dollar mit einem Bonus von vier Millionen Dollar und Aktien im Wert von 12,5 Millionen Dollar auf.

Brian Moynihan

Der Chef der Bank of America hat im Jahr 2012 stolze 12,1 Millionen Dollar verdient. Damit rückt er in die Liga der bestbezahlten Manager der US-Bankenwelt ein. Die Vergütung von Brian Moynihan stieg gegenüber dem Vorjahr um 73 Prozent. Doch die Spitzenverdiener, Loyd Blankfein von Goldman Sachs und John Stumpf von Wells Fargo, überholt er nicht überholen.

James Gorman

Morgan-Stanley-Chef James Gorman verdiente 2012 mit 9,75 Millionen Dollar sieben Prozent weniger als im Vorjahr.

Jamie Dimon

Jamie Dimon, Chef von JP Morgan, nimmt eine Halbierung seines Bonus für 2012 hin. Er kassiert 11,5 Millionen Dollar. Das Institut wurde von einem Händlerskandal erschüttert. Ein Mitarbeiter mit dem Spitznamen „Londoner Wal“ hatte mehr als sechs Milliarden Dollar verzockt.

Michael Corbat

Der neue Citigroup-Vorstandschef Michael Corbat streicht für 2012 ein sattes Gehalt von 11,5 Millionen US-Dollar ein. Corbat übernahm den Spitzenposten erst im Oktober vergangenen Jahres und stellte die Weichen für den Abbau von 11.000 Stellen.

Betroffen sind nur Schweizer Firmen, die im In- oder Ausland an der Börse notiert sind. Ganz verboten werden sollen zudem Abfindungen, Prämien zum Einstand oder bei Firmenkäufen und -verkäufen. Bei Zuwiderhandlung drohen laut dem Initiativentwurf Freiheitsstrafen bis zu drei Jahren und Geldstrafen bis zu sechs Jahresvergütungen.

Befeuert wurde die Kampagne zuletzt vom Fall des ausscheidenden Novartis-Managers Daniel Vasella, dem fast 60 Millionen Euro allein dafür gezahlt werden sollten, dass er nicht zu Konkurrenzfirmen wechselt. Nach harscher öffentlicher Kritik platzte der Deal schließlich. Als nächster Manager geriet danach Edward Breen in den Blick der Öffentlichkeit, der amerikanische Vorstandschef des Mischkonzerns Tyco soll im vergangenen Jahr gut 24 Millionen Euro verdient haben.

Wer es in der Schweiz schafft, für eine Initiative 100.000 Unterschriften zu sammeln, kann ein bindendes Referendum erzwingen. Wahlberechtigt sind gut fünf Millionen Bürger.

Umfrage: Mehrheit der Deutschen will feste Grenze für Managergehälter

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Kommentare (20)

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svebes

03.03.2013, 15:01 Uhr

Tja, so kanns gehen kommen wenns einem Volk reicht. Oben die 10 Millionen und mehr abzocken und unten die Angestellten mit 50 Tsd €/Jahr rausschmeissen. Nach 2 Jahren sieht es wieder genauso bescheiden aus wie vorher, macht ja nix, da sind diese Parasiten ja schon mit einer fetten Abfindung weitergereist. Schön wenn da wieder eine Kultur Einzug hält die sich an Nachhaltigkeit orientiert. Und es wird genug sehr gute und solide Manager geben die auch für vertretbare und langfristig Gehälter kommen.

Account gelöscht!

03.03.2013, 15:18 Uhr

Zeit das endlich in Deutschland den Milliardenpfuschern in Politik (Stichwort Euro-"Rettung") und Industrie das Handwerk gelegt wird! Zeit für Volksabstimmungen und Initiativen auf Bundesebene! http://www.mehr-demokratie.de/

Account gelöscht!

03.03.2013, 15:43 Uhr

Davon kann ein Signal ausgehen, bin gespannt ob in der ARD/ZDF davon berichtet wird.

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