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08.01.2012

14:36 Uhr

Zweifel des IWF

Hoffnungen auf Griechenland-Rettung schwinden

Griechenland kämpft verzweifelt gegen die Staatspleite. Doch reichen die bisherigen Sanierungspläne aus? Der IWF glaubt einem Medienbericht zufolge nicht mehr, dass das Land mit der bisherigen Strategie zu retten ist.

Mitte Januar entscheidet die Troika über die nächste Tranche des Rettungspakets für Griechenland. dpa

Mitte Januar entscheidet die Troika über die nächste Tranche des Rettungspakets für Griechenland.

AthenFür Griechenland wird es immer enger. Eine Woche vor neuen Kontrollen der internationalen Geldgeber mehren sich die Zweifel, ob die bislang geplanten Sanierungspläne im Kampf gegen die Staatspleite ausreichen. Wie der „Spiegel“ am Wochenende berichtete, glaubt der Internationale Währungsfonds (IWF) als einer der Haupt-Geldgeber nicht, dass Griechenland auf Basis der bisherigen Pläne seine Schulden dauerhaft tragen könne. Der IWF gehört neben der Europäischen Zentralbank (EZB) und der EU-Kommission zur sogenannten „Troika“.

Die „Troika“ wird Angaben des griechischen Finanzministeriums zufolge am 16. Januar für die neue Kontrolle der Bücher und der Sparfortschritte Athens erwartet. Diesmal gehe es nicht nur um die nächste Tranche des ersten Hilfspakets für Griechenland. Die nächste Tranche aus dem ersten Hilfspaket über insgesamt 110 Milliarden Euro soll Griechenland im März erhalten. Die Hilfen sind an Reformauflagen gebunden, die Papademos gegen den erbitterten Widerstand von Gewerkschaften durchsetzen muss. Vorgesehen sind etwa eine Steuer- und Justizreform sowie Rentenkürzungen.

Wie griechische Politiker früher ihren Staat abzockten

Kostenloser Dienstwagen

Ein auf Steuerzahlerkosten geleaster Dienstwagen für jeden der 300 Abgeordneten.

Kein Porto

Befreiung vom Briefporto

Acht kostenlose Telefonanschlüsse

Bis zu acht kostenlose Festnetzanschlüsse für jeden Abgeordneten

Handy-Guthaben

200 Euro im Monat für Handy-Telefonate

Kostenlose Hotel-Unterkunft

Kostenlose Unterkunft in einem Athener Hotel für Abgeordnete aus der Provinz

Freifahrscheine

Freifahrscheine für Busse, Bahnen und Fährschiffe

104 Flugtickets

104 kostenlose Flugtickets im Jahr für Abgeordnete,  deren Wahlkreis weiter als 200 Kilometer von Athen entfernt ist

Sitzungspauschale

150 Euro für jede Teilnahme an einer Ausschusssitzung. Die Unterschrift in der Anwesenheitslistereicht, die tatsächliche Teilnahme wird nicht kontrolliert

Im Mittelpunkt der nächsten "Troika-Mission" werde Mitte Januar das neue Hilfspaket in Höhe von 130 Milliarden Euro von EU und IWF stehen. Die IWF-Experten wollen laut „Spiegel“ wichtige Eckwerte des Rettungspakets an die verschlechterte Wirtschaftssituation anpassen. Laut einem internen IWF-Vermerk solle Griechenland entweder einen höheren Konsolidierungsbeitrag leisten, die privaten Gläubiger auf einen höheren Anteil ihrer Forderungen verzichten oder die Euro-Staaten sich mit einem höheren Beitrag beteiligen. Der IWF kritisiere zudem, die Fortschritte in Athen beim Eintreiben von Steuern und die Erlöse aus Privatisierungen lägen unter den Erwartungen.

Unterdessen wächst in Griechenland die Sorge um die Zukunft. Die nächsten Monate seien entscheidend, hieß es am Wochenende in der griechischen Presse. Die Athener Sonntagszeitung „To Vima“ etwa schrieb, bis März werde das Land „auf die Probe gestellt.“ Der Wirtschaftswissenschaftler Clemens Fuest sagte in einem Interview mit dem Blatt, der geplante Schuldenschnitt reiche nicht aus. „Nach meiner Einschätzung ist Griechenland bereits zahlungsunfähig“, sagte der Professor, der auch das Bundesfinanzministerium berät.

Die konservative Zeitung „Kathimerini“ sprach von „gefährlichen Verspätungen und Aufschüben“ und kommentierte: „Wenn wir nicht untergehen wollen, dann müssen wir Eintracht haben und kooperieren.“ Griechenland hofft auf eine Einigung mit den Banken und Versicherern über einen freiwilligen Schuldenschnitt für das pleitebedrohte Euro-Land noch im Januar. Für die Monatsmitte werde ein Abschluss der Verhandlungen erwartet, hatten Quellen aus dem Finanzministerium in Athen der Nachrichtenagentur dpa am Freitag gesagt.

Kommentare (27)

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Thomas-Melber-Stuttgart

08.01.2012, 15:31 Uhr

"Griechenland kämpft verzweifelt gegen die Staatspleite." Wo und wie wird in Griechenland "verzweifelt" gekämpft? Ist man dabei, endlich eine funktionierende Steuerverwaltung aufzubauen? Konfisziert man die Auslandsguthaben? Legt man die Axt an unverdiente Privilegien?

Realist

08.01.2012, 15:36 Uhr

Die Hoffnung schwindet? Welche Hoffnung? Gibt es jemanden mit Verstand, der Hoffnung hatte?

Account gelöscht!

08.01.2012, 16:10 Uhr

Nein, man läßt die Reichen ihre Schäfchen ins Trockene bringen und die Bevölkerung verrecken.
Und damit eines klar ist:
Ich bin alles andere als Kommunist !!

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