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06.01.2017

09:03 Uhr

Zweiklassengesellschaft

Kuba nach Fidel

Nach dem Tod des legendären Fidel tritt Präsident Raúl Castro aus dem Schatten seines großen Bruders. Es gilt, das Land wirtschaftlich weiter zu öffnen. Doch Kuba steuert auf eine Zweiklassengesellschaft zu.

Bei allem Respekt vor den Errungenschaften von Fidel Castro – die junge Generation fordert eine neue Spitze und wirtschaftliche Chancen. dpa

Fidel Castro

Bei allem Respekt vor den Errungenschaften von Fidel Castro – die junge Generation fordert eine neue Spitze und wirtschaftliche Chancen.

Havanna„Vater – lass meine Hand nicht los. Ich weiß noch nicht, wie ich ohne dich laufen soll“, heißt es in dem melodramatischen Lied „Cabalgando con Fidel“ (Reiten mit Fidel), das seit Castros Tod im ganzen Land in Dauerschleife läuft. Kuba hat seinen legendären Revolutionsführer verloren, die verbindende Leitfigur des sozialistischen Projekts im Hinterhof der USA, den inneren Kompass. Jetzt muss die Karibikinsel ohne Fidel ihren Weg in die Zukunft finden - für viele immer noch unvorstellbar.

„Die Phase des charismatischen Fidelismus in Kuba ist vorbei“, sagt der kubanischstämmige Wissenschaftler Arturo López-Levy von der Universität Texas. Auch wenn sicherlich nicht jeder Kubaner ein strammer Kommunist ist, auf Castro konnten sich alle einigen. Er hielt die Gesellschaft zusammen und ließ sie auch die harten Zeiten der Sonderperiode nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion überstehen.

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Fidel Castros Name darf künftig per Gesetz nicht Kubas Plätze, Straßen oder Gebäude zieren. Auch die Benutzung für Werbezwecke wird verboten. Die Bestimmung erfolgt auf Wunsch des verstorbenen Revolutionsführers selbst.

Präsident Raúl Castro verfügt nicht über das Charisma seines Bruders, das die Kubaner über Mangelwirtschaft und Unterdrückung hinwegblicken ließ. Er muss liefern. Die größte Herausforderung für die kommunistische Führung in Havanna dürfe sein, in Zeiten des Wandels den Laden zusammenzuhalten.

Die schlechte Wirtschaftslage und die Ungewissheit über die US-Politik unter dem künftigen Präsidenten Donald Trump sorgen für Spannungen. „Große Reformen und Liberalisierung haben für die Regierung keinen Vorrang, sondern: Reihen fest geschlossen halten, durchhalten“, sagt der Kuba-Experte Bert Hoffmann vom Giga-Institut in Hamburg.

Aber selbst die zögerlichen marktwirtschaftlichen Reformen bergen enorme soziale Sprengkraft. Früher waren in Kuba alle gleich arm. Eine im regionalen Vergleich gute Bildung und Gesundheitsversorgung gab es für alle, niemand musste hungern – darüber hinaus waren aber keine großen Sprünge möglich.

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