Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.09.2015

08:44 Uhr

Zweite TV-Debatte der US-Republikaner

Die Kalten Krieger sind auf dem Vormarsch

VonMoritz Koch

Die Republikaner beweisen in ihrer zweiten TV-Debatte, dass der stramm rechte Kurs der Falken bei den Wählern wieder salonfähig geworden ist. Die Attacken gegen Präsident Obama zeigen erste Erfolge.

Die Fronten sind klar: Trump gegen alle, alle gegen Trump. AFP

Zweite große Debatte der US-Republikaner die Präsident werden möchten:

Die Fronten sind klar: Trump gegen alle, alle gegen Trump.

New YorkDie Ausgangslage der zweiten republikanischen TV-Debatte, ausgetragen in der Lobby der Präsidentenbibliothek von Ronald Reagan, ist schnell erzählt. Elf Kontrahenten, ein Ziel vor Augen: Reagans Erbe anzutreten. Vorne die Diskutanten an ihren durchsichtigen Podien, hinten glänzender Chrom, die Air Force One des großen Kalten Kriegers.

Konservative Amerikaner haben Reagan zu ihrem Säulenheiligen erhoben. Kein Präsidentschaftsanwärter kann sich heute um die Nominierung der republikanischen Partei bemühen, ohne ihm zu huldigen. Die Kandidaten haben das Spiel mit der Verklärung perfektioniert. Sie bewerben sich nicht als Politiker, sie bewerben sich als Jünger.

Einer aber spielt nicht mit, einer huldigt nur sich selbst: Donald Trump. „Ich bin derjenige, der „The Art of the Deal“ geschrieben hat“, so stellt er sich am Mittwochabend vor, als sei sein fast 30 Jahre altes Buch über Geschäftsabschlüsse eine heilige Schrift.

Die Debatte läuft keine fünf Minuten, da brodelt es schon. Trump tut das, was er am besten kann und was ihn zur einsamen Nummer eins in den Umfragen gemacht hat: Er attackiert. Rand Paul, der ganz rechts außen steht, dürfe eigentlich gar nicht hier sein, behauptet Trump beiläufig, die Umfragewerte des Senators seien zu schlecht. Damit ist die Redeschlacht eröffnet und die Fronten klar. Trump gegen alle, alle gegen Trump.

Paul wehrt sich, wirft Trump vor, andere Kandidaten wie ein Schulkind wegen ihres Aussehens zu kritisieren. Trump feuert zurück: „Ich habe ihn nie wegen seines Erscheinungsbilds attackiert. Und glauben Sie mir, es gäbe da einiges zu sagen.“ Was als Rechtfertigung beginnt, endet als Beleidigung – und damit als Bestätigung von Pauls Vorwurf. Typisch Trump.

Nicht der Atomdeal mit Iran, nicht die wachsende soziale Ungleichheit oder der schwindende Glaube an den amerikanischen Traum ist also das erste große Thema der Debatte, Äußerlichkeiten sind es. Das sagt viel über das Niveau und den besonderen Reiz der republikanischen Vorwahlen.

Schon die erste Debatte war ein Quotenhit, 24 Millionen Zuschauer schalteten ein, natürlich nicht weil sie alle der republikanischen Ideologie anhingen, sondern weil der Debattierclub der Konservativen ein Fernsehevent geworden ist. Must Watch TV, nennen die Amerikaner das.

US-Wahl 2016: „I am sorry“

US-Wahl 2016

„I am sorry“

Miese Umfragewerte, miese Schlagzeilen, mieser Wahlkampf - Hillary Clinton hat eine schwierige Zeit hinter sich. Vergangene Woche aber war sie wieder ganz die Alte und brachte wichtige Worte über die Lippen.

Der Mann, dem die Republikaner diese Aufmerksamkeit verdanken, ist Donald Trump, im Guten wie im Schlechten. Zuletzt hatte er sich die einzige Frau konservativem Kandidatenfeld vorgeknöpft, Carly Fiorina, die frühere Chefin des IT-Konzerns Hewlett Packard. „Guck dir dieses Gesicht an“, soll er in einem Interview gelästert haben. „Wie soll man sich vorstellen, dass dieses Gesicht das Gesicht unserer Präsidentin wird?“

Fiorina nutzt die Publicity, die Dank Trumps Pöbeleien auf sie abfällt: Sie ist die Aufsteigerin des Abends. Für die erste große Debatte war sie nicht zugelassen gewesen, sie wurde ins Vorprogramm verbannt. Doch ihre Kampagne hat Tritt gefasst, wegen ihrer ansteigenden Zustimmungswerte durfte sie nun ihre Premiere im Primetime-Programm feiern. Und sie zeigte, dass sie gekommen ist, um zu bleiben. Es war Fiorina, die nach ein paar Spitzen gegen Trump die Debatte zurück in konventionelle Bahnen lenkte.

Kommentare (18)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Marc Otto

17.09.2015, 08:54 Uhr

hmmm, da kann man also echt gespannt sein, wo der Feuerteufel wieder neue Brände legen will.

Ukraine?
oder vielleicht mal in Mexico?

Account gelöscht!

17.09.2015, 08:58 Uhr

Die Republikaner machen doch alles Richtig. Man hat die Aufmerksamkeit des Volkes erreicht. Und das ist nun mal sehr wichtig bei Wahlen, dass man die Aufmerksamkeit des Volkes hat, um seine Botschaften unters Volk zu bringen.
Für die Demokraten interessiert sich in diesen Moment niemand mehr.
Der Ami liebt die Show und genau das bieten die Republikaner dem Wahlvolk.

Herr Herbert Maier

17.09.2015, 09:18 Uhr

Diese Wahl wird höchst relevant für die Sicherheit in Europa. Wenn man die Reden einiger Kandidaten hört, beispielsweise der Mrs. Fiorina, muss einem Angst und Bange vor wahnsinniger Kriegstreiberei werden.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×